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Einträge in 03/2008

Abscheulicher-Anis-Aha-Effekt

So, nachdem ich seit längerem mal wieder als Karlsruher Student getarnt ZDFKerner angeschaut habe, der im Stream wohl inzwischen auf Deutschland begrenzt zu sein scheint, muß ich eines kurz erwähnen. Zu Gast waren unter anderem, weswegen ich die Sendung schonmal grundsätzlich interessant fand und reingeschaut habe, Wikipedia-LinkGenitiv-Retter Bastian Sick und Wikipedia-LinkWolf Schneider, der ja auch beim ehemaligen Verein zur Wahrung der deutschen Sprache (VWDS), dessen neuer Name so langweilig klingt, weswegen ich weiterhin den alten benutze, mitmischt. Der werte Herr Sick steht bei mir gerade hoch im Kurs, weil der Osterhase den dritten Teil des Genitivs Tod als Hörbuch vorbeibrachte. Nun, man kann sagen die beiden anderen Teile waren unterhaltender und so weiter und so fort, doch da ich nur diesen Teil als Hörbuch besitze will ich nicht meckern. Manches, was er mal wieder publikumstauglich aufbereitet hat besitzt durchaus akzeptablen Unterhaltungswert, wenn auch anderes in der Tat ein wenig angestrengt wirkt. Doch darum soll es garnicht gehen. Eigentlich soll es um Wolf Schneider gehen. Denn der machte eine bemerkenswerte Aussage, als Johannes B. Kerner ihn auf den Wikipedia-LinkDUDEN ansprach. So sagte er:
Der DUDEN sei der Kopf einer selbstinszenierten Abwärtsspirale. Diese natürlich qualitativ negative Entwicklung der deutschen Sprache nannte er schließlich auch noch abscheulich, oder zumindest so ähnlich. Hier bin ich mir, zugegebenermaßen, die Wortwahl betreffend nicht mehr vollständig sicher, doch wenn es nicht abscheulich gewesen sein sollte, so war es mindestens ebenso abwertend.

Überrascht hat in der Runde fast Wikipedia-LinkAnis Mohamed Youssef Ferchichi, unverkennbar eine Erscheinung mit Migrationshintergrund, die dem einen oder anderem unter seinem Künstlernamen, wenn man das, was er treibt denn Kunst nennen mag, Wikipedia-LinkBushido bekannt sein könnte. An dieser Stelle sei noch angemerkt, daß "Anis" mir zu diesem Mitglied unserer Gesellschaft ganz gut zu passen scheint, schließlich weiß eine uns allen bekannte Möchtegernenzyklopädie Folgendes zu berichten: "Der Geschmack von Anis wird von den meisten Menschen als unangenehm und störend empfunden." - Eine weise Namenswahl, das sollte man den Eltern einmal mitteilen. Jedenfalls, und nun kommt das vielleicht sogar Überraschende dieses Absatzes, findet Anis die deutsche Sprache schön und denkt selbst er beherrsche sie ganz gut. Man solle nicht von seinen primitiven Texten auf sein Sprachvermögen schließen, ließ er durchscheinen.
So ist das also, mit der Pflanze aus dem Mittelmeerraum.


Ein anderer, der mich gestern überraschte war der schlagzeilenbeherrschende Metzger. Oswald Metzger natürlich. Er sprach im ZDFheute-journal vom 25.03.2008 von (katholischen bzw. christlichen) Werten und von "Schöpfung bewahren". Das hört man doch gerne am späten Abend, da schläft man ja fast gleich viel ruhiger ein.

Stockholm .. linken .. kommentieren (2) .. von Götz Bürkle am 26.03.2008 um 02:16:55 Uhr

Kein Schmunzelhasenterror

Milka SchmunzelhaseHier in Schweden, mehr noch in Stockholm, kann man an sich ja ohne größere Entbehrungen leben, doch manchmal fallen einem doch interessante Sachen auf.
Während man sich in Deutschland wohl seit spätestens Januar einem permanenten Schmunzelhasenterror in sämtlichen Supermärkten ausgesetzt sieht findet man hier nicht ein einziges Exemplar dieser posierlichen lila Tierchen. Nun, zugegeben, sie sehen nicht unbedingt besonders intelligent oder schön, sondern eher ein wenig dämlich aus, aber hier zählen, wie ja immer im Leben, die inneren Werte!

Natürlich, Ostern, da geht es nicht um Schmunzelhasen sondern um Wikipedia-LinkGrößeres. Trotzdem gehört der Schmi-Schma-Schmunzelhase irgendwie zu Ostern. Zu meinem Ostern. Mancher mag jetzt "Eier!" einwerfen, doch darauf kann ich gut verzichten. Eier habe ich ja das ganze Jahr über im Kühlschrank und außerdem schauen sie nicht so putzig dämlich drein und sind nicht sooooo süß.

Lindt GoldbunnySo ist das also. Doch um meine Fast-Entzugserscheinungen zu lindtern habe ich mir ein akzeptables Substitut für das fehlende Gut besorgt. Ein Goldbunny. Auf dem Porträt hier kann man ihn noch in seiner vollen Pracht, unversehrt wie er gemacht, betrachten. Inzwischen, das ist meiner unbändigen Gier geschuldet, würde man ihn nicht mehr wiederekennen. Aber dazu ist er ja da.
Eines muß ich hier jedoch schließlich noch anmerken: Der Name "Goldbunny" gepaart mit dem vielleicht edleren, goldigen, aber mitnichten attraktiveren Aussehen wirken neben meinen schillernden Schmunzelhasenerinnerungen mehr wie ein armer Versuch.

Deswegen für den Schmunzelhasen, gegen den Terror:
Schmunzelhasen
- nicht schon zu früh im Januar,
an Ostern dafür jedes Jahr!


Stockholm .. linken .. kommentieren (3) .. von Götz Bürkle am 24.03.2008 um 15:39:50 Uhr

Die Schweden und die Sprachen

Daß die Schweden im Allgemeinen ein gutes Englisch sprechen hatte ich ja schon vor einiger Zeit erwähnt, daß sie, wie auch manche Norweger gelegentlich spontan englische Sätze einstreuen ist auch kein großes Geheimnis. Nebenbei bemerkt bin ich wohl nicht der einzige, der sich darüber Gedanken macht inwiefern der starke englisch-sprachige Einfluß sich (nachteilig) auf die schwedische Sprache auswirken könnte, wie ich diese Woche in Radio Schweden erfuhr.
Es fällt auf, daß viele Schweden für manche Begriffe schlicht, zumindest spontan, keine schwedischen Wörter kennen und deshalb einfach die englischen benutzen. Erstaunlich, daß man dies nicht nur bei beliebigen Schweden, sondern vor allem auch bei universitären Lehrbeauftragten beobachten kann. Dies würde noch wenig überraschen, wenn ich diese Beobachtungen auf Individuen eingrenzen würde, die bevorzugt Google-LinkBeratersprech in Managementvorlesungen praktizieren, doch dem ist nicht so, auch Philosophen und Sprachwissenschaftler fallen regelmäßig schwedische Wörter nicht ein, die englischen Begriffe haben sie aber parat. Man könnte das natürlich damit erklären, daß der wahrscheinlich bei weitem größte Teil wissenschaftlicher Veröffentlichungen in Englisch verfaßt wird, doch oft sind die fehlenden Wörter gar keine so exotischen, so daß sich diese Begründung aus meiner Sicht als nicht sonderlich stichhaltig erweist.

Erschreckender als diese Beobachtung finde ich jedoch, daß die Wikipedia-LinkOrthographie vieler Schweden sowohl in ihrer Muttersprache als auch im Englischen nicht unbedingt durch besondere Güte zu beeindrucken vermag. Im Englischen würde ich dies auf die vorwiegend durch amerikanisches Fernsehen primär Wikipedia-Linkoral geprägte Aneignung der Sprache und des Vokabulars zurückführen. Oft werden es schlicht Flüchtigkeitsfehler sein, trotzdem fragt man sich natürlich woran es liegt, wenn simple Begriffe auf Vorlesungsfolien oder auf ausgeteilten Blättern auch von Sprachlehrern nicht korrekt geschrieben werden.

Mehr jedoch, als dieses Phänomen im alltäglichen englischen Sprachgebrauch der Schweden verwundert jedoch die Tatsache, daß Schweden auch beim Schwedischen selbst oft nicht so genau hinschauen. Doch auch hierfür habe ich eine Erklärung in petto, denn das Schwedische unterscheidet sich meiner bisherigen Wahrnehmung nach, was mir auch von Schweden bestätigt wurde, relativ deutlich im mündlichen Gebrauch von der schriftlichen Fixierung. Viele Wörter werden beim Aussprechen gnadenlos gekürzt, was man zwar auch in anderen Sprachen vorfindet, doch nur selten sind diese "Verstümmelungen der schriftlichen Ausprägungen" Teil der offiziellen Sprache und nicht nur regional tolerierte Sprachvergewaltigungen, auch Dialekte genannt. Auch im englischen Sprachraum ließen sich hier Beispiele finden, doch darum soll es nun garnicht gehen, da aber durch das bereits erwähnte englischsprachige Fernsehen, das nicht synchronisiert sondern grundsätzlich nur untertitelt wird, textuelle Entsprechungen gesprochener Dialoge zum täglich Brot eines jeden Schweden gehören und der Platz für Untertitel auf dem Fernsehschirm begrenzt ist begegnet man regelmäßig in Untertiteln der als Schriftschwedisch getarnten lautmalerischen Umschreibung einer mündlichen Konversation.

Ich behaupte ohne Belege dafür vorbringen zu können, daß das Zusammenspiel der verhältnismäßig großen Differenz zwischen geschriebener und gesprochener Sprache mit dem "Untertitelschriftschwedisch" dazu beiträgt, daß Schweden auch ihre eigene Schriftsprache zunehmend "oralisieren", was auf längere Sicht zwar wieder zu einer Annäherung dieser beiden Ausformungen derselben Sprache führen könnte, momentan jedoch vor allem zur Verwirrung Schwedischlernender beiträgt.

Das ist zwar für mich nicht weiter dramatisch, man "gets schließlich used to it", trotzdem wäre es einmal interessant diese Beobachtung näher zu untersuchen, schließlich geht es um die Zukunft einer Sprache. Bevor ich mich jedoch in eine schwedische Literaturrecherche stürze, lasse ich diese These erst einmal relativ frei schwebend im Raum stehen, habe jedoch auch weiterhin ein Auge - oder auch Ohr - darauf.

Stockholm .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 22.03.2008 um 01:31:23 Uhr




zuletzt geändert von Götz Bürkle am 28.01.2009 ..

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