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Einträge aus der Kategorie Aktuelles
Irgendwelche Sachen, die einen Bezug zu irgendwas Aktuellem haben
Bauer, Papst und Bundeskanzler
Mein Freund Jeena hat sich entschieden, mal wieder mit Stöckchen um sich zu werfen. In diesem Fall hat er sich das Thema selbst überlegt, und ich persönlich finde seine Frage, die da lautet Welche Berufe hattest du vor in deinem Leben zu ergreifen? auch sehr interessant.
Genug des Vorworts, auf zur Antwort!
- Agrarökonom
Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich meine ich wollte, und das ist schon ziemlich lange her, auch einmal
Agrarökonom werden, hatte aber keine so genauen und von unbändiger Fleischeslust schon von frühesten Kindesbeinen an getriebene Vorstellungen wie Jeena. Bei mir war das auch irgendwo naheliegend, schließlich wohnte ich die ersten acht Jahre meines Lebens in einem Wohnhaus, zu dem auch ein Bauernhof gehörte und unser Garten lag, und liegt noch immer, inmitten von Feldern, wo im Sommer immer fleißig mähgedroschen wurde, was mich damals besonders faszinierte. So durfte ich dann auch das eine oder andere Mal zusammen mit den Bauern im Traktor über die Felder pflügen oder auch in diesem weiß-grünen Mähdreschungetüm mitfahren.
- Bundeskanzler
Es dauerte jedoch nicht allzulange, bis ich alternative Berufswünsche entwickelte. Im Gegensatz zur amtierenden Bundeskanzlerin war für mich relativ bald klar, daß Bundeskanzler doch ein idealer Beruf wäre. Dieser Ansicht bin ich, am Rande bemerkt, an sich auch heute noch.
- Bundespräsident
Irgendwann kam mir dann die Idee, daß es noch reizvoller sein könnte Bundespräsident zu sein. Man hat die Möglichkeit viel von der Welt zu sehen, muß sich nicht mit einem unter Umständen anstrengenden Kabinett rumärgern und kann trotzdem noch ein wenig mitbestimmen. Auch diese Möglichkeit will ich besser noch nicht ausschließen ... bis ich vierzig bin habe ich aber noch ein wenig Zeit.
- Papst
Ja, auch schon bevor der Joseph aus Bayern in diesem Amt war spielte ich in jüngeren Jahren einmal mit dem Gedanken, das "Berufsziel" Papst anzustreben. Auf diesem Pfad gäbe es natürlich diverse Unwägbarkeiten, schließlich bin ich weder katholisch noch halte ich alle Regelungen der katholischen Kirche für richtig und gut, aber als Papst würde man viel rumkommen, wie auch als Bundespräsident, aber man hätte natürlich eine ganz andere Stellung in der Welt. Diesen Berufswunsch habe ich inzwischen jedoch nahezu aufgegeben, aber irgendwie spannend wäre es doch ...
- ...
Aktuell habe ich keinen konkreten Berufswunsch, aber ich bin zumindest mit meinem Studium der Informationswirtschaft auf der Zielgerade, so daß ich mir langsam mal Gedanken machen könnte, was ich denn genau machen will, wenn ich fertig werde. Nun, Gedanken habe ich schon, aber sie sind trotzdem noch nicht so klar, daß ich einen detaillierten Berufswunsch äußern könnte. Wenn aber Jeena selbst "DatenwissenschaftComputer Science" als letzten Berufswusch angibt, soll auch bei mir mein Studienziel für den Moment genügen.
Als Nachwort freue ich mich nun kundtun zu dürfen, wessen Berufswünsche mich denn noch brennend interessieren:
- Daniel, der Theologe und Webfrickler
- Johannes, mein Webzwonull-Sparringspartner
- Martin, der inzwischen Unmengen an Wasser trinkt, wenn er nicht gerade bloggen muß
- Benson, der auf Avril steht
- Mathias, dessen Blog ich mir viel zu selten "antu" ... ;)
(Für die musikalische Unterhaltung und Unterstützung beim Sammeln meiner Gedanken und während des Schreibens dieses Eintrages sorgte übrigens der norwegische Komponist Ketil Bjørnstad mit seinen unbedingt empfehlenswerten Werken The River, das er zusammen mit David Darling einspielte und Devotions)
Aktuelles .. linken .. kommentieren (2) .. von Götz Bürkle am 20.09.2008 um 18:23:52 Uhr
A List Apart Umfrage 2008
So, gerade über mein Delizifikationsnetzwerk auf die aktuelle A List Apart Umfrage aufmerksam geworden: A List Apart | The Survey 2008.
"survey for people who make websites" - die Umfrage ist also an alle gerichtet, die Webseiten zusammenbauen.
Man braucht ein wenig Zeit und zum Teil wird auch nach konkreten Zahlenspannen (Einkommen, Stundenlohn, Wochenarbeitszeit, ...) gefragt, was nicht immer ganz einfach zu beantworten ist, aber ich denke es ist auf jeden Fall wert die Zeit zu investieren und teilzunehmen, um später dann zu sehen, was man in der Auswertung so alles über diesen Berufsstand erfährt.
Wer also hier mitliest und selber was zur Umfrage beitragen kann, der sei von mir zur Teilnahme eingeladen. Es kostet nur Deine Zeit! ;)
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Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 31.07.2008 um 17:10:02 Uhr
Nachhilfe für die schönste Norwegerin
Man könnte nun befürchten, es würde immer noch um die kleine Reise gehen, doch ich kann beruhigen, tut es nicht. Oder nur ganz wenig. Man könnte sich von der Überschrift auch verschaukelt fühlen, doch ich bin mir keiner Schuld bewußt, schließlich ist das Subjekt weiblich. Zumindest könnte man darüber diskutieren, ob man es als weiblich bezeichnen könnte. Für gewöhnlich würde ich es nicht, doch an sich, fiel mir auf, wäre es vielleicht sogar korrekter. Nun, es geht um meine
Lieblingsoper, die eben aus Norwegen kommt.
Wie allgemein bekannt ist, ist sie rank und schlank und bietet ihren Verehrern doch nahezu alles, was diese sich wünschen, und sogar das, was viele sich nicht einmal zu erträumen wagen würden. Manche geschmacklosen Wüstlinge behaupten, sie sei häßlich, nur weil sie ihrem uniform-langweiligen Schönheitsideal nicht entspricht. Diesem unberechtigten Einwand könnte ich nun zitierend mit "doch zeigt ein anderes Gesicht wenn man sie besser kennt" begegnen, doch das muß ja nicht sein. Mir gefällt sie jedenfalls. Eine richtige Norwegerin eben.
Leider ist auch sie nicht perfekt. Es gibt da einen kleinen Pandabären, der zwar an sich nur ein wenig pummelig ist und außer mit unzähligen Werkzeugen spielen auch nicht viel kann, doch eines konnte er besser als meine Lieblingsoper. Er machte es mir einfacher, sobald es um das
Delizifizieren ging. Das macht er wirklich nicht schlecht, muß man ihm lassen.
Doch ich wollte mich mit diesem Unsäglichen Zustand, der schon fast einer Beleidigung gleichkommt, nicht abfinden und habe mich sodann, als ich die dazu nötige Muse gefunden hatte, auf die Suche gemacht, um meiner entzückenden Norwegerin ein wenig Nachhilfe im Fach "Delizifikation für Fortgeschrittene" zu geben. Nun, was tut man lieber als einem solchen Wesen Nachhilfe zu geben ...?!
Jedenfalls darf ich mit Recht, finde ich zumindest, behaupten, daß ich durchaus, durchaus, erfolgreich war. Sie hat bereitwillig zugehört und hat sich kaum angestellt, so daß es, so würde ich es von meiner Seite beurteilen, für beide Seiten gewinnbringend investierte Zeit war.
Nun hat sie ihre Lektion gelernt und glänzt also durch beeindruckende Delizifikationskunst. Diese Nachhilfestunden können am Rande bemerkt auch weitaus minderwertigeren Geschöpfen als meiner Norwegerin helfen ihre Fähigkeiten zu verbessern. Ein Blick lohnt sich also eventuell selbst für geschmacklose Abenteurer, die auf wilden
Safaris nach
kleinen Pandas oder gar dem häßlichen und unfähigen
Dodo suchen ...
Wer sich nun immer noch dafür interessiert, worum es hier eigentlich genau geht, der möge Komfortabel mit Opera bei del.icio.us posten oder für die anglophilen Leser auch alternativ Posting links to del.icio.us with Opera besuchen. Dort findet man das, was mir nun das Leben leichter macht.
Aktuelles .. linken .. kommentieren (1) .. von Götz Bürkle am 25.01.2008 um 01:09:43 Uhr
Straßenrobotermobile
Gestern habe ich mir, obgleich ich genug anderes zu tun hätte, den Live Stream der DARPA Urban Challenge angeschaut. So habe ich wenigstens diverse Unterlagen sortiert und abgelegt, was ja bestimmt auch nicht verkehrt war.
Viele fänden es wahrscheinlich nicht weiter spannend komischen Fahrzeugen zuzusehen, wie sie auf einem abgeschlossenen Gelände meist gemächlich umherfahren. Doch der Interessierte weiß: Da steckt mehr dahinter.
Der eine oder andere erinnert sich vielleicht an die "Grand Challenge" vor zwei Jahren, als die DARPA autonome Fahrzeuge in die Wüste schickte. Vor drei Jahren kam noch kein Fahrzeug ins Ziel, 2005 waren es dann immerhin fünf. Die
Urban Challenge war nun eine Nachfolgeveranstaltung bei der autonome Fahrzeuge nicht mehr nur durch die Wüste fahren mußten, sondern durch eine simulierte Stadt, oder jedenfalls ein Gelände mit Straßen, Häusern und Verkehr. Dabei mußten sie nicht nur fahren, sondern sich auch an die californischen Verkehrsregeln halten. Auf den Straßen befanden sich auch außer den Maschinen noch ein paar menschliche Fahrer, um Verkehr zu simulieren.
Das muß man sich mal überlegen: Da fahren Automobile vollständig automobil, ohne direkte menschliche Hilfe, nur gesteuert von Programmen, die zwar ihrerseits Menschen geschrieben haben, aber beim Fahren an sich mußte und durfte kein Mensch eingreifen. Ich finde das faszinierend, daß bei diesem Wettbewerb sechs Fahrzeuge ins Ziel kamen, auch wenn die beiden deutschen Teams während der ersten Mission im Finale leider ausschieden. Da sieht man, wie weit die Technik inzwischen ist. Natürlich wäre es langweilig, wenn man gar nicht mehr selbst fahren müßte, aber es forschen ja auch Automobilhersteller immer mal wieder in dieser Richtung, Stichwort
Fahrassistenzsysteme.
Und wen es interessiert, hier noch die ersten drei Plätze bei diesem einmaligen Spektakel:
- "Boss", Tartan Racing, Carnegie Mellon University (Pittsburgh, Pennsylvania)
- "Junior", Stanford Racing Team, Stanford University (Stanford, Kalifornien)
- "Odin", Victor Tango, Virginia Tech,
Blacksburg, Virginia
Ach, und Junior, der Nachkomme von Stanley, is übrigens ein VW Passat und auch sonst hat das Stanford Racing Team noch mindestens fünf deutsche Mitglieder. Aber das ist an sich nicht so wichtig. Ich fand die Veranstaltung faszinierend und kann voller Stolz behaupten: ich hab live zugeschaut und fand es durchaus sehenswert. Zum Beispiel als das Ungetüm vom MIT mal wieder verloren im Wüstenabschnitt sich zu orientieren versuchte, oder der Prius, der wie ein Mann mit Hut fuhr ... der Stream hatte zwar durchaus seine Längen, aber welche Sendung hat das nicht?
Ich bin schon gespannt, ob es wieder mal so eine Veranstaltung gibt, die DARPA plant bisher zumindest nichts mehr in dieser Richtung, sagte jedenfalls Dr. Tony Tether gestern. Aber irgendjemand wird bestimmt eine neue Aufgabe einfallen.
Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 04.11.2007 um 21:42:17 Uhr
ComBOTS ad hoc am Ende?!
Nun, schade, nachdem Heidi ja schon vor einigen Monaten der Laufpaß gegeben wurde macht
beschließt die ComBOTS AG nun eine Neuausrichtung - Einstellung der Weiterentwicklung und Restrukturierung. Nicht, daß das den meisten Aktionären nicht unrecht wäre, nur bin ich mir nicht sicher, ob bei einem Einproduktunternehmen, auf dessen Hauptversammlung es so zuging, wie bei ComBOTS die letzten drei Jahre, nicht vielleicht doch lieber die Aktionäre vor einer solchen Entscheidung gefragt werden sollten. Immerhin betrifft diese Entscheidung den Kern der Gesellschaft, die Geschäftsgrundlage, alles eigentlich.
Ich bin jetzt schon auf die Hauptversammlung im nächsten Jahr gespannt ... ich hab ja shcon relativ früh gesagt: Dieser Kommunikations-Messenger-Kram wird ein flop, aber danach haben die bestimmt wieder eine neue, wirklich gute, Idee und dann gehts wieder bergauf. Ob sich das bewahrheitet muß sich zeigen ... viele wären froh.
Und nun die ComBOTS-Geschichte in mehreren Episoden aus meiner Perspektive als einem Akionärsvertreter, der auszog um seinen Horizont durch den Besuch einer Hauptversammlung zu erweitern:
- Von Kompost, Kompott und comBOTS
- WEB.DE ist tot, es lebe comBOTS!
- Sie Komposthaufen
- Die große Knubbelmetamorphose
- Willkommen zu Heidis neuer Welt!
- Erlebnisbericht von der Heidi..äh..Hauptversammlung
- ComBOTS, Heidi und die Verbrennungsgefahr
Soviel dazu, wir dürfen gespannt sein, was nun folgt.
Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 25.09.2007 um 12:35:04 Uhr
Die Rache der Sprachpolizei
Aus aktuellem Anlaß will ich ein paar Sätze über die uns allen wohlbekannte Gebühreneinzugszentrale (GEZ) der öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten (ARD), des Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) und des Deutschlandradio (DR) verlieren.
Wer in den letzten Tagen aufmerksam das Treiben im Netz beobachtet hat, der dürfte mitbekommen haben, was akademie.de passiert ist: Abmahnung: GEZ untersagt "GEZ-Gebühren", "PC-Gebühren" und "GEZ-Anmeldung".
Doch bevor ich darauf eingehen werde, will ich ein wenig über meine persönlichen Erfahrungen mit der
Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten berichten. Dem aufmerksamen Leser sollte nicht entgangen sein, daß ich mich zu den Öffentlich-Rechtlichen durchaus hingezogen fühle, woraus resultiert, daß ich diese auch zu unterstützen bereit bin. Doch auch meine Unterstützungsbereitschaft hat gewisse Grenzen, die zum Beispiel dann erreicht sind, wenn ich keinen Fernseher mehr besitze, aber dafür trotzdem Gebühren bezahlen soll. Doch alles der Reihe nach, dann wird auch der Zusammenhang mit Stockholm vielleicht klarer, den es zumindest indirekt gibt.
Da wir unsere
Wohngemeinschaft in Karlsruhe aufgelöst haben, habe ich natürlich in Karlsruhe keine Wohnung mehr. Da das absehbar war hatte ich mich frühzeitig an die bereits benannte Behörde gewandt, um mich über eine Abmeldung zu informieren. So schrieb ich also am 25.05.2007 eine elektronische Nachricht an jene Behörde, in der ich meinen Abmeldewunsch zum 31.07.2007 bekundete und mich allgemein über die Abmeldemodalitäten informieren wollte.
Da ich meine postalische Korrespondenz nicht vollständig mit mir geführt habe kann ich keine weiteren Details für diesen Zeitraum mehr nennen, doch bekam ich wohl relativ zügig eine Antwort, per Post, und schickte der Behörde sodann meine Abmeldung zu, was diese vor dem 07.06.2007 mit einer Antwort quittierte, die mich jedoch nicht völlig zu befriedigen vermochte, weswegen ich an eben jenem 07.06.2007 erneut eine elektronische Nachricht an jene Behörde sandte, die unter anderem folgende Formulierung enthielt: "Verwundert nahm ich zur Kenntnis, daß Sie einen Grund für die Abmeldung wissen müssen. An Ihrer Formulierung "Eine Abmeldung ohne Begründung lässt der Gesetzgeber jedoch nicht zu." habe ich jedoch meine Zweifel. Sowohl im Rundfunkstaatsvertrag, im Rundfunkgebührenstaatsvertrag als auch im Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag konnte ich keine derarige Klausel finden. Ich bitte also um einen Beleg dieser Behauptung."
Man könnte ja meinen, als Bürger und Rundfunkteilnehmer hätte man ein Recht darauf zu erfahren, auf welcher rechtlichen Grundlage ein Ersuchen denn abgelehnt wird (inzwischen habe ich die Stelle auch ohne Hilfe der Behörde gefunden:
Rundfunkgebührenstaatsvertrag (RGebStV) §3 Abs. 2 Nr. 9 - doch es wäre für die Behörde ein Leichtes gewesen diese meine Bedenken auszuräumen, sie hätten mir nur eben jenen Verweis zukommen lassen brauchen). Durch ihre Antwort brachten sie mich erst darauf, daß ich ja auch im Ausland ein "neuartiges Rundfunkempfangsgerät" bereithalten werde, was mich zu folgenden Sätzen veranlaßte: "Aber ich konnte den Gesetzestexten nicht entnehmen, ob ich auch während meines Aufenthalts im Ausland hier in Deutschland gebührenpflichtig bin. Welche Landesrundfunkanstalt kann denn da zuständig sein? Möglicherweise die, an meinem Hauptwohnsitz, nur melde ich an diesem kein Gerät an, da ich dort keines bereithalte."
Ich schloß dieses Schreiben mit der Bitte um Klärung der offenen Punkte. Möglicherweise könnte ich das auch durch intensivere Beschäftigung mit dem Thema herausbekommen, aber warum sollte jene Behörde auf diese Frage nmir nicht antworten?
Aus oben bereits genanntem Grund kann ich nicht zu hundert Prozent rekonstruieren, was genau dann folgte, jedenfalls erhielt ich am 11.07.2007, wohlgemerkt einen Monat nach dem letzten Schreiben, eine Antwort und zwar eine Ablehnung meiner Abmeldung.
Daraufhin sah ich mich veranlaßt, einige weitere nette Zeilen zu Ehren der deutschlandweit berüchtigten Behörde aus meinen Tiefen quellen zu lassen: "Sie schreiben, besser gesagt sie kopieren vermutlich aus einem reichen Fundus von Standardantworten, folgendes:
"Die Abwesenheit des Rundfunkteilnehmers von seiner Wohnung wegen Urlaubs beendet nicht das Bereithalten der dort aufgestellten Rundfunkempfangsgeräte, [...]".
Mir scheint, sie haben meine Begründung nicht gelesen, oder jedenfalls nicht verstanden. Falls dies Ihre intellektuelle Kapazität übersteigt teilen Sie mir dies bitte mit, daß ich eine übergeordnete Stelle ersuchen kann Ihnen sprachliche Förderung zuteil werden zu lassen.
Ich zitiere aus meiner E-Mail vom 07.06.2007: "Nichtsdestotrotz kann ich ihnen gerne den Grund für meine Abmeldung zum 31.07.2007 mitteilen. Dieser liegt in einem am 01.08.2007 beginnenden Auslandsaufenthalt für mehrere Monate, vor dem ich meine Wohnung aufgeben und auch weder meinen Radio noch meinen Fernseher mitnehmen werde."
Wenn Sie sich nun einmal wenigstens einen Augenblick anstrengen, könnten Sie feststellen, daß der Grund Ihrer Ablehnung mit meiner Begründung nicht viel zu tun hat. Denn, in welcher Wohnung sollte ich ein Gerät bereithalten, wenn ich meine Wohnung aufgebe? Diese Logik müßten Sie mir erst einmal erklären.
Davon abgesehen kamen Sie meinem Auskunftsersuchen nach der exakten Angabe der gesetzlichen Grundlage Ihres Verhaltens nicht nach. Weitere von mir aufgeworfene Fragen blieben selbstverständlich ebenso unbeantwortet. [...]"
Ich beendete meine Antwort mit den Worten "Ohne freundliche Grüße, Der Rundfunkteilnehmer" - schließlich wird man von der Behörde ja immer nur als Rundfunkteilnehmer angesprochen.
Zugegeben, diese elektronische Nachricht war nicht unbedingt der Gipfel der Freundlichkeit, doch angesichts des Verhaltens jener berüchtigten Behörde hielt ich es für angebracht, die Probleme auf den Punkt und ohne Umschweife zur Sprache zu bringen.
Als Folge auf meine Beschwerde wurde meine Abmeldung Anfang August akzeptiert. Auf die Antworten auf meine Fragen warte ich natürlich immer noch, die werde ich vermutlich auch nie bekommen ...
Nun, dies ist meine eigene persönliche Geschichte mit jener Behörde, die letztens wieder aus bereits eingangs genanntem Grund für Aufsehen sorgte. Dieser Bericht enthält keine unwahren Behauptungen und zielt nicht darauf ab, das "Image" jener Behörde zu schädigen, das beherrscht jene selbst auch ohne meine Hilfe ganz gut, sondern er soll beispielhaft aufzeigen, womit ein Rundfunkteilnehmer zu rechnen hat, wenn er seiner gesetzlichen Anzeigepflicht nachkommt.
Nachdem die Behörde augenscheinlich ihren Tätigkeitsbereich auszuweiten sucht, um künftig als Sprachpolizei anerkannt zu werden, obgleich ich aufgrund meiner Erlebnisse Zweifel an ihrer sprachlichen Kompetenz hege, will ich dem interessierten Leser weitere Artikel zur Lektüre empfehlen, auf daß er sich selbst sein unabhängiges Bild vom Benehmen, passender fände ich Unverhalten, jener Institution macht.
- heise online - GEZ rudert bei Abmahnung wegen missliebiger Begriffe vorsichtig zurück
"Das satirereife Vorgehen der GEZ hat für teils scharfe Reaktionen gesorgt. "Wie auch immer das Abmahnschreiben rechtlich zu beurteilen ist, aus politischer Sicht ist es eine Absurdität""
- heise online - GEZ mahnt Bildungsportal wegen falscher Wortwahl ab
"Im Detail stört sich die GEZ noch an einer Vielzahl von Begriffen, mit der sich die Rechnungsstelle der Rundfunkanstalten offenbar unzutreffend charakterisiert fühlt."
"Was auf den ersten Blick stellenweise wie der Aussetzer einer peniblen deutschen Verwaltungsseele wirkt und eher an eine Satire erinnert, ist nach Ansicht der Betroffenen überhaupt nicht witzig."
Interessant an diesem Artikel ist, daß hier eine Assoziation geäußert wird, die auch mir beim Lesen der "falschen oder nicht existenten Begriffe" in den Kopf kam, nämlich die zu
Schorschs Neusprech- Medien - Feuilleton - FAZ.NET - Fernsehen: Die GEZ mahnt ein Internet-Portal ab von Maria Holzmüller
"Ein schlechter Ruf ist schnell erworben, ihn wieder loszuwerden dauert meist länger." - Wohl wahr.
- Inkorrekte Bezeichnung GEZ mahnt Webseite wegen Begriff "GEZ-Gebühr" ab - Wirtschaft - sueddeutsche.de
"Die TV-Gebühreneinzugszentrale will einen radikalen Imagewandel vollziehen. Man will weg vom "GEZ-Fahnder" - und droht mit teuren, juristischen Bandagen." - Es darf bezweifelt werden, daß man ein gutes Image durch ein Gericht zugesprochen bekommen kann ...
- GEZ: Gebühreneintreibe-Monopol wenig offensiv in der Informationspolitik - Die Satire Zeitung
"Und schließlich: die GEZ fürchtet sich vor einem "negativen Image". Dazu tragen allerdings vor allem solche völlig überflüssigen Aktionen bei!"
- Rabiate Imagepflege: GEZ mahnt Webseite wegen Begriff "GEZ-Gebühr" ab - Netzwelt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
"Der Versuch der GEZ, die "Nutzung nicht existenter Begriffe" (so das Abmahnschreiben) zu untersagen, wirkt absurd. Insgesamt 30 "falsche" Begriffe zählt die GEZ auf und stellt ihnen die "richtigen" Übersetzungen gegenüber."
- GEZ mahnt Website wegen der Verwendung von „GEZ-Gebühren“ ab - eRecht24.de
"Ganz angesehen von der logischen Frage, ob es so etwas wie die „Nutzung nicht existenter Begriffe“ überhaupt gibt."
"Auch überdehnt die GEZ hier vielleicht auch ein klein wenig Ihre Kompetenzen. „Ihre Aufgabe besteht darin, die Rundfunkgebühren einzuziehen“, so steht es auf der Website der GEZ. Von der Pflege der Deutschen Sprache als Aufgabe der GEZ ist jedenfalls weder auf der Website noch im hierfür maßgeblichen Rundfunk-Staatsvertrag die Rede."- Akademie.de von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten via GEZ abgemahnt - RA-Blog
"Ich schaue mal gerade, ob es neuerdings ein Beamtendeutschverwendungsverpflichtungsgesetz (BeamtDVwVpflG) gibt. Ach Moment, ich muss erst Erbsen zählen."
- Die Gebühreneintreiber wollen nicht mehr so genannt werden - GEZ noch? (taz)
"Geht klar. Ist irgendwie ja auch beruhigend, dass die GEZ ihrem ohnehin ramponierten Image getreu jede Annäherung an ihre Kundschaft - pardon: an die gebührenpflichtigen RundfunkteilnehmerInnen - ablehnt."
Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 31.08.2007 um 03:45:01 Uhr
Fantastisch eng, fantastisch heiß, fantastisch fantastisch
Wer in Karlsruhe wohnt, an dem dürfte es nicht völlig vorübergegangen sein: Am Wochenende war DAS FEST 2007. Und wie auch schon vor 2 Jahren und vor 3 Jahren war ich auch in diesem Jahr zumindest an einem Tag mal wieder dort.
Endlich hab ich es mal geschafft am Sonntagmorgen zum Klassik-Frühstück zu gehen. Gefrühstückt hab ich dort zwar nichts, aber der
Badischen Staatskapelle zugehört. Sie haben vor allem eher bekannte Werke gespielt. Bei "
Danse Macabre" von
Camille Saint-Saëns war ich mir sofort sicher, daß das Leitmotiv in irgendeinem anderen Song vorkommt, ich dachte sofort an
Freundeskreis, aber konnte es nirgends hören - nach ein wenig suchen wurde ich doch noch fündig und mein "Gefühl" lag richtig: bei 20 $ Skit auf dem Album Esperanto liegt dieses Stück im Hintergrund.
Und wie ich dann mittags, nach meinem Frühstück, in der Sonne durch das FEST-Gelände schritt traf mich fast der Schlag. Naja, der traf mich schon am Morgen, aber da hatte ich noch keine Lust mein Gerät auszupacken um dieses Elend zu dokumentieren.
Man betrachte das Bild. Also, ich dachte tatsächlich, als ich dieses Gebilde das erste Mal sah, es sei ein Kunstwerk, ein Witz. Doch weit gefehlt, diese meiner Ansicht nach würdelosen Plastikdinger sollen ernsthaft dazu dienen, sich gewisser Körpersäfte zu entledigen.
Mal ehrlich: Das geht mal garnicht. Da stell ich mich lieber an einen Baum, aber sowas ... da soll man sich also in aller Öffentlichkeit einfach so in die Ecke stellen? Nun, ich muß zum Glück nicht alles verstehen und erst recht nicht alles benutzen, was es auf dieser Welt gibt.

Doch weiter zu den angenehmeren Dingen des Lebens.
Mein Weg führte mich also vorbei an diesen Ichsprechesnichtaus zum Rand des Geländes, wo einige waghalsige Burschen aus der ganzen Welt ihre Tricks zeigten und damit durchaus auch mich beeindrucken konnten. Es klappte zwar nicht immer alles, aber doch beachtlich vieles. Einer dieser fliegend-fahrenden Zunft, ein Australier, stand fast alles, was er sprang, das war kaum zu glauben und schön anzusehen.
Zum Beispiel Ballons von dm. Ich will ja keine Werbung machen, aber ich mag
den Werner einfach, deswegen erwähne ich ihn dann und wann ganz gern. Ich stimme mit Sicherheit nicht allem zu, was er so sagt, aber er ist ein interessanter Mensch, der gut reden kann und es schafft zum Nachdenken anzuregen. Außerdem kann er einiges zitieren - sowas nenn ich Vorbild.
Doch eigentlich wollte ich mit den Ballons nur zu einer weiteren Beobachtung überleiten. Über das Gelände spazierten nämlich dm-Menschen, die mit allerlei Mittelchen ausgerüstet waren, um den vielen Menschen denen sie begegneten zu helfen. Es waren wohl größtenteils irgendwelche Hygieneartikel, ich fand die Idee jedenfalls gut.
Langsam aber sicher füllte sich der Hügel und auch die Ebene. Schier unvorstellbare Menschenmassen drängten sich nun vor der Bühne. Und ich mittendrin. Anfangs war es ja noch schön angenehm und luftig. Man konnte sich bewegen, atmen, und das Leben genießen.
Je weiter die Zeit voranschritt, desto eingeschränkter wurden die Bewegungsmöglichkeiten, auch die Luft wurde zur Mangelware, so daß man lediglich noch das Leben genießen konnte, wenn denn die Luft dazu ausreichte.
Irgendwann wurde es dann fast unerträglich. Ich stand zwar im Schatten, doch das hilft wenig, wenn nahezu jeder Quadratzentimeter des eigenen Körpers von einem fremden heißen Körper berührt, ja bedrängt, wird. Ich habe ja nichts gegen körperliche Nähe ... Schon wollte ich mit diesem abgedroschenen Spruch ansetzen, den ich an diesem Abend auch mindestens einmal von einer Nachbarin hörte, doch es würde wahrscheinlich nicht einmal der Wahrheit entsprechen. Ich habe bestimmt mehr gegen körperliche Nähe als der Durchschnittsmensch - frei nach dem Motto: lieber erstmal auf Distanz zur Umwelt bleiben. Nun, das mit der Distanz hat in diesem Getümmel natürlich nicht geklappt.
Pünktlich begann dann der fantastische Teil des Abends, denn der Höhepunkt begann und sollte von halb zehn bis kurz vor elf andauern. Zum Abschluß des Festes gaben sich nämlich
Die Fantastischen Vier die Ehre. Ich erinner mich, sie fingen mit Songs ihrer neusten Veröffentlichung an, aber auch älteres fand seinen Platz. Es ist schon erstaunlich, daß man so viele Texte von denen einfach kennt, ohne auch nur eine ihrer Tonträger sein Eigen zu nennen. Zugegeben, man hat ja Verwandte und Freunde, die einen an ihren reichen Schätzen teilhaben lassen, trotzdem war ich überrascht, jedes Lied zu kennen.
Der Platz wurde nicht mehr, aber wenigstens war man zeitweise nicht mehr ganz so bedrängt. Die Lage stabilisierte sich und ich konnte wenigstens wieder stehen. Auch wenn ich meine Arme kaum bewegen konnte, da die irgendwo zwischen den umstehenden Menschen steckten. Aber es war erträglich geworden, man hatte sich mit der Situation arrangiert.
Und dann, auf einmal wurde es unruhig hinter mir, ein Mädel wollte wohl "raus". Kein Problem, ich mache ja gerne Platz. Doch weit kam sie nicht, ehe ich mich versah fiel sie mir in die Hände. Nun, man könnte sich durchaus schlimmeres vorstellen, als wenn ein weibliches Wesen einem in die Hände fiele, doch in diesem Fall war es kein Grund zur Freude, sie war schlicht umgekippt. Doch nichts wäre gefährlicher in diesem Gedränge gewesen, als dieses Wesen zu Boden sinken zu lassen, weswegen ich versuchte sie so gut wie möglich zu packen und nach vorn zur Absperrung zu befördern. An den
Rettungsgriff war nicht zu denken, da beide Hände an sich schon ausgelastet waren. Eine mußte das "
goldene Vlies" hüten, an der anderen baumelte mein silbernes Kischen. Ich hätte mich der Gegenstände bestimmt temporär entledigen können indem ich sie einfach einer Nachbarin oder einem Nachbarn in die Hand gedrückt hätte, doch das kam mir in dem Moment gar nicht in den Sinn. Reflexartig bahnte ich uns, also ihr und mir, einen Weg nach vorn. Eine Freundin von ihr half mir dabei. Fast vorn angekommen, inzwischen schien sie wieder von einem Hauch von Leben erfüllt, taumelte sie dann mir ihrer Freundin voll bis zu den rettenden Herren in den schwarzen Westen. Und ich trat meinen Rückweg zu meinem angestammten Platz an.
Ich muß zugeben, ich fühlte mich wie ein kleiner Held - natürlich mehr kleiner als Held, aber immerhin.
Kurz vor Schluß schmiß sich dann der Smude in die Menge. Die vier auf der Bühne hatten, wie es aussah, auch ihren Spaß an diesem Abend. Auch sie spielen nicht jedes Konzert vor so vielen Zuhörern.
Dem interessierten Leser sei noch gesagt, daß ich ![]()
noch weitere Bilder des Spektakels gemacht habe. Doch wie ich meinte zu erkennen waren die Bilder meiner Nachbarin schärfer, also natürlich die Bilder, die sie schoß und nicht die Bilder von ihr, wobei ... naja der (schlechten) Wortwitze haben die Fantas schon genug gemacht. Jedenfalls gibt es bestimmt noch bessere Bilder des Abends, für meine kleine waren die Lichtverhältnisse suboptimal, wobei meine Nachbarin auch "nur" irgendeine kleine Finepix - genauer weiß ich es leider nicht - hatte, die aber wohl mit der Beleuchtung besser zurecht kam. Aber die hat auch immer geblitzt.
... ah, nun fiel mir auch wieder ein, warum ich unbedingt meine Nachbarin noch erwähnen mußte, schließlich nahm ich anerkennend zur Kenntnis, daß sie einige Jungs vor ihr, die natürlich ebenso meine Nachbarn waren, ermahnte doch bitte mit dem Rauchen in diesem Getümmel aufzuhören oder zumindest zu versuchen, ihre Umwelt durch gezieltes ausatmen wenigstens möglichst geringer Belastung auszusetzen. Dies war selbstverständlich ganz in meinem Sinne - die Jugend ist doch noch nicht völlig verloren ... ;)
Zurück zum eigentlichen Grund dieses Eintrages. Das, was die Fantastischen Vier boten war jedenfalls lohnenswert und so bedaure ich nicht, den Abend im Gedränge anstatt auf dem Spielplatz für Yuppies verbracht zu haben.
Und außer der Reihe, nämlich vom Ausgang der Günther-Klotz-Anlage bei der Metro eine Temperaturangabe:
22.07.2007, 23:17, 19°C
Aktuelles .. linken .. kommentieren (4) .. von Götz Bürkle am 25.07.2007 um 22:56:50 Uhr
ComBOTS, Heidi und die Verbrennungsgefahr
Im dritten Jahr in Folge fand ich mich nun auf der Hauptversammlung der
ComBOTS AG in der Stadthalle Karlsruhe ein. Doch anstatt, wie in den letzten zwei Jahren mit Bannern und Fahnen außen auf das Treiben innen hinzuweisen gab es dieses Mal von außen gar keine Möglichkeit mitzubekommen, daß innen eine überaus bedeutende AG ihre Hauptversammlung abhielt.
Zur Lektüre und zum besseren Verständnis des Folgenden empfehle ich Von Kompost, Kompott und comBOTS, WEB.DE ist tot, es lebe comBOTS!, Die große Knubbelmetamorphose, Erlebnisbericht von der Heidi..äh..Hauptversammlung und Willkommen zu Heidis neuer Welt!.
Nach zwei Butterbrezeln und ein paar Gläsern, ich hatte diesen Morgen noch nicht gefrühstückt, fing die Hauptversammlung um kurz nach zehn pünktlich an. Wie inzwischen schon gewohnt begrüßte der Aufsichtsratsvorsitzende Herr Reiter und leitete die Versammlung. Als Notar saß wieder Herr Stiegeler mit auf dem Podium. Bei der Frage, ob alle ihre Unterlagen hätten merkte Reiter an "Die Lichtverhältnisse von hier oben sind sehr schlecht", worauf prompt einer aus der ersten Reihe erwiderte "Hier unten sind die Lichtverhältnisse noch schlechter!" - sodann war es aus mit dem schummrigen Licht und es wurde hell.
Die erste Wortmeldung folgte schon sehr bald, denn Herr Buhlmann wollte sich dafür einsetzen, daß auch für Produktbeschreibungen die deutsche Sprache benutzt werden sollte. Außerdem interessierte er sich für die Zahlen des zweiten Quartals, die eigentlich erst nächste Woche veröffentlicht werden. Schon jetzt fiel mir ein Langhaarzausel aus der ersten Reihe auf, der sich noch öfter zu Wort melden würde - zum Leidwesen aller.
Um halb elf begann endlich der Bericht des
Vorstandes. Also machte sich Michael Greve ans Erzählen. Weil man bisher keine Erfolge vorweisen kann verwies man eben auf seine Wurzeln,
WEB.DE. Kernkompetenz Kommunikation und so. Als "Personal Digital Communication" fiel beschwerte sich eben jener, den ich oben bereits erwähnte, daß man ihm dies auf deutsch erklären sollte, weil er es nicht verstanden habe. Und für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Seit der CeBIT, also seit März, ist ComBOTS der Beta-Phase entwachsen. Das Konzept FriendlyWare wurde nebenbei auch verworfen, weil es nicht aufging. Und es gab Presse Roadshows im Vereinigten Königreich, Italien, Spanien und Frankreich - ob diese Shows auch nur irgendetwas bewirkt haben wage ich noch zu bezweifeln, aber so kam das ComBOTS-Team wenigstens ein bißchen rum in der Welt. Oh, nicht zu vergessen zwei Fernsehauftritte bei
GIGA - das darf natürlich nicht fehlen.
Doch Greve überraschte in seiner Rede auch mit Ehrlichkeit: Das Ergebnis bisher sei sehr unbefriedigend, das Produkt verbreite sich nur sehr schleppend und die virale Verbreitung funktioniere nicht.
Als Folge dieser Erkenntnisse veranlaßte er Analysen um herauszufinden, woran es denn liegt. Die Ergebnisse dieser Analysen: "Wir haben eindeutig eine zu jugendliche Wahrnehmung", Characters und Emotions überstrahlen die technische Leistungsfähigkeit völlig, die Produktvorteile werden nicht verstanden, Trägheit der Freunde.
Er kam zu dem Schluß, daß ComBOTS als geschlossenes Netz nicht durchsetzbar ist. Nebenbei übersetzte er spontan auf eine Nachfrage "Instant Messenger" mit "Sofortiger Nachrichtenübermittler". Greve stellte noch heraus, daß sie schnell reagiert haben, schließlich war der Launch erst im März - doch ich frage mich natürlich, ob sich das alles nicht schon in der Beta-Phase abzeichnete?!
Nach der Analyse folgten die Maßnahmen, die ergriffen wurden um doch noch die Weltherrschaft zu ergreifen Weltmarktführer zu werden. Man gestaltete den ganzen Auftritt erwachsener - schade, keine Heidi mehr. Naja, so schlimm ist es selbstverständlich nicht, nur dreht sich nicht mehr alles nur um Heidi, sondern Heidi muß nun in der letzten Reihe Platz nehmen und sich unauffällig verhalten. Dem Leiter des Rechenzentrums Herr Thöne, der sich letztes Jahr mit Heidi rumschlagen mußte ist das bestimmt nicht unrecht. Es wird nicht mehr über diese lustigen bunten Figuren gesprochen - sie sind zwar noch da, aber mehr nicht. Darüber könnte man sich freilich wundern, wenn man noch weiß, daß es im letzten Jahr hieß, daß "der Shop an sich die Hälfte des Geschäftsmodells darstellt". Außerdem gibt es nun eine Kurzanteilung (... wir erinnern uns,
O-Ton Greve 2006: "Wir hassen Handbücher."). Wirklich wichtige Neuerungen sind jedoch die Integration anderer
IM-Protokolle, so daß ComBOTS einer unter vielen
Multi-Protokoll-Clients wird - so aber wenigstens auch dann benutzt werden kann, wenn die Freunde andere Systeme benutzen, und die verbesserte Telefonie. Nun wird auf
SIP gesetzt und kein proprietäres Protokoll mehr eingesetzt. Und man sieht sich nun tatsächlich im Wettbewerb mit
Skype und Konsorten, wobei die SIP-Unterstützung als Alleinstellungsmerkmal herhalten muß. Eine weitere, vielleicht sogar tatsächlich praktische Funktion, ist FileSync. Das werde ich mir wahrscheinlich auch mal anschauen und testen.
Aber damit noch nicht genug, es gibt auch schon eine Beta-Version von ComBOTS mobile für einige Mobiltelefone, die Java können. Version 1.0 ist für September 2007 geplant.
Überhaupt, das dritte Quartal wird entscheidend! Denn alle erwähnten Maßnahmen sind bereits umgesetzt und der Fokus liegt nun auf der Nutzergewinnung. "Wir müssen raus aus dem Tal der Tränen."
Abschließend stellte Greve nocheinmal fest: "Die Situation ist nicht befriedigend, aber wir arbeiten daran, das doch noch in einen Erfolg zu verwandeln."
Kurz nach elf schritt Herr Gratzl zur Tat: "Keine Umsätze und ein hoher Verlust." Auch er wiederholte, daß sie alles andere als zufrieden sind. Außerdem merkte er an, daß sie viel Kapazität vorhalten, was natürlich auch viel Geld kostet. Zudem sprach er dem bisherigen Produkt die Marktfähigkeit ab. Interessant auch: "Solange der Produkterfolg nicht eingetreten ist werden wir nicht weiter investieren." Naja, man hat im letzten Jahr ja auch genug investiert - immerhin liegt der
EBIT bei -43,1 Millionen Euro. Aber man hat ja auch ein tolles Rechenzentrum mit Servern und Rudern? Rudern? Vielleicht meinte er "Routern", aber bei "Rudern" kam mir sofort das Bild einer Galeere in den Kopf. Ob man wohl eine Gemeinsamkeit zwischen dem ComBOTS Rechenzentrum und einer Galeere finden kann, außer den Rudern? Egal, weiter im Text. Trotz dieses immensen Verlusts liegt das Eigenkapital bei 488 Millionen Euro, die liquiden Mittel bei 462,7 Millionen Euro, wobei 290 Millionen Euro davon die Anteile an United Internet sind. Übrigens beträgt der nichtrealisierte Wertzuwachs der United Internet Anteile 102 Millionen Euro. Alles in allem ist ComBOTS jetzt mehr Wert als im letzten Jahr, die "Allianz mit UI hat sich für uns außerordentlich ausgezahlt".
Deswegen hat man immer noch genug Geld um die "überlegene digitale Kommunikationslösung" weiter zu finanzieren. Für 2007 ist ein Vorsteuerverlust von 27 Millionen Euro geplant, für 2008 und 2009 ähnliche Werte. Im Jahr 2010 will man dann mit 2 Millionen Kunden die Gewinnschwelle erreichen (im letzten Jahr wurde noch gesagt "so sei man "schon bei einer Million Nutzer" in den schwarzen Zahlen.").
Als Schlußsatz seines Berichts stellte Gratzl fest, daß die Geschäftsentwicklung enttäuschend sei und ein steiniger Weg vor uns liege.
Um halb zwölf folgte der Auftritt von Herrn Hornberger. Er stellte fest, daß der Gewinnverwendungsbeschluß aus dem letzten Jahr von einem gewissen Herrn Zapf angefochten wurde. Inzwischen weiß ich auch, wer dieser Herr Zapf ist, nämlich der bereits oben erwähnte Langhaarzausel. Es soll hier nicht um Zapf gehen, aber ich nutze die Gelegenheit, um ein paar Verweise zu setzen, auf daß sich jeder sein eigenes Bild von dieser eigenartigen Gestalt machen kann: Wie Klaus E. H. Zapf durch Mitgefühl und Gerechtigkeitssinn Millionär wurde. - ein Märchen, "Suche Millionär", Der Umzieher, Die Zapf-Story,
Klaus Zapf: "Klar bin ich ein Spießer", weiteres siehe
Google.
Hornberger erwähnte auch, daß das Gericht in erster Instanz das "protokollierte Auskunftsverhalten bemängelte". Auch interessant zu wissen. Er wiederholte das, was er auch schon in den letzten Jahren gesagt hatte: Es gibt keine Dividende, schließlich braucht man das Geld für die Zukunft des erfolgreichen Produkts. Man habe ohnehin nur 150 Millionen Euro verfügbare Mittel. Nur?! Der Aktionär Strenger hatte dagegen den Antrag gestellt den Bilanzgewinn komplett auszuschütten. Darauf werde ich später wahrscheinlich noch zurückkommen. Weiter erklärte Hornberger, daß der Aktienrückkauf bis 10% fortgesetzt werde. Was man dann mit dem Aktienpaket machen wird wisse man noch nicht, mir erschien die Einziehung und Herabsetzung des Grundkapitals am wahrscheinlichsten. Im Zusammenhang des Rückkaufs ließ er die Bemerkung fallen, die "Aktie sei auf attraktivem Niveau", worauf aus dem Aktionärskreis der Zwischenruf "Heuchler!" zu hören war. Später stellte Hornberger nochmal klar, daß er mit "attraktivem Niveau" natürlich nur attraktiv für den Rückkauf meinte. Und da hat er ja durchaus recht.
Danach folgten kurze Stellungnahmen zu den bisherigen Anträgen. Zum zweiten Quartal könne man noch nichts genaues sagen und englische Fachbegriffe würden jeweils erläutert. Anschließend wurde die Präsenz erstmalig verkündet, sie lag bei 67,954% des Grundkapitals.
Dieser kurze Block wurde mit der "Bitte um Sachlichkeit und Kürze von Wortmeldungen" beendet.
Um dreiviertel Zwölf begann schließlich die Diskussion. Als erster positionierte sich Herr Labriga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. am Rednerpult. Am Tag nach der HV, als ich mich mit einem Freund über die Veranstaltung unterhielt, meinte dieser, daß "der erste" auf ihn wie ein Politiker wirkte. Diese Einschätzung ist irgendwie nachvollziehbar, doch zählte Labriga für mich noch mit zu den angenehmsten Rednern, wahrscheinlich auch, weil er sprachlich angenehm anzuhören war. Jedenfalls hatte er eine Rede vorbereitet, doch die konnte er jetzt nicht halten, weil sie nicht mehr paßte. Schade, schade - doch das hinderte ihn natürlich nicht spontan große Reden zu schwingen. So begann er seine Ausführungen mit dem Satz "Ich fühle mich ab heute als Internet-Guru", denn "ich hatte es ja gleich gesagt ..." [daß das Konzept so nicht aufgehen würde]. Und vor allem sei diese Strategieänderung "
ad hoc pflichtig" gewesen. Um das Thema
ad hoc Pflichtigkeit wird es im Verlauf der Diskussion noch öfter gehen, um nicht zu sagen ständig. Seine Bemerkungen waren schon teilweise fies, wie auch der Satz "Wir sind jetzt also besser als Skype, obwohl wir Videoprotokolle nicht können?" Nett fand ich auch "Es freut mich immer, daß sich mein BWL-Studium doch auszahlt ...", weil er meinte Grundlagen der BWL würden bei ComBOTS nicht unbedingt beachtet. Ganz beiläufig meinte er auch noch, man solle doch bitte [Resurcen] und nicht [Resorcen] sagen, aber das war wirklich nur eine Randbemerkung. Beim Satz "Wissen Sie: So geht's nicht." mußte ich an meine ehemalige Englisch-LK-Lehrerin denken, die auch immer wieder zu sagen pflegte "So geht's net!".
Man kann dem werthen Herrn viel vorwerfen, aber sprachlich hat er mir gefallen. Er schloß seine erste Wortmeldung ab, indem er feststellte: "Grandios scheitern ok, aber mit eigenem Geld!" - naja, die Greve-Brüder sind ja mit über 50% beteiligt ...
Nun trat Herr Strenger als Privataktionär nach vorn, um seine Fragen loszuwerden. Auch er war der Ansicht, daß es eine ad hoc-Meldung hätte geben müssen. Er bermerkte zwar anerkennend, daß die Rede entwaffnend offen war, relativierte das jedoch sogleich, denn "der Markt wußte das schon länger". Sodann folgte sein Antrag, den Bilanzgewinn in voller Höhe auszuschütten - Cinetic könnte ja auf ihren Anteil verzichten. Greve sagte später dazu, daß er keinen Grund sähe, warum die Cinetic, deren Geschäftsführer er ist, auf ihre Anteile der Ausschüttung verzichten sollte.
Im Gegensatz zum Vorstand hatte Strenger, der ja selbst in der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex sitzt eine deutsche Übersetzung für "Corporate Governance" bereit: Gute Unternehmensführung und Kontrolle. Passend dazu äußerte er auch Zweifel an der Unabhängigkeit des Aufsichtsrats. Daß zumindest Felix Greve nur schwer als unabhängig angesehen werden kann ist offensichtlich. Auch bei Herr Reiter äußerte er ernste Zweifel. Der einzige, bei dem keine direkten Probleme sah bzw. dessen Unabhängigkeit zu klären wäre war Herr Schlagenhauf - der grinste auf dem Podium. Strenger meinte sogar, daß deswegen ein Bußgeld nach dem Corporate Governance Codex drohen könnte.
Zu guter letzt, nachdem er noch darauf hinwies, daß Wertpapier über ComBOTS etwas mit "endloser Sinnsuche" titelte schlug er die Auflösung der Gesellschaft vor, denn "alles Geld, was im Unternehmen verbleibt unterliegt akuter Verbrennungsgefahr".
Wie der folgende Aktionär hieß weiß ich leider nicht mehr, aber dafür, was er sagte - und das ist schließlich die Hauptsache, strenger genommen geht es hier nur um Fakten. Auch dieser leitete seine Rede mit einem Lob ein und zwar an Gratzl. Dieser habe sich wahrlich Mühe gegeben mit den englischen Begriffen. Doch regte er sich über Hornbergers Äußerungen bezüglich des "attraktiven Kurses" auf, doch das hatten wir ja oben schon geklärt. Auch der Geschäftsbericht fiel in Ungnade - schließlich muß man ihn um 90° drehen um ihn lesen zu können, das geht natürlich nicht! Gut gefallen hat mir der Vorwurf: "Ihre digitale Revolution hat keiner verstanden."
Und schon wieder wurde das Thema ad hoc-Meldung ins Spiel gebracht, jedoch auf eine andere Art, denn der Redner behauptete, es habe vor einigen Monaten eine ad hoc-Meldung mit der Aussage "Wir sind erfolgreich" gegeben, die nicht zurückgenommen wurde. Doch er hatte noch mehr auf Lager. Er forderte Ausstiegsmöglichkeiten zu fairen Preisen, präzisierte das aber so weit ich mich erinnere nicht genauer - wozu auch?
Er kommentierte weiter, daß das Geschäftsmodell, den Kunden kein Geld abzunehmen im Zweifel relativ kundenfreundlich sei. Das sehe ich auch so. Auch dieser Aktionär fragte nach dem Abhängigkeitsbericht des Aufsichtsrats. Das war ein weiteres heißes Thema während des ganzen Tages. Sodann forderte auch er Zahlen für den Bericht des zweiten Quartals 2007. Aus einer eher hinteren Reihe war der Zwischenruf "Kürzer!" zu hören, worauf der Redner erwiderte "Das könnte zum Problem werden ...", worauf der nächste "Schneller!" rief. Oh, nun fällt es mir wieder ein, es müßte wieder Herr Labriga gewesen sein. Nun lobte er auch die Vorstände: "Sie sind preiswert in Ihrer Arbeit." Wenigstens etwas! Doch dafür wollte er genaueres zu den Aufsichtsratsbezügen wissen. Und er wunderte sich, wer Herr Stiegeler denn überhaupt sei. Abschließend stellte er noch fest: "Mit der Jahreszahl 2010 hatte sich schonmal ein deutscher Bundeskanzler versucht ..."
Erneut erschallte ein Zwischenruf, wohl als Reaktion auf die Anregung, das United Internet Aktienpaket nach unten abzusichern: "Vollkaskomentalität!" Auch gut.
Der aufmerksame Leser weiß, daß Herr Appel bei Hauptversammlungen der ComBOTS/WEB.DE AG kein Unbekannter ist. Dieser hatte nun seinen ersten Auftritt und beschwerte sich zuerst über die Rednerreihenfolge. Doch leider darf der Leiter der Sitzung diese nach eigenem Ermessen festlegen. Aber damit nicht genug, die Formalien waren ihm auch zu langatmig. Und gleich darauf attackierte er Herrn Reiter noch mit der Bemerkung: "Herr Reiter, ich kann von ihnen keine spontane Tätigkeit feststellen." Und ich frage mich: Na und? Mir wäre bei manchen lieber, ich könnte bei ihnen keine "spontane Tätigkeit" feststellen ... aber mir blieb keine Zeit mich länger diesem Gedanken zu widmen, denn schon brachte er die nächste überaus gewichtige Beschwerde vor. Wie konnte sich die ComBOTS AG erdreisten zum wiederholten Mal die Hauptversammlung so unmenschlich früh anzusetzen, daß man nicht mit dem "Baden-Württemberg-Ticket" anreisen konnte. Eine schiere Unverschämtheit ist das geradezu!
Auch er reihte sich in die Reihe derer ein, die die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats anmahnten: "Sie stecken alle unter einer Decke!"
Die Geldverbrennungsgefahr, die ein Vorredner konstatierte schien ihm gefallen zu haben. Er warf dem Unternehmen, zu Recht, vor, spekulativ riesige Rechnerkapazitäten aufgebaut zu haben und schob gleich nach, daß das Produkt auch in Zukunft keinen Erfolg haben wird. Erstaunt war ihm auch aufgefallen, daß auf dieser Hauptversammlung keine ComBOTS-Fahnen vor der Halle wehten. Und der Geldverbrennung setze er fast noch eins oben drauf: "Das neue Produkt ist eine reine Geldvernichtsungsmaschine." - Bisher durchaus korrekt. Und auch er schlug eine Auflösung der Gesellschaft vor. Er behauptete von einem attraktiven Kurssicherungsangebot für das United Internet-Aktienpaket von der ABN Amro-Bank zu wissen, das das Unternehmen abgehlehnt habe. Und er wußte auch noch, daß ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren unter dem Stichwort WEB.DE eröffnet worden sei - wovon der Vorstand und der Aufsichtsrat jedoch noch nichts wußten. Als nächstes Folgte eine Mathematikstunde mit dem Thema der wundersamen Aktienvermehrung. Das hörte sich natürlich alles beeindruckend an und stimmt auch, aber das war eigentlich nichts Neues, weil sich die große Vermehrung durch Gratisaktien um den Faktor 75 noch vor dem Börsengang abspielte. Anerkennend stellte er fest: "Beeindruckend, wie Sie ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben.", worauf es einen weiteren Zwischenruf gab: "Das waren Elefanten!"
Nach seinen Berechnungen hatte der Emmissionspreis pro Aktie bereinigt um die Gratisaktien rund 4500 EUR betragen. Das alles sei doch eine "Geldvermehrungsmaschine für Gründer zu Lasten des Streubesitzes". Folgerichtig sein Schlußsatz: "Liquidieren Sie die Gesellschaft!"
Damit war um dreiviertel eins der erste Fragenblock abgeschlossen und es folgten die Antworten. Gratzl präsentierte eine umfangreiche Excel-Tabelle, begann da mit Planzahlen für die Benutzer. Anfang 2008 sollen es also 396000 sein, Ende 2008 schon 3956000, Ende 2009 dann 13742000, Ende 2010 31181000, Ende 2011 55630000 und Ende 2012 schließlich 81173000. Ein neues Wort habe ich bei seinen Ausführungen auch gelernt:
Churn - "neudeutsch Verlust", siehe auch
Churn Management. Japan und Korea sind natürlich interessante Zielmärkte, einleuchtend. Die nächsten interessanten Zahlen sind die der "Bezahluser": 2008 sollen es 10880 sein, 2009 schon 176980, 2010 bereits 673840, 2011 dann 1736210 und 2012 schließlich 3920070. 2010 will man dann das erste positive Jahresergebnis verzeichnen.
Warum allerdings Domainkosten mit 50000 EUR angesetzt sind ist mir nicht ganz klar, das scheint mir ein wenig hoch - aber ich weiß ja nicht, was da alles miteingerechnet wurde. Nur für Domains kann es kaum sein. Ach übrigens, die Zahlen sind alle nur der "Base Case", auf die Darstellung des "Best Case" verzichtete Herr Gratzl freundlicherweise.
Nun wurde auf weitere Fragen eingegangen. Der nicht öffentliche Abhängigkeitsbericht würde hier nicht vorgetragen, Herr Greve würde gerne weiter im Vorstand bleiben und eine vorgeschlagene Namensänderung in "GlasBOTS" würde nicht durchgeführt werden.
Nach Beurteilung des Vorstands wäre eine ad hoc-Mitteilung nicht zulässig gewesen, schließlich war alles nur eine laufende Ergänzung und Aktualisierung des Produkts. Außerdem gab es eine Definition von Beta: noch nicht in den Markt eingeführtes Produkt. Dafür wurde aber viel Aufwand getrieben ... Auch wurde geduldig beantwortet, wann der Aufsichtsrat getagt hatte und wie hoch das Sitzungsgeld ist. Zur wiederholten Frage nach der Auflösung der Gesellschaft wurde lapidar festgestellt, daß dies nicht die einzige Lösung sei.
Herr Hornberger war bei seiner nächsten Antwort bezüglich der Dividendenpolitik ungewöhnlich unsicher, oder äh zumindest äh gebrauchte er äh mehr "ähs" als äh sonst.
Interessant vielleicht noch, daß ComBOTS zur Zeit rund 150 Mitarbeiter hat. Zu den Rechnerkapazitäten wurde festgestellt, sie sind der planungsgerechten Skalierungsanforderung entsprechend. Das mag sein, aber daß der Plan auch nur in Ansätzen realistisch ist darf bezweifelt werden.
Weiter ging es mit Wortmeldungen. Ein Herr Scherpe, der auch schon in den vorigen Jahren auffällig geworden war trat nach vorn. Auch er bedankte sich brav, und zwar für die Installationshilfe auf dem Notebook seines Sohnes. Doch kritisch ließ er fallen, daß der lange Weg, bis es endlich lief, vieles erkläre. Außerdem kann ich der werthen Leserschaft einen Kommentar seines Sohnes, den er zumindest sinngemäß zitierte nicht vorenthalten: "Es gibt doch genug Produkte, die wenigstens funktionieren ..." So sieht's nämlich aus.
Nun kam, in meinen Notizen hab ich ihn mit "Der Gammler" überschrieben, weil ich seinen Namen verpaßt hatte, aber weiter oben habe ich ihn schon erwähnt - er ist kein Gammler sondern Millionär, ein linker Millionär. Doch das ist alles nicht Gegenstand dieser Hauptversammlung, aber ein wenig über sich erzählt hat er zu Beginn seiner Rede trotzdem. Er sei bundesweit bekannte dafür, rumzustressen und Langeweile sei sein Feind. Nun polterte und schrie er ein wenig herum, erwähnte das
Holzmüller-Urteil und sagte abschließend: "Ich steh nicht hier wegen Geld, sondern weil ich Spaß daran habe." Die meisten anderen hatten an seinem Auftritt vermutlich weniger Spaß. Ach, und ComBOTS ist sein Hobby.
Irgendwann während einer Fragerunde war ich mal draußen, eine Kleinigkeit essen und etwas trinken - nach vier Stunden ohne Pause kann man sich auch mal eine Auszeit gönnen. So schlenderte ich ein wenig durchs Foyer und ging eigentlich nur interessehalber an den Infotisch. Dort erfuhr ich, daß ich 3 EUR bekommen könnte, weil ich mit der Bahn angereist war. Aber hallo, da sagt man nicht nein. Vielen Dank an den
Hohlbein-lesenden Infotisch-Comboteur, der mich darauf hinwies. Und natürlich habe ich noch ein paar Herzchen mit Heidi eingepackt, wenn das Herzchen selbst schon nicht mehr erschienen war. Aber es gab ja genug andere ansehnliche Combotanten, aber dazu später mehr.
Der nächste Aktionär war mir irgendwie sympathisch und erntete erstmal Beifall, als er seine Rede damit begann anzumerken, daß ihn nerve, daß sich immer wieder Leute hier profilieren wollen. Leider kam er bisher nicht in den Genuß von ComBOTS, weil er
Äpfel zählte oder Windows Me benutzte. Das machte ihn schon fast traurig. Nun hat er Vista und ist damit nicht glücklich. Ja, das Leben ist hart. Nach seinem Klagelied über das große Softwareunternehmen aus Redmond meinte er, daß er zwar auch ein erwachsener Mann sei, daß er aber ab und zu das Kind im Manne bedienen wolle, weswegen er die lustigen bunten hüpfenden Dinger toll fand. Schließlich stellte er tatsächlich noch eine Frage und zwar zum Thema Patentanmeldungen.
Nach diesem eher angenehmen Zeitgenossen mußte natürlich wieder einer der anderen Sorte kommen. Er bezeichnete das alles als Trauerspiel. Und, ganz wichtig: "Hab ledschdes Jahr scho gsagt: Komboschd - des isch nix."
Daß er sich wunderte, warum man für neun Mitarbeiter so ein großes Gebäude braucht lag wohl an seinem Unvermögen richtig zu lesen. Danach degradierte er alle Aktionäre zu Laiendarstellern. Und in Anlehnung an irgendeine Geschichte sagte er salopp: "'Die Durlacher im Himmel' - das sind die Greves." Um den Kontrast noch stärker werden zu lassen meinte er noch "ich bin ein ganz kleiner", schließlich habe er nur wenige Aktien. An seinen Vorredner gewandt sagte er: "Sie sind ein Traumtänzer." Und nicht zu vergessen: "Des scheiß Licht isch sowas von penetrant." Oder auch: "Wie sich die Familie Greve bereichert hat - des ist doch zum Kotzen." Passend dazu, wir erinnern uns an das Stichwort "Würstel-Dividende" meines Sitznachbars aus dem letzten Jahr, forderte er die Aktionäre auf: "Gehen se zum kalten Buffet, essen sie Brezeln, holen sie sich so ihre Dividende - mehr gibts nicht."
Eine weitere Aussage, die meiner Ansicht nach völlig unzutreffend ist konnte er sich auch nicht verkneifen: "Kinner bringet kein Geld." Warum verdienen sich dann diverse dubiose Handy-Müll-Firmen eine goldene Nase?
Doch die Erlösung nahte, vor seinem spektakulären Abgang, bei dem er theatralisch seine Stimmkarte zerriß, schlug er noch ein neues Geschäftsmodell vor: "Baut Windräder oder Solarzellen."
Wind machen können sie ja auch ohne Räder schon ganz gut, das haben sie im letzten Jahr bewiesen. Der nächste Aktionär hielt sich kurz, lobte Michael Greve nochmal für die Produktvorstellung im letzten Jahr und sprach sich für mehr Marketing, Fernsehwerbung, aus. Dann kam er noch mit "einer Frau Hilton" an, "die nichts zu bieten hat", aber ständig in den Medien präsent ist.
Bevor der politikereske Labriga seinen nächsten Auftritt hatte gab es ein wenig Lob und Hoffnung. Zu Beginn zitierte er seinen Architekten: "Machen Sie das, was Sie am Besten können, dann gelingt's am besten." Er bekundete die Hoffnung noch nicht verloren zu haben und, daß er dabeibleiben wolle. Außerdem habe die Familie Greve ihre Anteile bisher nicht versilbert. Was er mit seinem Witz am Ende genau sagen wollte ist mir nicht ganz klar, aber es ging um einen Ballonfahrer - "die heißen nämlich Fahrer" - der sich verfahren hatte. Er ließ viel heiße Luft raus und sank, schließlich unten angekommen fragte er einen Fußgänger, wo er sich befinde. Dieser antwortete: Zwanzig Zentimeter über dem Boden, in einem Korb mit einem Ballon darüber. Der Redner kommentierte, daß die Antwort zwar richtig war, jedoch nicht hilfreich. Vielleicht spielte er damit auf das mitunter dürftige Antwortverhalten des Vorstands an.
Wie schon angesprochen betrat nun wieder Herr Labriga die Bühne. Er kritisierte den Businessplan und analysierte kurz die Stellschrauben für die Benutzerzahlen. Außerdem nannte er zwei Konkurrenten, zum einen Oroni, aus denen wohl auch nichts geworden ist und IMVU, mit 3D Avataren - der hat nach Labriga rund 1 Million Nutzer. Zu ComBOTS sagte er: "Ich bin an sich begeisterungsfähig, aber hier ist mir das nicht gelungen." Aber in FileSync sieht er auch ein gewisses Potential. Zum Thema Strategiewechsel und ad hoc-Meldung ärgerte er sich über die "rechtlich motivierte Mißdarstellung" - "Für irgendwas muß doch Sprache gut sein." Weiter mäkelte er, daß die Papierform schon schlecht, daß die Darstellung hier auf der HV aber noch schlechter sei. Er würde sich eine E-Mail-Integration wünschen - darin sehe ich keinen großen Vorteil, natürlich könnte man E-Mail und IM in einem Programm vereinigen, aber das Bedürfnis habe ich garnicht. Einen Markt dafür mag es geben, zumal das wieder eher ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Wettbewebern wäre. Ihn stört auch, daß sein Aragorn Lars heißt - das paßt ihm alles irgendwie nicht mit den Charakteren aus Filmen, die dann seine Freunde repräsentieren sollen. Das mag Geschmackssache sein, daß es ComBOTS weder für Mac OS noch für Linux gibt ist ein großer Minuspunkt (wir erinnern uns: eine Version für Mac OS X soll es, gemäß der Auskunft im letzten Jahr, erst in einigen Monaten geben - einige Monate können auch 5 Jahre sein ...). Weiter wunderte er sich auch, warum Michael Greves Bruder nicht mehr im Unternehmen ist bzw. warum es keine Kooperation mit der alten Marke WEB.DE gibt - es gäbe schließlich keinen peinlicheren Kritiker als den eigenen Bruder. Aufgrund eines Berichts wirft er den (Haupt-)Speicherbedarf als Problem in den Ring. Sein Einwand, daß das, was so revolutionär neu war - das Gewand mit Heidi und ihren Freunden - jetzt weg ist ist meiner Ansicht nach auch berechtigt. Damit verachte ich natürlich die tollen technischen Innovationen - doch bis auf FileSync kann ich im Vergleich zu anderen IMs auch keine finden. Warum er sich an der Übertragung der HV im Internet stört konnte ich nicht nachvollziehen. Den Vorstand wollte er jedenfalls nicht entlasten. Auch er merkte an, daß eine börsennotierte Aktiengesellschaft vielleicht die falsche Rechtsform für das Unternehmen sei. Ein wenig sarkastisch, vielleicht, forderte er eine Demonstration: "Ineinandergreifende Muster von Fischen und Fröschen, die mich auch noch anlächeln, je nach Stimmung - das will ich sehn." Der Satz war zwar nicht nett, aber lustig anzuhören. Des weiteren erkundigte er sich danach, wieviel Lizenzkosten man für die Figuren noch zahlen müßte, und daß dies nun quasi
sunk costs seien.
Ich kann nur immer wieder sagen, daß Labriga mit seinem Hang zu bildlicher Ausdrucksweise sprachlich eine Wohltat war. "Sie haben nicht nur alle Eier in einen Korb getan, sondern überhaupt nur ein Ei." - für manche vielleicht eine abgedroschene Phrase, für mich noch nicht, und so einen Spruch kann man bestimmt mal brauchen. Und wieder die Frage danach, ob man das Unternehmen nicht beenden sollte. Schließlich wollte er noch wissen, wer die Reißleine gezogen habe. Daß überhaupt eine gezogen wurde wird später natürlich verneint. Eigentlich ärgert ihn, wie schon ganz am Anfang, vor allem der "ad hoc-Quatsch". Vor seinem Schlußsatz, in dem er meinte, er denke auch gerne positiv, sagte er noch zu einem möglichen juristischen Vorgehen gegen ComBOTS: "Kapitalmarkthygiene will ichs fast nennen."
Nun geschah etwas seltenes, zumindest selten in dieser Hauptversammlung. Eine Frau trat an das Rednerpult und meinte auch etwas sagen zu müssen. Sie stellte zwar eine interessante Frage nach User-Zahlen in der Beta-Phase, aber nach ihrem ersten Satz war sie bei mir an sich schon unten durch. Das beste was ihr wohl einfiel war "Oh, Frauen sehe ich hier auf dem Podium keine, was sagt denn die Kommission dazu?" - mit Kommission meinte sie natürlich die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex der Aktionär Strenger angehört.
Dieser ergriff sogleich nach ihr wieder das Wort. Weiter oben erwähnte ich bereits, daß Labriga auf einen Freund wie ein Politiker wirkte, im Gegensatz dazu wirkte Strenger strenger, nämlich wie ein Pfarrer. Eigentlich ganz passend diese Vergleiche, wenn man sich die beiden nochmal ins Gedächtnis ruft. So rief er die Unternehmensführung bisher vergeblich zur Umkehr, erinnerte deswegen erneut an seine Fragen und drohte noch mit dem Teufel der Bilanzpolizei, der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung DPR, die sich bei ungenügender Stellungnahme bestimmt für ComBOTS interessieren wird. Ich fand Strenger ja wirklich nicht schlecht, aber seine Vorrednerin hätte er nicht loben müssen, oblgeich er feststellte, daß der Kodex neutral gehalten sei.
Nachdem er sich schon zu Beginn zu Wort gemeldet hatte äußerte sich Herr Buhlmann nun erneut, doch erst mußte er sich gegen die falsche Aussprache seine Namens wehren, er will schließlich nicht mit Edelgard verwechselt werden.
Er mahnte die Qualität der Antworten generell an, und störte sich, natürlich, an der Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Seiner Ansicht nach hätte die HV sowieso früher stattfinden müssen. Außerdem sagte er an das Podium gewandt: "Sie können mich auf den Arm nehmen, aber oben halten können Sie mich nicht." - Auch ein netter Satz. Das Pult fand er für seine alten Augen ein wenig zu niedrig, aber das war noch das geringste, was er zu klagen hatte. Weil die Zahlen für das zweite Quartal immer noch nicht offen gelegt wurden bemerkte er, daß beim ersten Quartal 59 Tage nach Quartalsende der Bericht bereits vorlag und stellte fest, daß es nun 52 Tage nach Ende des zweiten Quartals wären, und fragte ein wenig provokativ: "Waren es die Osterfeiertage, Herr Hornberger?" Doch der Gipfel folgte darin, daß er sich, immer noch an das Podium gewandt, für deren Kommen bedankte.
Erneut war die Zeit der Antworten gekommen. Was ich bisher noch nicht erwähnte, was jedoch eine Erwähnung verdient: Auf dem Podium hatte jeder ein Thinkpad vor sich stehen. Die wissen schon, was gut ist ... Nun wurde endlich beantwortet, warum man in diesem Jahr außen keine Werbung angebracht hatte: Die HV ist ja sowieso nur für die Aktionäre, die wissen es ja. Zum Thema Patente verwies der Vorstand auf das DPMA, führte jedoch beispielhaft einige Namen an. Zum Thema Oroni, was Labriga ja als (ehemalige) Konkurrenz anführte und wo es möglicherweise Patentverletzungen geben könnte wurde gesagt, daß deren Patente einfach gekauft wurden - obwohl sie nicht verletzt wurden.
Zur Stimmung der HV sagte der Vorstand, daß sie diese natürlich wahrnehmen und auf eine erfreulichere HV im nächsten Jahr hoffen.
Ach und übrigens, das Ziel ist die Markführerschaft bis 2014. Zur Frage bezüglich des Speicherverbrauchs sagte Greve, daß sie den Speicherverbrauch um 50% reduziert hätten und er nun bei etwa 60 MB läge. Ich finde das immer noch hoch, mein Skype braucht aktuell knapp 16 MB, Pidgin rund 22 MB. Außerdem gab Greve zu, daß Skype bezüglich Video-Telefonie im Moment natürlich besser sei. Hornberger erwähnte in irgendeiner Antwort noch twitter.
Inzwischen war etwa siebzehn Uhr, also ging das Theater schon sieben Stunden. Es wurde noch einmal deutlich gesagt, daß die Marktfähigkeit des Produktes bisher nicht bewiesen sei. Warum MSN allerdings als erfolgreicher Messenger erwähnt wurde kann ich nicht nachvollziehen, ich kenne eigentlich keinen vernünftigen Menschen, der MSN benutzt. Interessant war außerdem, daß es keinen Zeitpunkt gibt, an dem ComBOTS als gescheitert betrachtet wird, aber es gilt das dritte Quartal!
Den Forderungen nach Zahlen für das zweite Quartal wurde seitens des Vorstands die Tatsache entgegengehalten, daß der Bericht nach den gesetzlichen Vorgaben erst bis 31.08. veröffentlich werden müßte.
Nun habe ich eine kleine Lücke, da ich kurz im Foyer war - eine Kleinigkeit essen und trinken und sich mal kurz mit irgendjemandem unterhalten. Mein temporärer Nebensitzer, der ComBOTS - also den Aktienkram - als sein Hobby bezeichnet, ist überzeugt vom Potential und sich sicher, daß "die" noch irgendwas in ihren Schubladen haben. Die Forschungsausgaben in den letzten Jahren von WEB.DE seien so hoch gewesen, da sei bestimmt im Hintergrund schon etwas für ComBOTS vorbereitet worden. Vielleicht war comWIN an sich auch nur ein Techniktestballon? Auf solche Spekulationen lasse ich mich nicht ein, aber ich dachte, ich erwähne es mal kurz um die Phantasie meiner Leserinnen und Leser zu beflügeln.
Die wirklich interessanten Antworten habe ich dann jedoch wieder mitbekommen. Frau Müller hatte ja nach Nutzerzahlen gefragt, und genau die wurden auch genannt. Bis Ende der Beta-Phase (also von Juli 2006 bis März 2007) konnte ComBOTS 20000 "Benutzer" gewinnen, bis Ende Juni waren es dann 30000. Es wurde jedoch nicht dazu gesagt, wieviele davon ComBOTS wirklich regelmäßig nutzen, sich also alle ein bis zwei Tage einloggen. Ich werde da ja auch als Benutzer gezählt, obwohl ich ComBOTS bis heute seit Ewigkeiten nicht mehr gestartet hatte. Bei einem Versuch vor einigen Monaten klappte der Login nicht und nach mehreren Versuchen hab ich es dann gelassen. Nicht, daß ich damals ComBOTS "benutzen" wollte, ich wollte es mir nur mal wieder anschauen. Greve gestand auch ein, daß man aktuell nicht absehen könnte bis Ende 2008 800000 Benutzer zu haben. Wo immer er die Zahl 800000 in dem Moment auch her hatte.
Wichtig zu wissen ist vielleicht auch, daß es keinen Plan B gibt. Meine These ist ja immer noch, daß sie ComBOTS an die Wand fahren, ihnen dann aber eine neue Idee kommt, die tatsächlich wieder in einem erfolgreichen Produkt endet (Tom&Lily brachten mich im letzten Jahr auf die Idee einer Partnervermittlung). Das ist aber nur eine unbewiesene und mit keinerlei Fakten gestützte These.
Auf die Frage, was so Themen im Aufsichtsrat waren oder wie es mit einer Auflösung der Gesellschaft aussähe wurde geantwortet, daß sich der Aufsichtsrat wiederholt mit der Zukunft des Unternehmens befaßt habe. Auch gegen Vorwürfe der Faulheit wehrte sich der Aufsichtsrat, er sei intensiv in die Beta-Phase einbezogen worden.
Nun, nach 23 Seiten, wechselte ich meinen Stift, der alte zeigte schon deutliche Gebrauchsspuren.
Es folgten noch weitere Wortmeldungen, von alten Bekannten. Aktionär Appel brachte seine Anliegen noch einmal vor und beschwerte sich erneut über die Nulldividende..
Jetzt, kurz nach viertel sieben gab es die erste Pause. Und was für eine. Aus angekündigten 20 Minuten wurden 30, aber das ist ja nichts Außergewöhnliches. Ich stand also an einem dieser Tische im Foyer und unterhielt mich mit meinem temporären Nebensitzer. Auf einmal nahm ich ein blondes Wesen voller Anmut und Schönheit im Foyer wahr, das mich anzusehen schien. Sogleich schwenkten meine Augen, wie von Geisterhand gelenkt, von meine Gesprächsparter weg auf diese kesse Hostesse. Ich war irritiert, denn sie kam mir bekannt vor. Aber es kann ja schonmal vorkommen, daß man einem eine schöne Frau bekannt vorkommt - "Kennen wir uns nicht?" - aber bei mir ist es grundsätzlich eher so, daß mich irgendwelche Leute grüßen, bei denen ich nichtmal in Ansätzen einordnen kann, woher ich sie kenne. Doch zurück ins Foyer. Da kam sie also langsam auf mich zu, und ebenso langsam arbeitete mein Kopf, bis ich endlich begriff, daß das ja die Ina war! Was für eine Überraschung. Da geht man nichtsahnend auf eine Hauptversammlung in Karlsruhe und trifft jemanden, mit dem man im Leben nicht gerechnet hätte. Seltsam auch, daß wir uns erst jetzt entdeckt haben, schließlich waren wir beiden schon den ganzen Tag da, aber ich saß ja auch die meiste Zeit drinnen. Jedenfalls hatte ich nun einen neuen Gesprächspartner für den Rest des abends gefunden
Innen ging es dann auch bald weiter mit den Antworten. Erneut wurde festgestellt, daß die Produktentwicklung ein permanenter Prozeß sei. Und wegen der Unabhängigkeit des Aufsichtsrats wurde festgestellt, daß es nicht Thema der HV sei, ob Herr Reiter Steuerberater eines Großaktionärs sei.
Zwischendurch meldet sich noch Herr Zauselapf zu Wort und fragt nach der Grundlage im Aktiengesetz für die Gewinnabführungsvereinbarung zwischen der ComBOTS Product GmbH und der ComBOTS AG.
Zur Frage mit der Reißleine wurde gesagt, daß nicht die Rede davon sein kann, daß irgendjemand die Reißleine gezogen hätte und Michael Greve stellte klar, daß Herr Reiter schon sehr lange Steuerberater der Cinetic GmbH sei.
Herr Labriga gab sich immer noch nicht zufrieden bezüglich des Zeitpunkts der Strategieänderung und äußerte genervt "das ist doch kein waberndes Kontinuum". Und er forderte erneut Zahlen für das zweite Quartal. Was ich bisher nicht erwähnte, was aber im Zusammenhang mit der Unabhängigkeit des Aufischtsrats immer mal wieder angeprochen wurde, war ein Stimmverbot für gewisse Großaktionäre bei gewissen Entlastungen. Herr Labriga hatte ja schonmal geäußert, daß er für eine E-Mail-Integration wäre, weswegen er noch kurz das Thema E-Mail aufgriff und erklärte: "E-Mail ist böse - da kommen Viren, da kommt Spam, da kommen blöde Witze - alles richtig" - trotzdem könnte man es doch mit einbauen.
Herr Reiter äußerte sich dann nochmal zu den Aufsichtsratssitzungen, denn ebenso, wie auch für die Strategieentscheidung im Vorstand wurde auch mehrmals nach einem Zeitpunkt jener Entscheidung im Aufsichtsrat gefragt. Er meinte, daß sie sich in jeder Aufsichtsratssitzung mit der Weiterentwicklung befaßt haben.
Nun wurde endlich die Hartnäckigkeit belohnt: der voraussichtliche Umsatz im zweiten Quartal lag zwischen 2000 EUR und 3000 EUR.
Und schon wurde die nächste Pause ausgerufen, in der ich mich wieder mit meiner Bekannten draußen unterhalten konnte. Als Michael Greve vorbeikam hat er sogar gegrinst.
Kurz vor acht ging es dann weiter mit Frage 167. Da gab es wenig Neues, es ging hauptsächlich wieder um den Aufsichtsrat.
Nach diesen kurzen Antworten ergriff Labriga wieder das Wort. Er fragte nichts Neues, formulierte nur neu: "Wann haben Sie entschieden die Werbestrategie auf Erwachsene umzustellen?" Und weiter: "Wollen Sie uns sagen, daß sie ein kontinuierlicher Vorstandsbeschluß sind zu dritt da vorn?" In diesem Punkt wird sich nicht mehr viel tun.
Spannend jedoch, daß der projektierte Umsatz für das zweite Quartal bei 200000 EUR lag, die externen Markterwartungen aber nur bei 20000 EUR lagen. Den tatsächlichen hatten sie ja schon vor ein paar Minuten verraten.
Ein letztes Mal legte sich Herr Strenger ins Zeug und schlägt vor, das Unternehmen von der Börse zu nehmen - dann müßten Sie auch nicht mehr solche Fragen beantworten.
Dann stellte auch Herr Labriga ein letztes die Frage nach einem Zeitpunkt für den Strategiewechsel, und wieder wurde ihm gesagt, es habe keinen Strategiewechsel in dem Sinn gegeben. Labriga wirft Herrn Greve nun Irreführung in seiner Präsentation vor, laut dem Vorstand besteht jedoch kein Widerspruch zwischen der Präsentation und den jetzigen Antworten. Also gab Herr Labriga die Frage samt Antwort zu Protokoll, mal sehen, wie das noch ausgehen wird.
Um halb neun wird die Generaldebatte dann, nach über zehn Stunden, beendet. Falls jemand keinen Kugelschreiber haben sollte könne er sich an der Kugelschreiberreserve am Wortmeldetisch bedienen. Aber jeder hatte seinen Stift. Die Präsenz hatte sich geringfügig geändert, nun waren 67,891% des Grundkapitals anwesend.
Endlich konnte über die Tagesordnungspunkte abgestimmt werden, außerdem über drei Anträge des Aktionärs Strenger, die jedoch alle abgelehnt wurden. Die regulären Tagesordnungspunkte wurden jeweils mit über 99% der Stimmen angenommen.
In der vierzigminütigen Pause zwischen Stimmenabgabe und Ergebnisverkündung saß ich vorm Saal neben einigen Combotanten und Comboteuren, die alle froh waren, als endlich der letzte Akt begann. Als Hansjörg Reiter vorbeilief grüßte er sogar.
Um zehn vor zehn, also nach fast zwölf Stunden und 27 Seiten Notizen, war das Theater dann zu Ende.
Was für ein Tag. Ganz großes Kino. So funktioniert also die Welt?!
Aktuelles .. linken .. kommentieren (8) .. von Götz Bürkle am 22.07.2007 um 02:11:11 Uhr
Wie eine spanische Kuh!
Gestern morgen, just als ich das Haus verlassen wollte, um einer feinen Beschäftigung nachzugehen, klingelte mein Telefon. Im Bad stehend spülte ich mir geschwind die Zahnpasta aus dem Mund und eilte zu jenem Apparat, welcher sich bemerkbar machte.
Am anderen Ende begrüßte mich eine zarte Stimme mit leicht französischen Accent, mit der ich dann die nächste Zeit ein nettes Pläuschchen hielt. Zugegeben, sie rief mich nicht unbedingt an, weil sie den Wohlklang meiner Stimme vermißt hatte, sondern weil sie ein Problem hatte, dessen Lösung sie sich von mir erhoffte. Obwohl ich diese Hoffnung enttäuschen mußte konnten wir die Problemquelle zumindest soweit eingrenzen, daß sie nicht mehr in meinem Zuständigkeitsbereich lag. Doch darum soll es hier garnicht gehen.
Im Verlauf dieses überaus angenehmen Gesprächs fiel von meiner Gesprächspartnerin, völlig unbegründet versteht sich, der Satz "Ich spreche deutsch wie eine spanische Kuh". Da klebte ich mittelbar an ihren Lippen und sie bezeichnete sich als "spanische Kuh". Ich konnte sie jedoch beruhigen, da mein Französisch noch deutlich schlechter ist, als ihr wirklich gutes deutsch - doch bei den Worten "wie eine spanische Kuh" mußte ich unvermittelt grinsen.
Später ging ich jenen denkwürdigen Worten nach und kam zu dem Ergebnis, daß dies eine gewöhnliche Redewendung unserer Nachbarn ist.
Schon wieder etwas dazu gelernt, obgleich ich nicht unbedingt darauf erpicht bin die Feinheiten jener Sprache zu erlernen, doch bei der Bereitschaft sich mit einer Sprache oder einem sonstigen Thema zu beschäftigen kommt es - wie so oft - auch hier mehr auf den Gesprächspartner als auf die Sprache oder den Gegenstand an sich an.
Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 29.06.2007 um 08:38:29 Uhr
Nur mal so zwischendurch
Es mag nicht sonderlich clever zu sein, jetzt noch etwas zu schreiben, aber ich habe einfach Lust dazu - es gab ja schon einige Tage nichts mehr hier.
Ich hoffe irgendwann in den nächsten Tagen mal weiter Altlasten abbauen zu können, aber ich kann noch nicht garantieren, daß mir das gelingen wird, schließlich beabsichtige ich das schon eine ganze Weile.
Aber bis Anfang August will ich alles, was ich noch so in der Pipeline habe durch haben. Soviel dazu.
Ansonsten muß ich feststellen, daß es nicht so geschickt war, obgleich nötig, nach dem letzten Caipi, der jedoch durchaus noch innerhalb des Toleranzbereichs war, zum Europaplatz zu joggen. Die letzte Bahn wollte schließlich noch erwischt werden. Aber ich hab die Bahn natürlich noch gbekommen.
Vielen Dank noch an alle Gesprächspartner gestern, war sehr informativ und unterhaltsam ;)
So, das reicht. Mehr vielleicht bald. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Je nach Zeit, Motivation und Muße.
Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 28.06.2007 um 03:26:52 Uhr
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