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punktpunktblog

27.12.2007 Odyssee in Eis und Schnee

Inzwischen ist es neun und ich sitze in meinem Doppelzimmer. Ich habe eine wahre Wikipedia-LinkOdyssee hinter mir, nur daß ich leider auf keine Wikipedia-LinkSirenen getroffen bin. In Norwegen scheint man Schilder mit Straßennamen nach einem ausgeklügelten randomisierten Algorithmus aufzuhängen, der jedoch dahingehend verfeinert ist, daß dort, wo die Leute ankommen - am Bahnhof - auch mit Sicherheit nirgends lesbar ein Schild aufgehängt wird. Doch diese Situation wird dadurch noch gesteigert, daß es an Tankstellen (ungeprüfte Verallgemeinerung, na und?) keine Karten gibt. So steht man also am Bahnhof, schaut dumm aus der Wäsche und läuft irgendwo hin, wo der Tankwart einen dankbarerweise hinschickt. Doch, clever wie ich bin, ich habe mich ja im Vorfeld informiert, höre ich nicht auf seinen Rat, finde jedoch mit seiner Hilfe die Hauptstraße, von der aus ich mich ein wenig orientieren kann. Aber an sich ist es ja nur logisch, den Leuten keine Karten zu geben, denn ohne Straßennamen findet man sich meist sowieso nur schwer zu recht. Wenn überhaupt.

Doch diese Hürde wurde noch ohne größere Blessuren genommen und ich fand auch das "Spor 1", ein Backpackerwasauchimmerhostelzimmervermietungsbetrieb. Ein Mehrfachzimmer wollte ich an sich nicht, weil ich dort ja meine wertvollen Habseligkeiten auch nirgends abschließen hätte können. Wenn man nicht weiß, wer dort sonst noch nächtigt bin ich lieber mal zu mißtrauisch. Da der Preis für ein Einzelzimmer, der mir genannt wurde ganze hundert norwegische Kronen über dem lag, was ich mir aus dem allwissenden Internet notiert hatte fragte ich nach Alternativen. Ich sprach ja sowieso nicht direkt mit dem, der die Herberge betreut, sondern mit dem, der den Pub am Laufen hält. Warum ich das tun mußte ist auch seltsam, denn an sich steht am Haus, wie auch im Internet, eine Telefonnummer, die man anrufen soll. Gelesen, getan - nur leider ist diese Rufnummer für mich gesperrt. Hallo? Vielleicht, weil sie eine norwegische ist? Kann ich mir an sich nicht vorstellen. Und ich hab zwar an Vieles gedacht, doch mein deutsches Mobiltelefon habe ich leider vergessen. Wer denkt auch, daß man in Norwegen mit seinem schwedischen nicht problemlos telefonieren kann, "unsere Norweger" haben ihre ja auch in Schweden problemlos im Betrieb. und ich mein deutsches ja auch. Wie auch immer, weil der Pub-Wirt gerade um den Pub sprang, weil er um acht öffnete konnte ich ihn fragen und so kam ich zu der Information. Also fragte ich nach Alternativen, und bekam auch prompt zwei genannt. Eine davon war die, die mir auch der Tankwart schon empfohlen hatte, eine andere war ein Gästehaus, das schon am Bahnhof angeschrieben war. also sagte ich freundlich, daß ich mal schauen werde, im Zweifel könnte ich ja wiederkommen ...

Dann folgt ein waghalsiger und nahezu halsbrecherischer Marsch durch verschneite und vereiste Straßen, die zu allem Überfluß auch noch gehörig den Berg hoch führten. Aber, um Geld zu sparen nimmt der Schwabe ja so manche Opfer auf sich. Nur ist es dann irgendwie ungeschickt, wenn man bei beiden Adressen vor verschossenen Türen steht, weil in diesen Tagen geschlossen, gehen sie doch dahin, dorthin oder dahin, wo ich herkomme. Vielen Dank! Da kämpft man sich vereiste Hänge hinauf, bangt auf den letzten Metern im Hang um Leben und Gepäck, um sodann gleich wieder den kaum minder gefährlichen Rückweg bergab antreten zu dürfen.
Um wenigstens nicht völlig sinnlos bei Nacht durch halb Narvik geirrt zu sein kaufe ich in einem Supermarkt wenigstens noch eine Flasche Coca Cola. 1.5l - für 30 Wikipedia-LinkNOK. Aber ich muß sagen, sie schmeckt auch gut.

Zurück am Pub hab ich dann also einen Zettel ausgefüllt, für eine Nacht bezahlt - dafür war der Irrweg vielleicht auch noch gut, weil ich so bei einer Nordea auf dem Weg ein paar NOK gezogen habe - und mir mein Zimmer vom jungen netten Wirt zeigen lassen. Außerdem ließ ich mich schon fast überreden, zwei Nächte zu bleiben, weil morgen wohl der Bär steppt - Live-Musik im Pub, und da wird der ganze Ort unterwegs sein. Nightlife in Narvik! Aber hallo, das ist tatsächlich eine Überlegung wert, ich muß mir schließlich keinen Streß machen, und wenn ich schonmal soweit im Norden bin, kann ich ja auch zwei Nächte bleiben. Noch ist nichts entschieden, aber ich bin am Überlegen ...
Achja, das Zimmer ist wohl teurer, vermute ich, weil es ein Doppelzimmer und kein Einzelzimmer ist. Was solls, solange ich drin unterkomme und nicht auf der Straße schlafen muß. Ich hätte noch eine dritte, ein wenig günstigere Alternative bereit gehabt, aber ich wollte beim besten Willen keinen Meter mehr laufen, und ehrlich gesagt sind mir die paar Kronen hin oder her jetzt auch egal.

Nachdem ich jetzt erstmal meine Füße, die nach jenem Gewaltmarsch wirklich keinen besonders angenehmen Duft verströmten, gewaschen und mich häuslich eingerichtet habe werde ich nun auf die Jagd gehen ...


Auf Geheiß des jungen Wirts hin machte ich mich zielstrebig auf, um mein Verlangen nach Nahrung bei einem Italiener, dem Bella Napoli, zu stillen. Das Essen, Spaghetti Carbonara, das Trinken, ein Rotwein und das dazu gereichte Brot entschädigten nun für die vorhergegangene Odyssee. Es sah nicht nur gut aus, sondern es hat auch sehr gut geschmeckt, was ich dem Kellner auch auf schwedisch versucht habe beizubringen, jättebra, was er mir antwortete hab ich leider nicht mehr so ganz verstanden, aber immerhin hab ich schwedisch mit einem Norweger geredet.
Nach dem fürstlichen Mahl hab ich mich dann noch ein Weilchen in den Pub gesetzt.

Als ich dann nach etwa zehn Metern vom Pub im Hostel war, bin ich erstmal nach unten in die Küche weil ich ein Glas Wasser trinken wollte. Dort saß dann am großen Tisch eine Runde und spielte Karten. Sie sprachen spanisch, zumindest kam mir das spanisch vor.
Ich saß also am Küchentisch mit meinem Glas und irgendwann fragte mich einer aus der Runde, ob ich nicht mitspielen wolle. Nun, ich mußte an diesem Abend nicht unbedingt Karten gespielt haben, aber es konnte auch nicht schaden, weswegen ich mich dann mit an den Tisch setzte.

Es war eine interessante Runde, vielleicht irgendwie typisch für so eine Hostelbekanntschaft.
Ein Pärchen aus Italien, die seit etwa zwei Jahren zusammen sind, wohl irgendwas studieren und beide nicht sonderlich gut Englisch sprachen. Aber irgendwie klappte es mit dem Verständigen trotzdem, schließlich wohne ich ja inzwischen auch mit Spaniern und Italienern zusammen und außerdem hatte ich ja mal Latein - das alles zusammengenommen ermöglicht doch zumindest das Verstehen einiger Wortfetzen, wodurch man gelegentlich zumindest grob weiß, worum es gehen könnte. Aber es saßen ja auch noch drei weitere Leute am Tisch. Ein junger Mann, Eric, unzweifelhaft vom Typ Abenteurer, der Tierarzt gelernt hat aber nie als solcher arbeitete, und seine Eltern aus Wikipedia-LinkSão Paolo in Brasilien. Er habe die Tour schon zweimal gemacht, wollte sie jetzt aber auch mal seinen Eltern zeigen. Fünfzig Tage quer durch Europa. Sie kommen vom Wikipedia-LinkNordkap und fahren morgen weiter nach Stockholm. Und auf Wikipedia-LinkIsland war er kürzlich auch mal, soll tatsächlich schön und beeindruckend sein. Wäre auch mal eine Reise wert ...
Eine interessante Runde, und Eric spricht gut englisch und kann so zwischen den Brasilianern, Italienern und dem Deutschen vermitteln.

Nach einer Weile gingen wir dann alle ins Bett, und ich hörte noch ein wenig Musik - komfortabel Dank MacBook und Frontrow. So gefällt mir das.

Ach, und vorher im Pub habe ich dem jungen Wirt noch mitgeteilt, daß ich noch eine weitere Nacht bleiben werde.

Stockholm .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 03.01.2008 um 00:51:11 Uhr



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zuletzt geändert von Götz Bürkle am 16.04.2008 ..

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