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Einträge in 01/2008
27.12.2007 Fotos: Kiruna -> Narvik
Am frühen Abend, späten Nachmittag, hab ich mich dann auf den Weg nach Narvik gemacht, weswegen nun die wenigen Bilder zum Eintrag 27.12.2007 Nachts nach Norwegen folgen.

Der Bahnhof in Kiruna erstrahlt in der nachmittäglichen Dunkelheit ...

Die Infotafel am Bahnhof in Kiruna.

Der Zug fährt ein ...

... und wie man sieht, ist er nicht allzu lang.

Man sieht, daß es in diesem Zug schon wieder anders aussieht, als in meinem vorigen. Der letzte hatte ja eine "asymmetrische Sitzplatzaufteilung" (drei auf der einen Seite, einen auf der anderen).

Ankunft am Bahnhof in Narvik.
Kommentare: 0. Geschrieben am 12.01.2008 um 22:50:29 Uhr
27.12.2007 Fotos: Kiruna
Heute nun gibt es die Bilder zum Eintrag 27.12.2007 Himmel, Herrgott, Kiruna.

Blick, den man von Kiruna aus auf die Landschaft hat ...

Mein bescheidenes Frühstück im erstbesten Café.

Die schöne Kirche von Kiruna.


Blick nach vorn zum Altar.

Dlick in Richtung Orgel.



Ich weiß nicht genau warum, aber das Bild gefällt mir besonders gut.


Sonnenuntergang in Kiruna ... sie kam nie wirklich über den Horizont.

Versuch eines Freihandpanoramas vor der Kirche. Nicht optimal, aber trotzdem sehenswert.

Mein erster Versuch ein Bild von mir selbst irgendwo zu machen. Dies habe ich im Verlauf der Reise noch ein, zweimal gemacht, wenn es sich anbot und ich daran dachte. Schließlich ist es ja auch mal interessant, mich irgendwo auf den Bildern zu sehen. Dachte ich mir jedenfalls.




An mehreren Stellen gab es derartige Eiskunstwerke zu sehen.








Ich hab mir auf meiner Reise nur eine einzige Postkarte gekauft. Diese. Einfach unglaublich, der Himmel, die Kirche, das Licht ...
Kommentare: 1. Geschrieben am 12.01.2008 um 00:27:51 Uhr
26.12.2007 Fotos: Stockholm -> Kiruna
Wie schon früher erwähnt gibt es auch noch Bilder zu jedem Reiseabschnitt. Mal mehr, mal weniger, je nachdem, wieviel Lust und Gelegenheit ich zum Fotografieren hatte.
Auch bei den Bildern fange ich vorne an, nämlich bei der Abreise bzw. mit der Fahrt von Stockholm bis Kiruna.
Die Bilder illustrieren den Eintrag 26.12.2007 Mit Hape von Stockholm bis Kiruna.

Dievollgepackte Laptoptasche, inklusive drei Bücher (wenn man das MacBook mitzählt), allerlei Lade- und Verbindungskabel und sogar einer Dreifachsteckdosenleiste (Laptop, iPod, Kamera und evtl. Mobiltelefon wollen über Nacht geladen werden, wenn man Pech hat alle gleichzeitig).

Als ich dann alles gepackt hatte, habe ich noch kurz direkt vor meiner Zimmertür ein Bild von meinem Gepäck gemacht. Die Reise kann beginnen. Muß beginnen. Begann.

Und schon bei meiner Abreise beginnt der Tag langsam sich zu verabschieden ...

Auf dem Hauptbahnhof hab ich erstmal auf der Informationstafel geschaut, auf welchem gleis mein Zug denn abfahren wird.

So sieht also die Bahnhofshalle in Stockholm aus. Nicht besonders spektakulär, aber relativ viele Bänke zum Warten.

Noch ließ er auf sich warten, aber angeschlagen war er bereits. Der Zug. Gen Norden.

So sah der Zug also von außen aus, in dem ich die nächsten rund siebzehn Stunden verbracht haben werde.

Ein dunkles Bild von der abteilähnlichen Sitzgruppe, in welcher ich die Reise verbracht habe.

Blick aus dem Fenster. Nachts. Verwackelt und kalt.

Am ersten Etappenziel, oder besser an der ersten Zwischenstation: Bahnhof Kiruna.

Nun nochmal der Zug in seiner ganzen Pracht bei "Tageslicht".
Kommentare: 1. Geschrieben am 11.01.2008 um 00:39:18 Uhr
01.01.2008 Es zieht sich ...
Am ersten Morgen des Jahres zweitausendundacht genoß ich erneut das Frühstück im Perminalen Hotel, um dann langsam gen Busterminal zu laufen.
Ich hätte noch ein wenig in der Stadt umhergehen können, aber ehrlich gesagt war ich in den letzten Tagen genug gelaufen, so daß ich mich lieber dazu entschloß, im Busterminal einige Zeit zu warten und mir ein Ticket für den Bus zu besorgen. Dort erfuhr ich dann auch, daß sogar zwei Bus-Gesellschaften von Oslo nach Stockholm fahren, zwar zur gleichen Zeit, aber trotzdem. Da eine wohl ein wenig günstiger war, zumindest nach den mir vorliegenden Informationen, hab ich mir dort ein Ticket gekauft, als der Schalter irgendwann mal besetzt war. Genau genommen wollte ich erst, denn so war scheint es bei einigen Bussen üblich zu sein, direkt beim Busfahrer ein Ticket kaufen, der schickte mich dann an den Schalter, an dem inzwischen sogar eine Dame saß und Karten verkaufte. Ich hatte zwar noch einige norwegische Kronen, aber nicht mehr genug, weswegen ich einfach mit meiner Karte zahlen wollte. Doch leider hat es mit meiner Nordea-Karte nicht geklappt, also hat sie mich zum Geldautomaten geschickt. Doch auch dort überraschte mich die Maschine mit der Meldung, daß es temporäre Probleme gäbe. Nun, schade. Doch als ich dann wieder innen am Schalter war kam mir die rettende Idee: Ich hatte ja noch meine deutsche Karte dabei, warum nicht einfach die noch ausprobieren. Das hat dann auch problemlos geklappt, nur die Verbindung und Validierung der Eingaben hat ein wenig mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich es an Kassen gewöhnt bin. So kam ich also an meine Fahrkarte und suchte mir einen Platz im Bus, auf dem ich die nächsten acht Stunden sitzen werde.
Diese Busfahrt war wohl die Etappe, die sich gefühlt am längsten zog. Aber auch hier sah man in Norwegen und Schweden wieder atemberaubend schöne Landschaften, zumindest solange man noch etwas sah. Irgendwann auf der Fahrt, schon nach über der Hälfte, entdeckte ich einen Aufkleber an meiner Scheibe, die kostenlos nutzbares WLAN verhieß. Daraufhin hab ich mein Gerät mal ausgepackt und versucht mich zu verbinden. Das hat auch geklappt, nur vergab der Router leider keine Nameserver, weswegen ich theoretisch zwar durchaus so richtig im Internet war, ja auch praktisch, nur so richtig nützlich war es ohne Namensauflösung auch nicht, denn wer kennt schon IP-Adressen auswendig? Daraus sollte ich wenigstens lernen, daß man immer eine Liste mit Nameservern dabei haben sollte - mal schauen, wann ich mir so eine Liste mal zusammen suche. Ob Internet oder nicht, ich bekam sowieso schnell Kopfschmerzen und ein ungutes Gefühl im Magen, als ich auf den Monitor schaute und versuchte dem Problem auf die Spur zu kommen, oder es vielleicht sogar zu beseitigen, so daß ich das Gerät relativ schnell wieder einpackte und mich wieder aufs Hören und aus dem Fenster schauen beschränkte, was mit Sicherheit die klügere Alternative war, als solange weiter rumzufrickeln, bis sich mein Frühstück möglicherweise seinen Weg zurück gebahnt haben könnte ...
Mit dem Lesen in Autos und Bussen hatte ich e noch nie, ich muß immer aus dem Fenster schauen, im Auto sogar aus der Windschutzscheibe, im Bus geht es meist auch zur Seite raus.
Die Fahrt, und auch schon meine Wartezeit in Oslo, habe ich hauptsächlich dazu genutzt weitere Leute-Sendungen zu hören. Interessant, was man da so alles von allen möglichen Leuten erfährt. Ich höre an sich ja kein SWR 1, aber Leute ist doch immer wieder eine Sendung, die es zu hören lohnt. Wie auch einige andere auf SWR 2, aber dazu hab ich ja schonmal etwas geschrieben, jedoch fiel mir gerade auf, daß sie nun deutlich mehr Sendungen anbieten, als noch vor einigen Monaten, werde also mal schauen, was ich noch Interessantes dort finden kann.
Überraschenderweise ganz gut fand ich die Sendung mit Dr. Eckart von Hirschhausen, aber auch Kai Schubert, der aus Waiblingen stammende Winzer in Neuseeland war sehr interessant, ebenso auch Klaus Töpfer und auch Dr. Karl Heinz Brisch. Eigentlich sind die meisten Gespräche interessant, auch wenn die Gesprächspartner nicht immer unbedingt das sagen, was man selbst für korrekt und sinnvoll hält, so kann man doch allerhand lernen oder verbessert zumindest seine Allgemeinbildung in verschiedensten Bereichen.
Doch irgendwann konnte ich auch nicht mehr konzentriert den interessanten Interviews lauschen, weswegen ich wieder auf die bewährte Musik umgeschwenkt bin. Bisher unerwähnt, aber auch gelegentlich gehört war eine junge schwedische Musikerin namens Janina (MySpace) ebenso wie, zumindest soweit ich mich erinnere, Boy Omega (MySpace), der mich jedoch auch auf meiner Reise begleitet hat.
Nach kaum enden wollender Fahrt zurück nach Stockholm war ich dann auch irgendwie froh, wieder "daheim" zu sein.
Kommentare: 0. Geschrieben am 10.01.2008 um 00:53:15 Uhr
31.12.2007 Photos, Pilgern, Opernhaus
Auf Rat jener Norweger, die ich am Abend im Jazzclub getroffen hatte, habe ich mich am nächsten Tag aufgemacht, um die Aussicht vom
Holmenkollen genießen zu können. Wie auch schon am Tag meiner Ankunft habe ich dort oben, wie eben auch sonst überall in der Stadt, oft mehr Deutsch als Norwegisch gehört ... es ist unglaublich, daß man hier oben in Stockholm und Oslo überall immer Deutsche trifft. Nun, da ich kein gesteigertes Interesse daran habe hier unbedingt mit deutschen Touristen zu reden, hab ich versucht sie zu ignorieren, ihre Gespräche waren in der Regel sowieso nicht so interessant, daß man zuhören wollte.
Ich war zur Mittagszeit auf dem Holmenkollen und hatte eine wirklich schöne Aussicht. Ich hab die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und bin auch auf den Turm gestiegen. Zum Teil kann man mit einem Aufzug fahren, doch die letzten zehn, zwanzig, keine Ahnung, Meter mußte man zu Fuß die Eisentreppe im Inneren der Schanze bewältigen. Da laufen sie also hoch, die Skispringer. Allein dieser Weg ist schon Anstrengung genug. Oben überblickt man dafür ganz Oslo, und noch mehr. Da der Turm rundum verglast ist, muß man beim Fotografieren immer wieder mit nervigen Reflexionen kämpfen, doch ich habe versucht das Beste daraus zu machen. Der Aufstieg hat sich gelohnt. Die Sonne stand zum Fotografieren vielleicht ein wenig ungünstig, weil sie so schien, wie sie es eben zu ihrer Besten Zeit konnte, aber besser zu viel Licht, als zu wenig, dachte ich mir.
Danach habe ich weiter die Stadt erkundet. Da ich ein wenig in diesen Touristenbroschüren geblättert hatte wollte ich mir Aker Brygge mal anschauen, ein Komplex, der gerade neu bebaut wird bzw. zum Teil schon neu bebaut ist. Direkt am Wasser, gute Aussicht, viele Läden, auch Wohnungen. Das ist bestimmt ein Platz, an dem sich Architekten wohlfühlen, nicht unbedingt, weil ihnen die Gebäude gefallen, sondern weil es, denke ich mir zumindest, eine spannende Lage und ein spannendes Projekt ist, dort quasi einen kompletten kleinen Stadtteil aufzubauen.
Anschließend, nun kommen wir vielleicht zu einer weiteren Parallele zu Hape, beschritt ich meinen Pilgerweg. Ich wollte mir, wenn ich schonmal in Oslo war, auch anschauen, wo denn mein Lieblings-, ja der einzig vernünftig nutzbare Browser, genau herkommt, weswegen ich per Bus und Fuß den relativ weiten Weg auf mich genommen habe, um das Zentrum der Browsermacht wenigstens von außen zu sehen. Ich muß zugeben, ich war ein wenig enttäuscht, aber so weiß ich wenigstens, daß sie ihr Geld nicht für nutzlose Repräsentativbauten ausgeben sondern bescheiden im dritten Stock, der hier als vierter bezeichnet wird, eines eher grauen Bürohauses residieren. Immerhin kann ich nun sagen, daß ich dort war.
Danach, ich wollte noch einen Blick auf den Opernneubau erhaschen, trat ich meinen romantischen Abendspaziergang an. Es war wohl einer der schönsten Sonnenuntergänge, die man sich ausmalen kann. Man läuft direkt am Wasser entlang, und die ganze Farbenpracht des Himmels spiegelt sich.
Nach einem längeren Marsch sah ich dann auch das Gebäude erstrahlen, die neue Oper von Oslo, verkehrsgünstig direkt am Hauptbahnhof gelegen. Ich muß sagen, daß mir das Gebäude gefällt. Es sieht interessant aus, wenn es eröffnet ist sollte man es bestimmt auch mal von innen sehen.
Ich wollte noch ein, zwei mehr Bilder von jenem Haus machen, doch da verließ mich, nach über fünfhundert Bildern, mein Akku. Ich war zu faul gewesen meinen zweiten Akku aus dem Hotel mitzunehmen, was mich jedoch nicht daran gehindert hat auch ohne schußbereit zu sein noch ein wenig herumzulaufen, unter anderem wollte ich noch schauen, wo das Busterminal ist, an dem ich morgen abfahren würde.
Abends suchte ich dann erst vergeblich nach irgendwelchen offenen und nicht völlig leeren Orten, doch kehrte nach einem ausgedehnten Spaziergang ersteinmal zurück zum Hotel, um erst zwischen elf und zwölf wieder rauszuschauen.
Später sah es auf den Straßen dann schon besser aus, und schließlich, fast aus Verzweiflung, weil doch meist noch kaum etwas los war, hab ich mich also mal irgendwo reingesetzt. Der Eintritt war unglaublich hoch, aber es war wenigstens nicht völlig leer und ich hatte schon am Tag davor, als ich mal daran vorbeilief, den Eindruck, daß es vielleicht nicht der schlechteste Ort sein könnte.
Mit der Zeit sollte sich zeigen, daß ich mir overaged und underdressed vorkam. Die meisten Jünglinge sprangen in Anzügen herum, wahrscheinlich um wenigstens älter als 16 zu wirken ... keine Ahnung, schwer zu schätzen. Später wurde das Publikum dann ein wenig "angenehmer".
Insgesamt kann ich mich nicht beschweren, es hätte mit Sicherheit ein interessanterer Abend werden können, aber das lag ja auch an mir. Es war kein schlechter Start ins neue Jahr.
Kommentare: 1. Geschrieben am 09.01.2008 um 00:51:46 Uhr
30.12.2007 Der Kaktus steht im Spiritus
Wie schon in Narvik lief ich auch in Oslo quer durch die Stadt, um eine Unterkunft zu bekommen. Meine erste Adresse war ausgebucht, von dort bekam ich jedoch den Tipp für das Hotel, in dem ich jetzt bin. "Dormitory" mit vier Betten, Bad im Zimmer und Frühstück mit dabei. Eigentlich wollte ich ja ein Einzelzimmer, vor allem wegen meinen Wertsachen, aber die Rezeption ist rund um die Uhr besetzt, so daß ich einfach, wenn ich aus dem Haus gehen meine Tasche mit den werten Sachen dort abgebe, und wenn ich wieder komme mit hochnehme. Weil das Zimmer so günstig war, hab ich eben mal zwei Nächte gebucht. Dummerweise haben nur Montags alle Museen geschlossen, also muß ich mal herausfinden, was am 01.01. offen hat, ob es sich lohnt bis abends zu bleiben oder nicht. Der Zuatztag in Narvik hat meine Planungen eben durcheinander geworfen, und direkt als ich heute hier ankam wollte ich nicht als erstes in ein Museum rennen, sondern mir vernünftigerweise erst einen Übernachtungsplatz irgendwo sichern. So werd ich morgen wohl durch die Stadt laufen, und vielleicht eine Sightseeingtour machen, mal sehen. Jetzt muß ich mir erstmal langsam überlegen, was ich heute Abend noch mache. Zuersteinmal ein wenig herumlaufen, und mich dann in irgendeine gemütliche Bar setzen. Das ist der Plan, was daraus wird, werd ich sehen.
Wichtig ist, daß ich mich hier, nachdem ich eine Kleinigkeit gegessen hatte, erstmal geduscht habe. Eine warme Dusche ist nach so einer langen Fahrt doch immer wieder eine Wohltat.
Nach ein wenig Schreiben machte ich mich dann daran, das Haus gen späteren Abend wieder zu verlassen, um noch etwas von Oslo zu sehen. Auf den Rat eines norwegischen Freundes lief ich gemütlich in ein Eck der Innenstadt, in dem jedoch leider nahezu alle Bars oder ähnlichen Betriebe geschlossen hatten, was sehr schade, aber nicht zu ändern war. Dies veranlaßte mich wieder in Richtung Zentrum zu laufen, da ich dort irgendwo beim herumlaufen am frühen Abend einen Jazzclub gesehen hatte, der ein Schild vor der Türe stehen hatte, auf dem eine Jam-Session angekündigt war. Da dies auch einer der wenigen Betriebe war, die geöffnet hatten entschloß ich mich also, dort einmal vorbeizuschauen. So kam es, daß ich mich bei Herr Nilsen reinsetzte und wartete, bis die Musikanten begannen aufzuspielen. Es waren drei Blechbläser, ein Klavierspieler, ein Kontrabaßist und ein Trommler. Es hat Spaß gemacht zuzusehen und zuzuhören, was die sechs zusammenspielten.
Irgendwann sprach mich ein Norweger an, weil er meinte, ich sah so aus, wie jemand, den er kannte. Da hatte er sich zwar leider getäuscht, aber wir kamen ein wenig ins Gespräch. Eine interessante Person, die ich da traf. Er hieß Alex, studierte Jura und war eher alternativ als konservativ, vor allem war er jedoch sprachbegabt, wie sich im weiteren Verlauf herausstellen sollte. Unter anderem spricht er relativ gut deutsch, vor allem weiß er von deutscher Grammatik vermutlich mehr, als der durchschnittliche Deutsche. Durchaus beeindruckend, fand ich. So unterhielt ich mich also auf Deutsch und Englisch mit einem Norweger. Er erzählte mir auch von einer Party in seiner WG, bei der wohl zumindest die Küche nicht so ganz sauber hinterlassen wurde. Einer seiner Mitbewohner schrieb ihm einen netten Brief, den hatte er auch dabei und mir auch übersetzt. Ein nettes Detail war die Sache mit der Pflanze. Nun, sie wurde gewässert, nur nicht unbedingt so, wie man es für gewöhnlich tut. Jedenfalls wurde das im Brief bemängelt, und er wollte natürlich wissen, was jener Satz auf Deutsch heißt - mir fiel spontan nichts passenderes als "Der Kaktus steht im Spiritus" ein, was irgendwie zu der geschilderten Situation paßte, und sich dazu auch fast noch reimt. Diesen Satz werde ich wohl nicht mehr so schnell vergessen. "Der Kaktus steht im Spiritus" - tatsächlich stand er jedoch nicht, wie der Briefschreiber annahm, im Spiritus, aber darauf will ich besser nicht genauer eingehen ...
Er hat mich auch seinen zwei Freunden vorgestellt, und wir hatten einen unterhaltsamen und interessanten Abend. Schließlich wurde ich auch noch zu einer Silvester-Party eingeladen, was dann aufgrund des doch schon vergebenen Platzes im Auto nicht geklappt hat, was zwar sehr schade war, nichtsdestotrotz habe ich nun einen Bekannten in Oslo. Mal sehen, wenn ich mal wieder nach Oslo komme, kann ich ihm ja eine Nachricht schreiben, seine Mobilnummer habe ich ja noch.
Kommentare: 2. Geschrieben am 08.01.2008 um 01:13:59 Uhr
29.12.2007 Von der Schweiz bis Star Trek
In Fauske angekommen stellte ich mich brav am Fahrtkartenautomat an, einen Schalter gab es nicht, oder besser gesagt die Schalter waren nicht mehr besetzt. Nachdem sich noch ein älterer Herr frech vorgedrängelt und dann doch keine Fahrkarte rausgelassen hatte, war meine Gelegenheit gekommen mich mit dem Gerät auseinanderzusetzen. Die Bedienung war an einer Stelle gewöhnungsbedürftig, aber an sich problemlos. Ich wählte "sofortige Reise", und wählte dann einfach die erste, 21:42 hat ja mit der Zeit übereingestimmt, die ich in meinem Plan notiert hatte. So kam es, daß ich, nachdem ich die Karte gekauft hatte und meine Plätze, es sind zwei Züge, nachschauen wollte, feststellte mir soeben Karten für morgen gekauft zu haben. Schade, aber ich ließ mich nicht wirklich aus der Ruhe bringen und stieg einfach in den Zug ein. Als der Schaffner kam, machte er mich darauf aufmerksam, ich sagte ihm, daß ich das wohl wisse, aber ob ich nicht trotzdem mit diesem Zug fahren könnte. Darauf erwiderte er, daß der Zug völlig ausgebucht sei, worauf ich ihm sagte, ich könnte zur Not auch stehen, das sollte nicht das Problem sein.
So saß ich also knapp eine Stunde auf einem Platz und wartete bei jedem Halt darauf, ihn räumen zu müssen. Ich fürchtete schon eine extrem anstrengende Zugfahrt, weil ich ja nicht auf einem fremden Platz einfach schlafen kann, wenn derjenige mit der Reservierung zusteigt.
Irgendwann kam der Schaffner dann auf mich zu und meinte, ich könne mich auf Platz acht im nächsten Wagen setzen. Es war sogar ebenso ein Fensterplatz. Und nun sitze ich hier, bin froh und tippe ganz entspannt diese Zeilen.
In
Trondheim werde ich die vierzig Minuten Aufenthalt wohl dafür zu nutzen versuchen, meine Buchung zu korrigieren, ob das klappt wird sich zeigen.
Auf der Fahrt bis Trondheim sah ich mich, soweit dies in der Dunkelheit überhaupt wahrnehmbar war, nahezu ständig von Wänden umgeben, insofern gab es auf diesem Abschnitt wenig zu sehen. Der Wagen war alt, nicht extrem gemütlich, aber erträglich, und es gab ein "Schlaf-Kit" von
NSB, das ich zwar nicht gebraucht aber natürlich eingepackt habe.
...
In Trondheim angekommen wollte ich dann, wie bereits angekündigt, versuchen mein Ticket auf den richtigen Zug umzubuchen, doch dort war der Informationsschalter noch nicht besetzt, weswegen ich eben direkt nach dem Einsteigen beim Begleitpersonal nachgefragt habe, worauf ich sofort einen Platz zugewiesen bekam. Da will ich mich mal nicht beklagen, dazu noch ein Fensterplatz.
Ich habe mir auch die richtige Zeit für die Fahrt ausgesucht, da man bereits bei der Abfahrt um kurz vor halb neun noch in der Dunkelheit einiges erkennen konnte und es fast minütlich heller wurde. Trondheim selbst sah so aus, als ob es durchaus einen Besuch wert sein könnte.
Die Landschaft zwischen Trondheim und Lillehammer ist nahezu unbeschreiblich, ich habe auch keine Bilder gemacht, da es der Schönheit der Natur nicht angemessen gewesen wäre verwackelte Bilder aus dem Zug heraus zu machen.
Deswegen versuche ich in knappen Worten zu beschreiben, welches Schauspiel meinen Augen geboten wurde:
Es wurde langsam heller, grauer. Beeindruckende Landschaften, wohin das Auge blickt. Felswände, Wasser, Flüsse, Seen. Zugefroren, manchmal. Eis und Schnee. Endlose Wälder. Die Welt erscheint erst noch in mattem Licht, das die rauhe Natur wohl noch rauher erscheinen läßt, als sie ist. Wenn das überhaupt möglich sein sollte.
Und wieder diese kahlen vereisten weißen Bäume, ein gespenstischer Anblick, gleichzeitig jedoch auch schön.
Zwischendurch wildes Schneetreiben. Man sieht grüne Bäume, doch über den Bäumen nur weiß. Keine Sicht, nur eine weiße Suppe. Nebel. Felsen. Flußläufe, Täler, Hügel, Berge. Bäume.
Mit der Zeit sich die Welt erhellt. Erst leuchten nur die Wolken gelblich, später dann werden ganze Hügel vom Sonnenlicht goldgelb verfärbt. Ja, Sonnenlicht. Sonne! Seit ein paar Tagen sehe ich das erste Mal wieder direkt die Sonne. Ein gutes Gefühl. Ein warmes.
Reflexionen auf den vielen Wasserflächen. Strahlen bahnen sich ihren Weg durch enge Täler.
Es ist einfach schön, aus dem Fenster zu schauen. Man möchte jeden Moment aussteigen, stehen bleiben, genießen. Die Natur.
Nach Lillehammer, etwa zwei Stunden vor Oslo, merkt man, daß man sich der Zivilisation nähert. Mehr Häuser, weniger Natur - wobei "weniger" immer noch mehr als in ganz Deutschland insgesamt ist.
Der Zug von Trondheim nach Oslo ist übrigens bedeutend neuer und schöner, doch irgendwie scheint mein Hals ein wenig verspannt, aber das wird sich auch wieder geben
Jetzt bin ich erstmal auf Oslo gespannt. Noch habe ich mich nicht entschieden ein oder zwei Tage zu bleiben, aber der Gedanke Silvester in Oslo zu bleiben ist an sich garnicht schlecht, mal sehen, was für eine Unterkunft ich zu welchem Preis finde.
Auf dieser Etappe habe ich neben Logh (MySpace), die auch ganz gut zur norwegischen Landschaft passen, wie ich finde, vor allem Ketil Bjørnstad und David Darling gehört, was natürlich hervorragend mit der Winterlandschaft hier harmoniert.
Ansonsten habe ich mal angefangen, einige der Leute-Ausgaben, die ich mithabe durchzuhören. Die waren zum Teil auch recht interessant.
Während man so an einigen Haltestellen vorbeifährt schaut man ja schon gelegentlich auch auf die Namen, und das scheint in Norwegen besonders unterhaltsam zu sein. Als wir in "
Eidsvoll" hielten, war ich mir kurz unsicher, ob ich nicht in der
Schweiz gelandet wäre, viel früher, vielleicht sogar noch auf der Fahrt bis Trondheim, kam ich an "
Mo i Rana" vorbei, was sich für mich eher wie irgendein Stern, Volk oder sonstetwas bei
Star Trek anhörte, denn wie eine Ortschaft in Norwegen. Übrigens kommen auch die Borgs aus Norwegen, wie ich soeben erfahren habe.
Kommentare: 0. Geschrieben am 06.01.2008 um 22:22:01 Uhr
29.12.2007 "Norway rocks"
Das mit der Busfahrt hat relativ problemlos geklappt. Was ich nicht wußte war, daß die Route auch eine Fähr-Etappe beinhaltete, aber das war auch nicht weiter dramatisch, vor allem war sie kurz. Es war schon um zwei mittags Nacht, entsprechend war es nach vier nicht viel heller, doch man konnte aus dem Bus heraus doch einiges erkennen. Bäume und Steine. Sehr felsiges Gelände, und die Tunnels scheinen auch nur in den Stein gehauen zu sein, nicht so aufwendig wie bei uns. Ich konnte zwar "Rettungsbuchten" ausmachen, Notausgänge habe ich jedoch in keinem der Tunnel gesehen. Die meisten Tunnel waren zugegebenermaßen auch nicht sonderlich lang, trotzdem hätte ich erwartet, daß es zumindest in einem irgendwo einen Notausgang geben könnte, aber dem war nicht so. Solange man ihn nicht braucht kann es einem ja egal sein, mir fiel es eben nur auf.
Aber diese felsige Landschaft war es, die mich zu dem Titel inspiriert hat.
Nebenbei habe ich noch in Narvik angefangen die Podcastserie "Rhetorik und Kommunikation" von Uta Gröschel, in die ich beim Warten in Kiruna schon ein Weilchen reingehört hatte weiterzuhören. Inhaltlich ist sie ganz interessant, wenn auch vieles nicht grundsätzlich neu für mich war, nur irgendwie mag mir die Stimme einfach nicht gefallen.
Nachdem ich mit der Serie dann durch war, wobei ich die letzten ein oder zwei Ausgaben wohl nochmal hören muß, weil ich die eventuell verschlafen haben könnte, so genau weiß ich das garnicht, habe ich mich an die zweite CD von "Min väg, mina val" gewagt. Ich wundere mich ja, was er auf den restlichen elf CDs noch alles erzählen will, denn an sich ist er grob schon mit vielen Posten seiner politischen Laufbahn durch, nun noch nicht ganz, aber ich würde sagen zu mehr als nur zwei dreizehntel. Doch ich lasse mich überraschen, ich werd mir das alles ja sowieso noch mindestens ein oder zweimal anhören müssen, um wenigstens den Kern vollständig verstanden zu haben. Aber auch schon beim ersten Hören versteht man so einiges.
Kommentare: 0. Geschrieben am 06.01.2008 um 00:06:17 Uhr
29.12.2007 Rutschen unter rosa Himmel
Am nächsten Morgen kam ich früher raus, als noch am Tag zuvor. Ich genoß erneut die heiße Dusche, um dann gemütlich meine sieben Sachen einzupacken und eine Kleinigkeit zu frühstücken. Beim Frühstück traf ich dann die beiden Japaner wieder, die ich schon gestern während des Bildersortierens kennengelernt hatte. Sie waren auf ihrer Suche nach dem
Nordlicht erfolglos geblieben, ich hatte mein Nordlicht dagegen gefunden.
Nachdem ich kurz nach elf meinen Schlüssel in den Kasten geworfen und daraufhin das Haus verlassen hatte machte ich mich auf den Weg zu den Aussichtspunkten (Richtung Berge, Richtung Wasser), die ich mir zuvor auf der Karte ausgesucht hatte. Diese waren im anderen Teil der Stadt, die sich durch eine nicht so starke Hanglage auszeichnet, wodurch es auch angenehmer und einfacher ist, sich dort fortzubewegen, was jedoch noch lange nicht heißt, daß es auch hier nicht rutschig gewesen wäre. Doch ließ es sich dort relativ problemlos mit meinem Trolley spazieren, an einigen Stellen bewahrte mich der Trolley wohl auch vor einem Sturz, weil man so wenigstens immer irgendwas hat, um sich daran festzuhalten.
Die Norweger, zumindest die in Narvik, scheinen Gehwege, im besonderen gestreute Gehwege, für überbewertet zu halten, weswegen sie es in weiten Teilen einfach unterlassen die Gehwege auch nur im Ansatz gefahrlos passierbar zu machen. Stattdessen laufen sie einfach auf der Straße. Mit meinen immerhin zwei Rollen fühlte ich mich sowieso schon fast wie ein halbes Auto, weshalb ich es ihnen gleichtat und ebenso auf der Straße marschierte.
Auf meiner Rundwanderung durch das kleine Städtchen konnte ich einige beeindruckende Aussichten genießen, die ich versucht habe auch im Bild festzuhalten. Doch die schönsten Bilder bleiben wahrscheinlich sowieso immer dem Auge direkt vorenthalten, und das ist wohl auch gut so.
Gestern, als ich den höher gelegenen Aussichtspunkt so glorreich erklomm war ich ja von der kaum vorhandenen Färbung des Himmels enttäuscht gewesen. Heute durfte ich feststellen, daß ich wohl nur einen schlechten Tag erwischt hatte, was mir zwar für gestern wenig hilft, aber Narvik, genauer den Himmel über Narvik, in meiner Erinnerung doch zumindest rehabilitiert. Vielleicht hat sich der Himmel auch lediglich meiner momentanen Stimmungslage angepaßt, und sich deswegen zart rosa verfärbt, wobei meine Stimmung gestern nicht wesentlich schlechter gewesen war, aber nun, ich will diese Mutmaßung nicht unnötig weiter ausführen ... jedenfalls war der Himmel heute schöner anzuschauen, als gestern.
Nach etwa zwei Stunden des Wanderns und Fotografierens gönnte ich mir einen kleinen Snack, und sitze nun seit einigen Minuten in AMFI, dem Einkaufszentrum, an dem auch mein Bus in rund zwei Stunden abfahren wird.
Hier ist es warm, hell, und man sieht viele Norweger herumlaufen. Doch nun werde ich mich mal nach einem Ticket für den Bus umschauen ... fünf Stunden Fahrt nach Fauske erwarten mich. Im Bus werde ich auch die beiden Japaner wieder treffen ...
Kommentare: 0. Geschrieben am 05.01.2008 um 00:17:34 Uhr
28.12.2007 Stille Aussicht, ein blonder Engel und Musik
Ich kam heute morgen erst später raus, als ich geplant hatte. Der Wille früher aufzustehn fehlte einfach, denn wach war ich Dank weckendem Mobiltelefon ja, aber wenn es auch um neun noch dunkel ist und erst nach zehn langsam ein Zustand, den man als "hell" beschreiben kann erreicht wird bleibt man eben gern noch ein bißchen liegen.
Endlich eine Dusche. Ein wahrer Genuß. Nachdem ich mich also des Wassers erfreut hatte verließ ich gegen halb elf oder elf das Hostel. Schnurstracks bin ich zur "Tourist Information", um von der Dame zu erfahren, daß man in diesen Tagen in Narvik wohl garnichts machen kann. Museen geschlossen, keine Bootsfahrten, nichts. Vielleicht war es doch keine so clevere Entscheidung nur weil der Wirt meinte, heute würde das Nachtleben in seinem Pub pulsieren, noch einen Tag in Narvik zu diesem Preis anzuhängen, aber nun war es auch schon zu spät, ansonsten hätte ich ja das Zimmer bis elf geräumt haben sollen. So eng würden sie das vielleicht nicht sehen, aber ich hatte mich entschieden und deswegen fragte ich weiter, was es denn zu sehen gäbe. Schließlich riet sie mir, ich könnte zu einem Aussichtspunkt laufen. Sie zeigte mir auf der Karte den Weg, und ich ging los.
Diese Karte ist wohl das unbrauchbarste Kartenwerk, das jemals gedruckt wurde. Da über Nacht keine Straßennamen aufgehängt wurden verlief ich mich natürlich einmal, und das auch noch auf einem steilen Weg - das nahezu sämtliche Wege vereist und mehr oder eher minder gestreut waren versteht sich von selbst. Nach einem weiteren halsbrecherischen Marsch war ich schließlich am Aussichtspunkt angelangt. Nicht ohne davor noch von einem dicken Scania auf einer engen vereisten Straße überholt worden zu sein. Ich hoffte nur, daß er mir nicht gleich wieder entgegenkommen würde. Ihn traf ich dann auch oben am Aussichtspunkt wieder, er lud ein Gerät auf, das er dann wieder nach unten fuhr.
Es war windig dort oben über Narvik. Der Himmel war wolkenverhangen, teils sehr dunkle Wolken, aber die Aussicht auf die Berge und das Wasser war trotzdem einen Blick wert. Ich hoffte ja auf einen schönen Himmel, weswegen ich beschloß rund eine halbe Stunde, von kurz vor zwölf bis kurz nach zwölf, dort oben zu verharren. Es gab neben der Aussicht auch noch einen zugefrorenen kleinen Stausee zu besichtigen. Trotzdem wurde es mit der Zeit zugig und kühl, aber ich war ja an sich warm genug eingepackt, so daß es kaum wirklich kalt, sondern mehr unangenehm war. Der Himmel enttäuschte mich jedoch. Über wenige blaßrosa Färbungen kam er nicht hinaus. An einer Stelle waren die Wolken zeitweise glühend gelb gefärbt, nicht schlecht, aber doch kein Vergleich zu Kiruna am Tag zuvor. Schade, aber die Aussicht war den Aufstieg trotzdem wert. Und, nicht nur hier, es war oft still in Narvik. Angenehm still. Wie auch schon in Kiruna an der Kirche. Nur hier oben in Narvik zog der Wind stärker.
Der Abstieg gestaltete sich zwar einfacher, als der Weg nach oben, doch ich bin glaube ich an noch keinem Tag so oft beinahe gestürzt wie heute. Hingefallen bin ich nie, aber ich hab zigmal wild mit meinen Armen gewedelt, um mich noch irgendwie abzufangen. Doch ich habe beobachtet, daß ich nicht der einzige bin, der hier läuft wie auf Eiern, immerhin ein kleiner Trost.
Unten angekommen bin ich kurz durch das "Narvik Storsenter" gelaufen, um zu sehen, was es denn dort so an Läden gibt. Nichts Besonderes oder Außergewöhnliches, ein kleines Einkaufszentrum eben. Danach dann bei der Tourist Information noch den Prospekt von "Nordland" mitgenommen, den ich zuvor liegen ließ, weil ich ihn nicht mit zum Aussichtspunkt hatte schleppen wollen, um direkt gegenüber meiner Schlafstätte dem zweiten große Einkaufszentrum einen Besuch abzustatten. Außerdem wollte ich mich informieren, wie das mit den Bussen genau ist, denn der, den ich nehmen wollte fährt an diesem Zentrum ab.
Nun ist es kurz vor halb vier, ich schreibe, und es ist bereits stockdunkel. So ist das hier. Ich kann nur hoffen, daß der Abend das hält, was der junge Wirt verspricht - wer will nicht das Nachtleben Narviks kennenlernen?
Aber bevor es losgeht, ich weiß ja nichtmal genau wann, werde ich noch fröhlich Musik hören, Bilder sortieren, etwas zu essen machen und vielleicht auch noch ein paar Seiten lesen. Ich hab mir nämlich vorher im Supermarkt eine kleine Pizza und ein Knoblauchbaguette zum Aufbacken gekauft, dann muß ich heute abend nicht auswärts essen gehen. Morgen wieder.
...
Nachdem ich doch tatsächlich nahezu alle meine bisherigen Bilder sortiert hatte während ich mir auch noch die meistgespeiste norwegische Pizza im Backofen gemacht hatte, was parallel nicht unbedingt die beste Idee war, aber es endete nicht allzu dunkel, jedoch mehr als nur durch, machte ich mich langsam auf den Weg nach außen. Da ich nicht wußte, wann die große Sause denn steigen sollte ging ich einfach mal gegen acht rüber und traf auch gleich auf Frank, den jungen Wirt, dessen Namen ich inzwischen weiß. Ich fragte, wann es denn beginnen würde - er meinte wohl, wann er den Pub öffnen würde, ich meinte an sich, ab wann die Live-Musik von Torbjørn Dåbach gespielt werden sollte - worauf er meinte "eigentlich jetzt". Nun gut, also folgt ich ihm in den Pub, in dem zu dem Zeitpunkt noch ein Weihnachtsdinner abgehalten wurde. Macht ja nichts, ich kann ja so unauffällig irgendwo herumsitzen, daß ich quasi nichtmal da bin.
So wartete ich also im Pub, in dem außer mir und einer kleinen Gesellschaft außer dem Wirt und seinem Gehilfen keine Menschenseele anwesend war. So ist das eben manchmal. Irgendwann betrat dann ein weiterer Mensch die Bühne - es war eines der
Barmädchen, um nicht zu sagen das Barmädchen. Vereinzelt kamen Gäste, gingen wieder, auch die Gesellschaft räumte das Feld. Schließlich machte sich auch der Wirt vom Acker, nachdem er davor noch seinen Gehilfen hatte ziehen lassen. Der aufmerksame Leser hat mitgezählt und weiß, daß sich nun nach
Adam Riese sage und schreibe nicht mehr als zwei Personen im Pub befanden. Daran sollte sich für eine ganze Weile auch nichts mehr ändern.
Ich war schon rund eine Stunde insgesamt allein und stumm an meinem Tisch gesessen, als ich mich schließlich dazu entschloß den Abend mit einem gepflegten Glas Weißwein anklingen zu lassen. Also stand ich auf, ich hatte mir vorab schon überlegt, was ich - auf schwedisch - denn sagen sollte, um zu bestellen. Als ich dann leibhaftig vor dem holden Wesen, deren Namen ich leider nicht zu schreiben weiß, weswegen wir sie an dieser Stelle am besten treffend den "blonden Engel von Narvik" nennen, stand hatte, waren meine Schwedischkenntnisse wie verflogen und nahezu automatisch begann ich meine Bestellung auf Englisch.
Es sollte sich herausstellen, daß dies dem Gesprächsverlauf nicht geschadet hat. Ich weiß nicht mehr genau, wie es begann, vermutlich fragte sie mich, woher ich denn käme oder sowas - was man Fremde im Pub eben so fragen kann. Daraus entstand ein überaus anregendes und interessantes Gespräch über das Leben, die Arbeit, das Studium, die Zukunft, und so weiter. Nach meinem eher ruhigen und schweigsamen Tag war mir dies eine willkommene Abwechslung, noch dazu mit dem wahrscheinlich besten Gesprächspartner, den das Städtchen mir zu bieten hatte - zumindest kann ich mir das ja so einbilden, das Gegenteil kann mir ohnehin keiner beweisen.
Stundenlang war eher wenig los im Pub. Es kamen einige Gäste, aber es blieb überschaubar. Um halb eins, wiedereinmal, öffneten sich die Schleusen und die Massen begannen zu strömen, nachdem Torbjørn schon ein wenig früher angefangen hatte zu spielen. Er coverte alles Mögliche und machte seine Sache wirklich gut. Er sei bekannt in der Stadt, wurde mir gesagt. Er spiele oft. Ich war zufrieden und lauschte seinen Liedern.
Nach dem ersten Lied fragte er, wohl aus reinem Interesse, zum einen weil ich einer der wenigen Zuhörer, zum anderen weil ich wahrscheinlich das einzige unbekannte Gesicht war, woher ich denn kommen würde. Am Ende sagte er dann noch einen deutschen Satz, er verabschiedete sich sogar persönlich von mir. Ein netter und umgänglicher Geselle, der Torbjørn.
Ich beschloß, da ich sowieso nichts anderes zu tun hatte, einfach bis zum Ende sitzen zu bleiben. Zur Zeit des allgemeinen Aufbruchs, so gegen halb drei, meinte noch ein junger Norweger sein Deutsch an mir ausprobieren zu müssen. Halb so schlimm, nur verstand ich sein Norwegisch unterm Strich besser als sein Deutsch. Davon abgesehen kann ich mir auch spannendere Dialoge vorstellen, siehe oben, als solche die damit beginnen mitten in der Nacht von einem wildfremden Volltrunkenen als dick bezeichnet zu werden. Aber das "Gespräch" war relativ schnell zu Ende, nachdem er noch ein paar weitere Sätze auf Deutsch und Englisch losgeworden war, die auch nicht wesentlich interessanter waren.
Gegen drei wurde dann die restliche Meute aus dem Pub vertrieben und ich ging, nachdem ich mir noch kurz die Füße ein wenig vertreten hatte in mein Zimmer, Rom 1, das ja nur etwa 20m Luftlinie vom Pub entfernt lag.
Kommentare: 0. Geschrieben am 03.01.2008 um 23:04:48 Uhr