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Einträge aus der Kategorie Stockholm
Alles Mögliche aus Stockholm
Top Fives: Was der Schwabe in Schweden vermißt
Nachdem mir momentan erst die Zeit, dann die Motivation fehlt mal wieder irgendwas fertig auszuformulieren habe ich mich wenigstens an anderer Stelle mal wieder aufgerafft ein paar Zeilen mit der weiten Welt zu teilen: Nach
Gründen im Norden zu bleiben nun mein zweiter Gastbeitrag bei den
Top Fives: Was der Schwabe in Schweden vermißt.
Falls jemand das Bedürfnis verspüren sollte zu kommentieren, bitte dort und nicht hier. Ende der Durchsage.
Stockholm .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 26.06.2008 um 12:12:54 Uhr
Der Joe, Erlang und die psychopathic killers
Wer mich kennt weiß ja, daß ich ganz gern zu irgendwelchen Veranstaltungen gehe, wo irgendwelche mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten andere an ihrer manchmal fast grenzenlosen Weisheit teilhaben lassen. Vor ungefähr einer Wocheinzwischen auch wieder ein paar Wochen ergab es sich also daß ich mehr zufällig, Gesichtsbuch und so, von einer Veranstaltung gehört habe, bei der der Erfinder von Erlang sprechen sollte. "
Erlang?" werden sich vielleicht einige fragen. Viele werden schonmal von Erlangen gehört haben, andere - vielleicht mit ein wenig Entsetzen - spontan an
eine Verteilung denken, doch beides ist hier nicht gemeint, wobei die Verteilung schon ein guter Ansatz wäre. Erlang ist eine im CSLab bei Ericsson von Joe Armstrong entwickelte Programmiersprache. Ob Joe etwas mit
Dido zu tun habe weiß ich leider nicht, ist aber auch völlig uninteressant. Mir kam nur der Nachname bekannt vor.
Vermutlich werden die meisten mit Erlang, auch wenn sie nun wenigstens wissen, was es ist, wenig anfangen können. Mir ist die Sprache spätestens ein Begriff, seit Jan für und mit der Apache CouchDb hausieren gehtum die Welt fliegt und Vorträge hält. Inzwischen weiß ich auch, daß es einen Webserver in Erlang gibt, der wohl ganz toll sein soll. Schreiben sie zumindest auf ihrer Projektseite. Das erscheint mir jedoch tatsächlich glaubhaft, und spätestens mit dem Satz "Web applications dont have to be written in ugly adhoc languages.", sprich PHP oder Ruby, haben sie mich auf ihre Seite gezogen.
Um all diesen technischen Kram sollte es an jenem Abend jedoch an sich garnicht gehen. Joe Armstrong war schließlich auf einem Abend im Rahmen der Excitera Innovation Challenge eingeladen, wo es mehr um Entrepreneurship und Innovation gehen sollte. Also erzählte er eben von seiner Unternehmererfahrung, als sie, nachdem sie Erlang erfunden hatten irgendwann ein Unternehmen namens Bluetail gründeten, das später dann von Alteon aufgekauft wurde, was wiederum von Nortel aufgekauft wurde. Nebenbei entstanden aus Bluetail, oder eher ehemaligen Bluetail-Mitarbeitern, auch noch Unternehmen wie Corelatus AB. Nach einem Überblick welche Unternehmen wie aus welchen anderen hervorgegangen und aufgekauft worden waren erzählte er noch mehr von seinen Erfahrungen.
So riet er dem interessierten Publikum, wenn man ein Unternehmen gründen will, sich nicht nur mit Technikern, sprich "Infos", sondern auch mit solchen zusammenzutun, die mehr Ahnung vom "Geschäfte machen" haben, sprich "Wiwis". Auch wenn man mit diesen an sich nicht allzuviel zu tun haben wolle. Das habe bei ihm ganz gut geklappt, man muß eben nur die richtigen Leute finden.
Und auch zum Thema Finanzierung hatte er etwas zu sagen. Erfreut zeigte er sich in diesem Zusammenhang, daß der Industrifonden wohl am meisten gab, und deswegen dieser und nicht die "psychopathic killers from Deutsche Bank" am Ende den großen Reibach machten.
Ansonsten stellten noch drei andere Leute Projekte vor, unter anderem, und deswegen werden sie hier nun auch erwähnt, Kreditor, deren Dienst auf Erlang-Software basiert. Aber die Fälle, die man im Rahmen der "Excitera Innovation Challenge" bearbeiten könnte interessierten mich streng genommen sowieso kaum. Trotzdem war es ein unterhaltsamer Abend und ich weiß jetzt wenigstens, welcher Kopf hinter Erlang steckt.
Und zwar ein freakiger, aber doch auch sehr sympathischer Mensch, der tatsächlich nichts lieber zu machen scheint als Code zu schreiben.
Stockholm .. linken .. kommentieren (1) .. von Götz Bürkle am 03.05.2008 um 00:34:28 Uhr
Abscheulicher-Anis-Aha-Effekt
So, nachdem ich seit längerem mal wieder als Karlsruher Student getarnt
Kerner angeschaut habe, der im Stream wohl inzwischen auf Deutschland begrenzt zu sein scheint, muß ich eines kurz erwähnen. Zu Gast waren unter anderem, weswegen ich die Sendung schonmal grundsätzlich interessant fand und reingeschaut habe,
Genitiv-Retter Bastian Sick und
Wolf Schneider, der ja auch beim ehemaligen Verein zur Wahrung der deutschen Sprache (VWDS), dessen neuer Name so langweilig klingt, weswegen ich weiterhin den alten benutze, mitmischt. Der werte Herr Sick steht bei mir gerade hoch im Kurs, weil der Osterhase den dritten Teil des Genitivs Tod als Hörbuch vorbeibrachte. Nun, man kann sagen die beiden anderen Teile waren unterhaltender und so weiter und so fort, doch da ich nur diesen Teil als Hörbuch besitze will ich nicht meckern. Manches, was er mal wieder publikumstauglich aufbereitet hat besitzt durchaus akzeptablen Unterhaltungswert, wenn auch anderes in der Tat ein wenig angestrengt wirkt. Doch darum soll es garnicht gehen. Eigentlich soll es um Wolf Schneider gehen. Denn der machte eine bemerkenswerte Aussage, als Johannes B. Kerner ihn auf den
DUDEN ansprach. So sagte er:
Der DUDEN sei der Kopf einer selbstinszenierten Abwärtsspirale. Diese natürlich qualitativ negative Entwicklung der deutschen Sprache nannte er schließlich auch noch abscheulich, oder zumindest so ähnlich. Hier bin ich mir, zugegebenermaßen, die Wortwahl betreffend nicht mehr vollständig sicher, doch wenn es nicht abscheulich gewesen sein sollte, so war es mindestens ebenso abwertend.
Überrascht hat in der Runde fast
Anis Mohamed Youssef Ferchichi, unverkennbar eine Erscheinung mit Migrationshintergrund, die dem einen oder anderem unter seinem Künstlernamen, wenn man das, was er treibt denn Kunst nennen mag,
Bushido bekannt sein könnte. An dieser Stelle sei noch angemerkt, daß "Anis" mir zu diesem Mitglied unserer Gesellschaft ganz gut zu passen scheint, schließlich weiß eine uns allen bekannte Möchtegernenzyklopädie Folgendes zu berichten: "Der Geschmack von Anis wird von den meisten Menschen als unangenehm und störend empfunden." - Eine weise Namenswahl, das sollte man den Eltern einmal mitteilen. Jedenfalls, und nun kommt das vielleicht sogar Überraschende dieses Absatzes, findet Anis die deutsche Sprache schön und denkt selbst er beherrsche sie ganz gut. Man solle nicht von seinen primitiven Texten auf sein Sprachvermögen schließen, ließ er durchscheinen.
So ist das also, mit der Pflanze aus dem Mittelmeerraum.
Ein anderer, der mich gestern überraschte war der schlagzeilenbeherrschende Metzger. Oswald Metzger natürlich. Er sprach im
heute-journal vom 25.03.2008 von (katholischen bzw. christlichen) Werten und von "Schöpfung bewahren". Das hört man doch gerne am späten Abend, da schläft man ja fast gleich viel ruhiger ein.
Stockholm .. linken .. kommentieren (2) .. von Götz Bürkle am 26.03.2008 um 02:16:55 Uhr
Kein Schmunzelhasenterror
Hier in Schweden, mehr noch in Stockholm, kann man an sich ja ohne größere Entbehrungen leben, doch manchmal fallen einem doch interessante Sachen auf.
Während man sich in Deutschland wohl seit spätestens Januar einem permanenten Schmunzelhasenterror in sämtlichen Supermärkten ausgesetzt sieht findet man hier nicht ein einziges Exemplar dieser posierlichen lila Tierchen. Nun, zugegeben, sie sehen nicht unbedingt besonders intelligent oder schön, sondern eher ein wenig dämlich aus, aber hier zählen, wie ja immer im Leben, die inneren Werte!
Natürlich, Ostern, da geht es nicht um Schmunzelhasen sondern um
Größeres. Trotzdem gehört der Schmi-Schma-Schmunzelhase irgendwie zu Ostern. Zu meinem Ostern. Mancher mag jetzt "Eier!" einwerfen, doch darauf kann ich gut verzichten. Eier habe ich ja das ganze Jahr über im Kühlschrank und außerdem schauen sie nicht so putzig dämlich drein und sind nicht sooooo süß.
So ist das also. Doch um meine Fast-Entzugserscheinungen zu lindtern habe ich mir ein akzeptables Substitut für das fehlende Gut besorgt. Ein Goldbunny. Auf dem Porträt hier kann man ihn noch in seiner vollen Pracht, unversehrt wie er gemacht, betrachten. Inzwischen, das ist meiner unbändigen Gier geschuldet, würde man ihn nicht mehr wiederekennen. Aber dazu ist er ja da.
Eines muß ich hier jedoch schließlich noch anmerken: Der Name "Goldbunny" gepaart mit dem vielleicht edleren, goldigen, aber mitnichten attraktiveren Aussehen wirken neben meinen schillernden Schmunzelhasenerinnerungen mehr wie ein armer Versuch.
Deswegen für den Schmunzelhasen, gegen den Terror:
Schmunzelhasen
- nicht schon zu früh im Januar,
an Ostern dafür jedes Jahr!
Stockholm .. linken .. kommentieren (3) .. von Götz Bürkle am 24.03.2008 um 15:39:50 Uhr
Die Schweden und die Sprachen
Daß die Schweden im Allgemeinen ein gutes Englisch sprechen hatte ich ja schon vor einiger Zeit erwähnt, daß sie, wie auch manche Norweger gelegentlich spontan englische Sätze einstreuen ist auch kein großes Geheimnis. Nebenbei bemerkt bin ich wohl nicht der einzige, der sich darüber Gedanken macht inwiefern der starke englisch-sprachige Einfluß sich (nachteilig) auf die schwedische Sprache auswirken könnte, wie ich diese Woche in Radio Schweden erfuhr.
Es fällt auf, daß viele Schweden für manche Begriffe schlicht, zumindest spontan, keine schwedischen Wörter kennen und deshalb einfach die englischen benutzen. Erstaunlich, daß man dies nicht nur bei beliebigen Schweden, sondern vor allem auch bei universitären Lehrbeauftragten beobachten kann. Dies würde noch wenig überraschen, wenn ich diese Beobachtungen auf Individuen eingrenzen würde, die bevorzugt
Beratersprech in Managementvorlesungen praktizieren, doch dem ist nicht so, auch Philosophen und Sprachwissenschaftler fallen regelmäßig schwedische Wörter nicht ein, die englischen Begriffe haben sie aber parat. Man könnte das natürlich damit erklären, daß der wahrscheinlich bei weitem größte Teil wissenschaftlicher Veröffentlichungen in Englisch verfaßt wird, doch oft sind die fehlenden Wörter gar keine so exotischen, so daß sich diese Begründung aus meiner Sicht als nicht sonderlich stichhaltig erweist.
Erschreckender als diese Beobachtung finde ich jedoch, daß die
Orthographie vieler Schweden sowohl in ihrer Muttersprache als auch im Englischen nicht unbedingt durch besondere Güte zu beeindrucken vermag. Im Englischen würde ich dies auf die vorwiegend durch amerikanisches Fernsehen primär
oral geprägte Aneignung der Sprache und des Vokabulars zurückführen. Oft werden es schlicht Flüchtigkeitsfehler sein, trotzdem fragt man sich natürlich woran es liegt, wenn simple Begriffe auf Vorlesungsfolien oder auf ausgeteilten Blättern auch von Sprachlehrern nicht korrekt geschrieben werden.
Mehr jedoch, als dieses Phänomen im alltäglichen englischen Sprachgebrauch der Schweden verwundert jedoch die Tatsache, daß Schweden auch beim Schwedischen selbst oft nicht so genau hinschauen. Doch auch hierfür habe ich eine Erklärung in petto, denn das Schwedische unterscheidet sich meiner bisherigen Wahrnehmung nach, was mir auch von Schweden bestätigt wurde, relativ deutlich im mündlichen Gebrauch von der schriftlichen Fixierung. Viele Wörter werden beim Aussprechen gnadenlos gekürzt, was man zwar auch in anderen Sprachen vorfindet, doch nur selten sind diese "Verstümmelungen der schriftlichen Ausprägungen" Teil der offiziellen Sprache und nicht nur regional tolerierte Sprachvergewaltigungen, auch Dialekte genannt. Auch im englischen Sprachraum ließen sich hier Beispiele finden, doch darum soll es nun garnicht gehen, da aber durch das bereits erwähnte englischsprachige Fernsehen, das nicht synchronisiert sondern grundsätzlich nur untertitelt wird, textuelle Entsprechungen gesprochener Dialoge zum täglich Brot eines jeden Schweden gehören und der Platz für Untertitel auf dem Fernsehschirm begrenzt ist begegnet man regelmäßig in Untertiteln der als Schriftschwedisch getarnten lautmalerischen Umschreibung einer mündlichen Konversation.
Ich behaupte ohne Belege dafür vorbringen zu können, daß das Zusammenspiel der verhältnismäßig großen Differenz zwischen geschriebener und gesprochener Sprache mit dem "Untertitelschriftschwedisch" dazu beiträgt, daß Schweden auch ihre eigene Schriftsprache zunehmend "oralisieren", was auf längere Sicht zwar wieder zu einer Annäherung dieser beiden Ausformungen derselben Sprache führen könnte, momentan jedoch vor allem zur Verwirrung Schwedischlernender beiträgt.
Das ist zwar für mich nicht weiter dramatisch, man "gets schließlich used to it", trotzdem wäre es einmal interessant diese Beobachtung näher zu untersuchen, schließlich geht es um die Zukunft einer Sprache. Bevor ich mich jedoch in eine schwedische Literaturrecherche stürze, lasse ich diese These erst einmal relativ frei schwebend im Raum stehen, habe jedoch auch weiterhin ein Auge - oder auch Ohr - darauf.
Stockholm .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 22.03.2008 um 01:31:23 Uhr
Attacking ships is bad
Es begab sich aber zu der Zeit, als Götz - das bin ja ich - fleißiger Student an der Könglich Technischen Hochschule zu Stockholm war. An einem windigen Spätwinterabend wand sich eine kleine Menschenmasse wirrer Freaks über den Campus, um noch wirreren Worten eines wagemutigen und ebenso wirren Freiheitsfanatikers zu lauschen. Jener stereotyp bärtige Zeitgenosse ward
Richard Stallman genannt und scheint wenig sinnvolleres zu tun haben als der weiten Welt seine gutgemeinten Gedanken angedeihen zu lassen. Nach einigen einleitenden Worten der nachgeholt zelebrierten Hutübergabe verging ein Weilchen, bis mir schließlich der Hut hochging.
Doch zu Beginn des Spectaculums erläuterte St. IGNUcius of the Church of Emacs, wie er sich später noch genannt haben wird, verschiedene Freiheitsgrade des Softwaremenschen und versuchte sein Anliegen an weit oder weiter hergeholt konstruierten Exempeln zu statuieren. Wem eine wortgetreuere und detailliere Transkription des Gesagten am Herzen liegen sollte möge sich Free Software and Beyond: Human Rights in the Use of Software and Other Published Works by Richard Stallman, Gothenburg, Sweden, 2007-05-16 zu Gemüte führen, was inhaltlich größtenteils mit jenem übereinstimmt, was auch zu Stockholm vorgetragen wurde. Die Lektüre dieser Transkription entzaubert natürlich den virtuosen Redekünstler zu einem gewissen Grad, denn viele Passagen scheinen wortwörtlich identisch zu sein, aber das will ich ihm nicht zu sehr verübeln, er kann ja nicht jedesmal, wenn er irgendwo seine wirren Thesen unters Volk bringen will sich völlig neuen Quark ausdenken. Zack-zack, zurück zum Wesentlichen. Seine Exempel passen nicht unbedingt zur Lebenserfahrung der meisten Menschen, doch das müssen sie auch nicht, der gemeine Mensch hat seinen Namen sowieso noch nie gehört und würde auch niemals auf die Idee kommen sich einen Vortrag dieses Wilden anzuhören. Das Publikum war auch dementsprechend kaum weniger verfreakt als der Oberfreak selbst, weswegen er für seine wirren Ausführungen durchaus des öfteren, manchmal sogar auch aus meiner Sicht berechtigten, Applaus erntete. Daß der Begriff "Piracy", Piraterei, der für diverse Verstöße gegen das Urheberrecht heutzutage gern benutzt wird, an sich ein seltsamer Begriff für eben jene Vergehen ist, ist einleuchtend. Was hat das auch bitteschön damit zu tun, ein Schiff anzugreifen? Und natürlich: "Attacking a ship is very bad." Das hat mir noch ganz gut gefallen, doch was bald darauf folgte hat den Redner in meiner Gunst nicht unbedingt steigen lassen. Man könnte auch passenderweise nun sagen, er sei in wiegenden Wogen untergegangen, doch dazu muß ich ein wenig weiter ausholen. Er konstruierte ein moralisches Dilemma: Ein Freund ist bei mir zu Besuch und sieht ein Programm bei mir, das im gefällt. Der gemeine Mensch fragt sich, was einen Freund an einem Programm interessiert, aber gut, was macht man nun also. Zwei Handlungsalternativen eröffnen sich dem Freak: Man könnte dem Freund mitteilen, daß man aus lizenzrechtlichen Gründen leider nicht in der Lage ist ihm das prächtige Progrämmchen zu geben, was natürlich den Freund unendlich traurig stimmen würde. Man könnte aber auch auf eventuelle Lizenzen pfeifen und dem Freund einen Gefallen tun. Der wahre Freak würde vielleicht noch die alternative erwägen den Freund einfach aufzufressen, aber soweit wollen wir hier nicht gehen.
Dies alles ist bis hierhin noch kaum verwerflich. Es folgen weitere Ausführungen darüber, warum
Free Software überlebenswichtig ist und wie es denn dazu kam, daß unser Oberfreak begann sich an die Arbeit zu machen. In diesem Zusammenhang nun kam das Beispiel, an dem ich mich störte. Er zog eine Analogie von seiner Situation zu der eines Ertrinkenden. Man könnte helfen, man ist auch tatsächlich dazu in der Lage, warum sollte man es also nicht tun? Er hat das Problem gesehen, daß unfreie Software das Ende der Welt bedeutet, und er ist Freak genug ein eigenes freies Betriebssystem zu schreiben, um allen Menschen freien Zugang zu seinem Gefrickel zu ermöglichen. Auch soweit könnte man noch mitgehen, doch wenn er nun mit einem breiten Grinsen, das sogleich von tosendem Applaus untermalt wird, ergänzt, daß man in dieser Situation ja jedem helfen würde, außer vielleicht Bush - und noch einigen anderen seiner Schergen - dann finde ich das nicht nur einen schlechten Scherz, sondern moralisch verwerflich. Drückt er, der die Freiheit über alles stellt, Freiheit! Freiheit!, drückt er damit doch seine Verachtung für menschliches Leben aus. Wer Freiheit predigt, sollte Menschen auch die Freiheit lassen andere Ansichten zu haben und anders zu handeln, ohne ihnen die Freiheit zu Leben abzusprechen. Ein Mensch der vor so vielen anderen Menschen spricht, und dessen wirre Ausführungen wohl auch bei einigen durchaus Beachtung finden, der sollte derartige Äußerungen nicht machen. Doch zeigt er an dieser Stelle womöglich sein wahres Gesicht. Da kann er noch so viel von der Freiheit reden, und wie ethisch ehrbar seine durch und durch freiheitlichen Motive seien, wer mit so einem menschenverachtenden Exempel Applaus ernten will, der kann doch unmöglich ein moralisches Vorbild sein.
Jedoch bin ich nicht nur durch diese Äußerung zu dem Schluß gekommen die ethischen Qualitäten des Redners zu hinterfragen. Im Zusammenhang mit dem Namen
GNU kam er natürlich auch auf GNU/
Linux zu sprechen. Seine Ausführungen zu "GNU's not Unix", dem Sinn und Zweck
rekursiver Akronyme und wie er schließlich ausgerechnet auf "gnu" kam waren ohne Frage interessant und unterhaltsam. Die Tatsache, daß "gnu" in der englischen Sprache wie "new" ausgeprochen wird und sowieso eines der witzigsten Wörter überhaupt sein soll war mir neu. Daß man mit rekursiven Akronymen immer auch noch auf denjenigen verweist, den man portiert oder von dem man abgeschaut hat war mir auch nie bewußt, aber das fand ich doch ganz nett. Daß Programmierer wohl die einzigen Menschen sind, die wirklich Spaß mit rekursiven Akronymen haben können tut dem ja keinen Abbruch, solange wenigstens sie sich daran erfreuen reicht es ja auch. Doch nach diversen Wortspielen schritt der Oberfreak behenden Schrittes zum nächsten Thema auf seiner Agenda. Ich würde es mit "heulen" überschreiben.
So begann er doch sich zu echauffieren daß das, was alle Linux nennen eigentlich GNU sei. Und überhaupt. Der komische damalige Student
Linus Torvalds, der, hier zitiere ich weil es so gut paßt nicht den Oberfreak, sondern eine andere Wurst, "aussieht wie ein überfressesner IBM Manager", der hat ja nur den winzigen Teil des
Linux-Kernels beigesteuert, der zudem ganz am Anfang noch nicht einmal frei war! Es machte ein wenig den Eindruck, als sei der Oberfreak
beleidigt, weil sein lustiges rekursives Akronym wohl allgemein nicht so gut ankam, wie die Bezeichnung Linux. Das wäre noch nur eine amüsante Einlage gewesen, doch daß er Torvalds abspricht ein (moralisches) Vorbild zu sein, weil dieser, wenn er von
Open Source spricht, nicht die Freiheit ins Zentrum stellt, sondern Argumente wie Qualität und seine Motivation nicht auf einer extremen Freiheitsideologie basiert sondern auf Spaß und der Möglichkeit zu lernen. Wenigstens gab er zu, daß auch Torvalds Gründe für sein Engagement nicht schlecht seien, aber eben doch auch nicht so richtig gut - zumindest nicht so gut, wie seine eigenen. Überhaupt sei "Open Source" ein unmöglicher Begriff, der nur von Schurken benutzt wird, die nicht für Freiheit einstehen wollen.
Des Redners Ausführungen zu "
Digital Restrictions Management" waren dagegen wieder nachvollziehbarer. Ebenso seine berechtigte Kritik, daß große Softwarekonzerne Schüler und Studenten "anfixten", indem sie diesen "kostenlose" Software zur Verfügung stellen würden, wodurch diese dazu verleitet würden später, wenn sie einmal arbeiteten, natürlich die Software anzuschaffen, die sie bereits benutzten und kennten. Sein Plädoyer in Bildungseinrichtungen grundsätzlich freie Software einzusetzen verdient somit auch meine Unterstützung, wobei ich nicht soweit gehen will, daß man nur freie Software einsetzen sollte, doch sollte diese zumindest hauptsächlich eingesetzt werden.
Neben diesen beiden auch meiner Ansicht nach positiven Punkten gab es jedoch ebenso weitere, die weniger klar waren. Da kam die Frage auf, was unser Oberfreak denn zum Thema
BIOS zu sagen hätte. Natürlich sei es nicht gut, daß die meisten BIOS heutzutage immer noch proprietär seien, aber da würde sich ja zur Zeit etwas tun. Und überhaupt, so schlimm sei das beim BIOS ja auch nicht, freie BIOS-Alternativen liefen noch nicht auf Laptops, nur der
OLPC würde mit einem funktionieren, weswegen er natürlich am liebsten so einen hätte. Damit konnte er bei den meisten Anwesenden natürlich wieder punkten, doch ich fand diese Antwort nicht ganz befriedigend. Als es um Mobiltelefone ging, wurde es noch spannender. Er selbst habe keines, weil er ja potentiell die ganze Zeit damit überwacht werden könnte, er habe ja an sich keine Möglichkeit eine Ortung zu verhindern. Natürlich deswegen, weil keine freie Software darauf läuft. In diesem Zusammenhang durfte
OpenMoko natürlich nicht unerwähnt bleiben. So ein Mobiltelefon würde er sich vielleicht sogar anschaffen. Was mich in seinen Ausführungen jedoch irritiert hat, und was sich meiner Ansicht nach nicht mit seinem sonstigen Freiheitsprinzip verträgt, war eine Begründung, warum es auf Mobiltelefonen in Ordnung ist oder zumindest war, daß man nur proprietäre Software dafür hatte: Man hat ja sowieso nichts installieren oder verändern können. Warum wird unfreie Software dadurch besser, daß man die Freiheit des Benutzers zusätzlich einschränkt und ihn nicht einmal kleinere Anpassungen vornehmen läßt? Diese Unterscheidung zwischen guter proprietärer Software und böser proprietärer Software erscheint für mich völlig wirr und inkonsequent. Für die Freiheit macht es doch an sich keinen Unterschied, ob es um einen Toaster oder einen Laptop geht.
Und überhaupt: Müßte streng genommen nicht nur Software, sondern alles frei sein?
Ich sehe auch noch nicht so ganz, was an proprietärer Software generell schlecht sein soll. Die meisten Benutzer wollen doch weder wissen, wie irgendein Programm genau funktioniert, geschweige denn etwas daran verändern. Sie wollen, daß das Programm zuverlässig funktioniert und einfach benutzbar ist. Und genau das sind die Punkte, die bei vielen freien Softwareprojekten eher stiefmütterlich behandelt werden. Inzwischen ist es zwar durchaus jedem, der ein Windows installiert bekommt wohl auch möglich ein Linux installiert zu bekommen, doch kann man nur schwer leugnen, daß trotz allem Linux nach wie vor ein Frickelsystem ist. Entweder gibt es für diverse Einstellungen keine Benutzeroberflächen, die über Emacs hinausreichen, oder aber man muß um einzelne Komponenten zum Funktionieren zu überreden erst irgendwelche seltsamen Programme installieren, Kernel kompilieren, oder was auch immer für Sachen machen, die ein gewöhnlicher Benutzer nicht zu tun pflegt. Was ist also schlecht daran, wenn ich die Freiheit habe einfach mit dem Obsthändler um die Ecke ein Tauschgeschäft zu vereinbaren und dafür zwar nicht alles weiß, aber glücklicherweise auch nicht alles wissen muß, weil ich meinen Apfel auch ohne komplizierte Werkzeuge essen kann?
Nun, zusammenfassend stelle ich fest, daß der Redner mitunter interessante Themen treffend angesprochen hat, sich in anderen Bereichen jedoch in wirren Weisheiten verlor. Ich will seine Verdienste und seinen Einsatz nicht kleinreden, ich selbst nutze wahrscheinlich täglich Anwendungen, die auf ihn zurückgehen, doch eines ist es mit Sicherheit nicht: ein moralisches Vorbild. Er ist ein Freiheitsfreak, der mitunter von seiner eigenen Freiheitsideologie geblendet mit menschenverachtenden Anspielungen und herablassenden Bemerkungen versucht seine eigene Position auf Kosten anderer zu stärken. Solches Verhalten ist in meinen Augen alles andere, als vorbildhaft.
Stockholm .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 29.02.2008 um 02:19:52 Uhr
123-Stöckchen ... mal wieder eins.
Daniel hat mir ein Stöckchen zugeworfen, dem ich mich zugleich einmal kurz angenommen habe.
Ich hätte einige Bücher in greifbarer Nähe, die ich zur Zeit lese oder schon gelesen habe. Sei es
Orality and Literacy (New Accents) von
Walter J. Ong, Multiprojektledning: skapa puls i produktutveckling med lean tänkande von Ulla Sebestyén, die nebenbei bemerkt hier auch schon eine Gastvorlesung gehalten hat, Projektledning och projektkompetens von Jonas Söderlund oder The Design of Everyday Things von Donald A. Norman das gerade brach jedoch liegt, weil das Studium genug anderes zu beackern gebietet.
Doch die letzten Tage habe ich meistens damit gebracht für den Kurs "Kommunikation und Medien" das Buch Media and Modernity: A Social Theory of the Media von Soziologieprofessor John B. Thompson zu lesen. Wie alle anderen oben bereits erwähnten Werke lesenswert. Sich zu den einzelnen Büchern auszulassen böte genug Stoff für eigene Einträge, weswegen ich hier nur kurz etwas zu diesem einen schreiben möchte. Als Mensch ist man ständig von Medien umgeben, oft selbst werden sie einem, selbst wenn man garnicht aktiv nach ihnen sucht zugetragen. Irgendwo bekommt man, zumindest in Stockholm, immer eine Zeitung in die Hand gedrückt, oder es läut ein Radio, ein Fernseher, oder man schaut dem Nachbar in seine BILD ... also Medien sind ein Thema, dem wir uns kaum entziehen können. John. B. Thompson macht sich nun Gedanken zu den Medien und wie der technische Fortschritt sich auf die Fortentwicklung der Medien auswirkte und wie die Medien wiederum die Gesellschaft beeinflussen. Ich fand das Buch sehr interessant, auch wenn ich ihm im letzten Kapitel nicht mehr unbedingt Recht geben will, aber das Buch enthält viel Interessantes und Wissenswertes, weswegen ich es eigentlich nur jedem empfehlen kann.
Auf Seite 123 im Kapitel 4 "Transformation of Visibility" unter der Überschrift "The Public and the Private" schreibt er ab dem fünften Satz Folgendes:
"According to this sense, 'public' means 'open' or 'available to the public. What is public, in this sense, is what is visible or observable, what is performed in front of spectators, what is open for all or many to see or hear or hear about. What is private, by contrast, is what is hidden from view, what is said or done in privacy or secrecy or among a restricted circle of people."
Weder überraschend noch weltbewegend, trotzdem ist das Buch lesenswert.
Nun noch die Anleitung:
- nimm das nächste Buch in deiner Nähe mit mindestens 123 Seiten,
- schlage es auf Seite 123 auf,
- suche den fünften Satz auf der Seite,
- poste die nächsten drei Sätze.
Danach dann das Stöckchen irgendwohin werfen.
Ich werfe es mal weiter an Jeena, bei dem ich mal gespannt bin, was er denn im Moment so liest, Dirk, der zwar Stöckchen hartnäckig ignoriert, aber man kann es ja trotzdem immer mal wieder versuchen, und Wolfgang, der bestimmt auch was Interessantes zu lesen in der Nähe hat. Ach, und distributed Blogger Tim bekommt es auch noch.
Stockholm .. linken .. kommentieren (3) .. von Götz Bürkle am 13.02.2008 um 00:13:20 Uhr
Top Fives: Gründe nach Skandinavien auszuwandern
Gestern hatte ich nach einem Gespräch mit Dirk die Idee doch mal eine "richtige Top Fives Liste" zu schreiben.
Also hab ich mich heute des nachts mal drangesetzt und bin auf allerlei gestoßen, was mich zum Teil auch selbst überrascht hat.
Aber lest selbst: Gründe nach Skandinavien auszuwandern - nicht, daß ich konkrete Pläne hätte, aber es ist nicht verkehrt sich einmal in der neuen Umgebung umzuschauen ...
Stockholm .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 09.02.2008 um 19:08:41 Uhr
Meine Reise in den Norden - eine Übersicht
Für alle, die sich für Zahlen interessieren: Insgesamt habe ich rund 3200 Kilometer mit Bahn, Bus und zu Fuß zurückgelegt. Dabei habe ich rund anderthalb Tage bzw. circa 350 Dateien Musik, Podcasts und Hörbücher gehört.
Wer einen Überblick über die Strecke bekommen will, kann sich
bei Google Maps umschauen, da hab ich meine Route grob nachgezeichnet und die interessanten Punkte markiert und mit Bildern und Verweisen versehen.
Das sieht dann erstmal so ähnlich aus, wie dieser Screenshot. Ich habe in die obere linke Ecke mal ein Stück das etwa Deutschland ist eingefügt, um die Größenverhältnisse aufzuzeigen.

Zu jedem Reiseabschnitt gibt es einen mehr oder weniger umfangreichen und informativen Bericht und mal mehr und mal weniger Bilder.
- 26.12.2007: Fahrt von Stockholm nach Kiruna
- 27.12.2007: Kiruna
- 27.12.2007: Fahrt von Kiruna nach Narvik
- 27.12.2007: Narvik
- 28.12.2007: Narvik
28.12.2007 Stille Aussicht, ein blonder Engel und Musik (Fotos)
- 29.12.2007: Letzte Eindrücke aus Narvik
- 29.12.2007: Fahrt von Narvik nach Oslo
29.12.2007 "Norway rocks" und 29.12.2007 Von der Schweiz bis Star Trek(Fotos)
- 30.12.2007: Oslo
- 31.12.2007: Oslo
- 01.01.2008: Fahrt von Oslo nach Stockholm
01.01.2008 Es zieht sich ... (Fotos von Oslo, Fotos von der Fahrt und nach der Rückkehr)
Das war es nun also endlich davon, war ja auch mehr als genug.
Stockholm .. linken .. kommentieren (1) .. von Götz Bürkle am 23.01.2008 um 02:05:31 Uhr
01.01.2008 Fotos: Oslo -> Stockholm
Und nun endlich die letzten Bilder meiner Reise, 01.01.2008 Es zieht sich ...

Warten im Busbahnhof.



Landschaft aus dem Bus ...

... sie fliegt vorbei. Sie ist nicht.

Wald und weiß.

Zurück in Stockholm.

Nun, das Bild kommt dem aufmerksamen Bildbetrachter bekannt vor. Ein ganz ähnliches gab es schon bei der Abfahrt.

Am nächsten Tag mußte ich dann erstmal meine ganze Wäsche waschen ...

Alle meine Karten und Broschüren und so weiter.

Wer mich kennt wird sich kaum wundern, daß ich auch fast alle meine Kassenzettel aufgehoben habe.

Nun, meine "Schuhbendel" haben nicht die ganze Reise überstanden, sondern lösten sich mit der Zeit vollends auf. Sie waren schon angeschlagen, als ich die Reise antrat, doch die Strapazen waren ihnen dann einfach zuviel.

Mein treuer Trolley. Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Ließ sich eigentlich immer gut ziehen, auch in schwierigem Gelände, die Rollen ließen sich auch von gestreuten Steinen kaum verunsichern ... nun sieht er zwar gebraucht aus, doch das macht ja nichts. Er ist ja auch schließlich ein Gebrauchsgegenstand.
Stockholm .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 22.01.2008 um 01:01:32 Uhr
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