goetz..  buerkle

bloggen » 12/2007

punktpunktblog

26.12.2007 Mit Hape von Stockholm bis Kiruna

Beim Packen für meine kleine Reise kam doch ein wenig mehr zusammen, als ich gedacht hatte, doch es hat alles noch problemlos gepaßt, ich mußte nur meine Laptoptasche mitnehmen und hab nicht alles in den Wikipedia-LinkTrolley rein bekommen, aber da man die Laptoptasche auf den Trolley draufstecken kann macht es, solange man sein Gepäck denn ziehen kann, kaum einen Unterschied.


Noch während ich im Bus sitze, also quasi direkt vor der Haustüre, setzt die Dämmerung ein und so verabschiede ich den hellorangenen Streifen am wolkenverhangenen Horizont bereits, bevor die Reise so richtig begonnen hat. Doch eines war mir schon klar, als ich mir die ersten Gedanken darüber gemacht habe, diese Reise zu unternehmen: es wird ein dunkles und einsames Unterfangen.

Nachdem ich an der KTH noch schnell einige Unterlagen ausgedruckt habe, die ich zwar auch noch in verschiedenen Formen auf Datenträgern dabei habe, fuhr ich mit der Tunnelbana weiter nach T-Centralen, dem Hauptbahnhof Stockholms, von wo aus mein Zug in gut einer Stunde abfahren wird.
Ich bin absichtlich so früh los, ja man könnte sagen, ich wollte am Bahnhof warten. Vielleicht war es die Freude auf die Reise an sich.

Auf dem Hauptbahnhof angekommen enttäuschten mich die Anzeigetafeln zunächst, da mein Zug noch garnicht aufgelistet wurde, doch ehrlicherweise muß ich anmerken, daß sich die Enttäuschung doch in engen Grenzen hielt und ich mich einfach in der Bahnhofshalle niederließ, um mit dem zu beginnen, was ich mir für die ersten Stunden dieser vor mir stehenden Zugfahrt weit in den Norden vorgenommen hatte: Ich begann Wikipedia-LinkHans Peter Wilhelms Ausführungen über seine Erlebnisse auf einem langen Weg durch Spanien zuzuhören. Dies sollte mich noch bis etwa Mitternacht nahezu pausenlos beschäftigen, wobei ich natürlich trotzdem noch die Welt um mich herum wahrzunehmen im Stande war, ja, sogar mit ihr in Kontakt trat.

Ich komme mir nun fast schon albern vor, nach etwa acht Stunden, in denen ich einem überaus interessanten und zugleich unterhaltsamen Reisetagebuch gelauscht habe selbst diese Zeilen, die ja für sich genommen wenig anderes sind, niederzuschreiben. Auf keinen Fall wollte ich mich jedoch mit jenem Werk mit vor allem am Anfang stark autobiographischen Zügen vergleichen, auch wenn sich eine gewisse Parallele geradezu aufdrängt. Auch ich hätte mich mit den Worten "Ich bin dann mal weg" verabschieden können - nur von wem? Da mein Flur bereits vor meiner Abreise mehr einer öden Wüstenlandschaft als einem Studentenwohnheim glich hatte ich streng genommen gar keine Gelegenheit, mich direkt zu verabschieden. Am ehesten wäre noch meine Facebook, wir erinnern uns, Statusnachricht geeignet als Verabschiedung bezeichnet zu werden, doch auch die würde ich selbst nicht als solche bezeichnen. Dies alles ändert jedoch nichts daran, daß Hape Kerkerling, der bisher ja weniger für ernsthafte Inhalte bekannt war, mit seinem Hörbuch über seine Pilgerreise nach Wikipedia-LinkSantiago de Compostela etwas schafft, was wohl nicht vielen gelingt. Er transportiert ernsthafte, interessante und denkwürdige Inhalte und Gedanken eingepackt in eine ansprechende und unterhaltsame Sprache. Ich hab in den letzten Monaten den einen oder anderen Verriß des Werkes gelesen, das Buch selbst nur einmal verschenkt, aber ich bilde mir nun meine Meinung auf Grundlage des Hörbuchs, welches ja die Inhalte des Buches auch treffend wiedergeben sollte. Es kommt vermutlich darauf an, was man sich von dem Werk erwartet, oder mit welchen anderen Büchern man es vergleicht, ich persönlich fand die audible Lektüre interessant, spannend, lehrreich und inspirierend. Ja, ich finde kaum etwas auszusetzen daran.
Und selbst Schweden, namentlich Yvi und Tina, finden einen wichtigen Platz in Hapes Reisetagebuch, somit paßt es doch schon allein deswegen hervorragend zu meiner kleinen Reise.


Doch nun habe ich den weitläufigen Komiker genug gelobt, um ihn soll es hier ja nicht primär gehen, sondern um meine eigene Reise.
Ich will an dieser noch kurz anmerken, daß ich nicht wegen, sondern höchstens trotz dieses Hörbuchs dies hier niederschreibe, ich dachte mir, wenn ich schonmal ein wenig in der Welt herumkomme, interessiert es vielleicht den einen oder anderen, was ich dabei so alles erlebe. Und wenn es niemanden interessiert, so hab ich es doch wenigstens für mich selbst festgehalten. Vielleicht ist das überhaupt der bessere und wichtigere Grund.

Nachdem ich also um kurz vor viertel nach fünf den Zug der Veolia bestieg suchte ich zielstrebig nach meinem Platz. Schließlich fand ich mich in einer - nicht Abteil - Sitzgruppe wieder, wo sich neben mich eine junge spanischsprechende, ich würde auf Südamerika tippen, Mutter mit ihrem jungen Sohn setzte. Die drei Plätze gegenüber wurden von zwei älteren, zumindest älter als ich, Deutschen "bewohnt", vermutlich Schwaben. Ich hab zumindest bis Mitternacht kaum mit Ihnen geredet, sie waren aber auch die meiste Zeit abwesend. Sie verschlang ein Buch, wobei sie wohl grimmiger wirkte, als sie tatsächlich war.
Der kleine Junge neben mir sorgte stetig für Unterhaltung. Entweder durch Schreien, oder dadurch, daß er ständig auf den Sitzen und dem Tisch herumkletterte. Nun, ich bin nicht unbedingt der größte Freund von Kindergeschrei, aber fast zu meiner eigenen Überraschung hat mich das an sich nicht weiter gestört, zumal meine Ohren ja weniger auf den Jungen als mehr auf das, was direkt in mein Ohr rieselte konzentriert waren.
Ansonsten sind mir zu Beginn der Zugfahrt vor allem noch die nomadenhaften Chinesen aufgefallen, die wohl ohne Platzreservierung reisten. Doch auch deren stete Platzwechsel gaben sich mit der Zeit.
Insgesamt konnte ich mich über die werte Reisegesellschaft nicht beschweren.


Wie eingangs erwähnt, es dunkelte schon als ich losfuhr, trotzdem sah man oft nicht nur Nichts, sondern öfter auch Spuren des Lichts. Auffallend fand ich, daß an jedem der wenigen und kleinen Bahnhöfe, an denen er Zug halten sollte ich zumindest überall ein "System Bolaget" ausmachen konnte. Aber das ist an sich ja wenig verwunderlich.
Von der Landschaft sah ich, das muß ich eingestehen, auf der ersten Etappe bisher wenig. Doch an einer Stelle sah man, wenn man aus dem linken Fenster schaute, Baumstämme, soweit das Auge reichte. Beeindruckend.

Um halb eins, ja genau halb eins, da begann ich mein von bodenloser Selbstüberschätzung geschwängertes Unterfangen ein schwedisches Hörbuch, "Min väg, mina val" von Göran Persson, anzuhören. Ich hab es für den Anfang bei der ersten CD, nebenbei bemerkt von dreizehn, belassen. Es wäre schlichtweg gelogen, würde ich behaupten alles verstanden zu haben. Es wäre auch noch sehr gewagt, behaupte ich nur die wichtigsten Dinge verstanden zu haben. Auf der sicheren Seite bin ich jedoch, wenn ich schreibe, daß ich doch so einiges verstanden, und einiges mehr "der Spur nach" verstanden habe. Mal sehn, wann ich mich an die zweite CD heranwage. Das Schwierige ist ja, daß ich hier, nicht wie beim "Hans" einfach nur zuhören und grinsen, sondern viel mehr zuhören und denken muß, was zum einen Aufmerksamkeit und zum anderen Energie erfordert. Aber ich denke, daß ich mir damit ein Projekt aufgeladen habe, das ich durchaus - warum schreibe ich eigentlich so oft "durchaus", dafür sollte ich mir mal Synonyme überlegen oder zumindest nachschlagen - schultern kann. Ich muß mir die dreizehn CDs einfach so oft anhören, bis ich sie vollständig verstehe. Außerdem sollte das meinen Wortschatz und auch sonst allgemein mein Sprachverständnis verbessern. Man muß sich ja an Neues, an Berge wagen, um wachsen zu können. Sagt man doch so.

Während ich also konzentriert soviel wie möglich zu verstehen versuchte ging gegen zehn vor eins endlich das Licht aus. "Warum denn endlich", werden sich nun vielleicht einige verwundert fragen, doch geübte Zugfahrer werden es schon ahnen. Es ist zwar dunkel draußen, aber an sich nicht zu dunkel, um das meiste zu erkennen, nur stört das helle Licht im Zug das Auge daran, sich auf die Dunkelheit einzustellen, weswegen es bis zu diesem Punkt mehr ein landschaftlicher Blindflug war, denn ein Genuß. Doch nun konnte man endlich die Landschaft mit offenen Augen in sich aufsaugen:
Bäume. Schnee. Überall. Wenig anderes. Karge Landschaft. Weite Sicht. Eben. Wenig Häuser. Kleine Häuser. Wenig Autos. Aber schön. Schön schlicht. Und doch nicht schlicht. Natur. Pur. Abenteuerland? - Ich fürchte das ist der Punkt die stichwortartige Landschaftsbeschreibung abzubrechen, denn wir sind mit den letzten beiden Begriffen schon auf gefährliches Gebiet geraten, in das ich mich auf keinen Fall weiter verstricken will. Indianer gab es hier ja nie, aber dafür andere Ureinwohner. Damit könnte ich nun elegant überleiten, doch wäre diese Überleitung hier nicht an ihrer richtigen Stelle, weswegen ich den letzten Satz einfach fallen lasse und weiter berichte.

Es wurde später und später, ruhiger und ruhiger. Um mich herum wurde hauptsächlich geschlafen, ich selbst nickte auch einige Male für einige Zeit ein, aber so richtig geschlafen hab ich kaum. Der Morgen sollte sich dann als mindestens ebenso unterhaltsam wie der vorangegangen Abend herausstellen. Langsam wurde es heller, sehr langsam. Und irgendwann wurde auch der kleine Junge, Daring, wie ich inzwischen weiß, wieder wach und turnte durch die Gegend. Den Namen seiner Mutter weiß ich nicht, sie spricht wohl Schwedisch und eben vor allem Spanisch - auch wenn ich außer "noo" und "Que" so gut wie nichts von dem auch nur im Ansatz verstanden habe, was sie gesagt hat. Ich hätte es meist wohl nichtmal als Spanisch gedeutet, hätte ich sie nicht das Lukasevangelium auf spanisch lesen sehen. Wobei auch allein "noo" und "Que" mir schon für Südamerika gereicht hätten.
Nachdem das deutsche Ehepaar, ich nehme zumindest an, es sei eines, gestern abend in etwa zu der Zeit zurückkam, als das sogenannte Bordrestaurant schloß verließen sie die Sitzgruppe auch nicht mehr. So kam man auch irgendwann auch mal kurz ins Gespräch. Auf dem Weg nach Abisko. So drei Tage. Wohl wandern. Danach Richtung Luleå, oder sowas. Es fällt mir schwer es zuzugeben, aber ich hatte mich von einem blauen Ordner eines Unternehmens aus "Wangen" darüberhinwegtäuschen lassen, daß ich es hier unüberhörhar mit Menschen aus Baden zu tun habe.

Der Mann war auch schonmal, allerdings im Sommer, in Kiruna gewesen und empfahl mir die "Wikipedia-LinkStabkirche". Ansonsten gäbe es auch noch den Tagebau und eine Mine zu besichtigen. Gut zu wissen, mal sehen, was ich in Wikipedia-LinkKiruna vorfinden werde.
Die restliche Fahrt verging nahezu wie im Flug, und schon bald verließ ich meine Reisegesellschaft und ließ sie ohne mich weiter ziehen.

[Bilder kommen später, bisher verfügt mein Äpfelchen noch nicht über ein Programm zum verkleinern, oder zumindest hab ich die Funktion noch nicht gefunden.]

(Dieser Eintrag ist "powered by Perminalen Hotel", da ich hier in meinem Hotel in Oslo das WLAN nutzen kann.)

Stockholm .. linken .. kommentieren (1) .. von Götz Bürkle am 30.12.2007 um 21:00:16 Uhr



image well

zu den bildgrößen würde ich dir image well vorschlagen: http://xtralean.com/IWOverview.html simples kleines programm das zum bloggen von bildern hilft.

.. geschrieben von Daniel .. www .. am 31.12.2007 um 09:29:50



.. kommentieren

(Die rot  bzw. mit * markierten Felder müssen ausgefüllt werden.)

Wer bin ich?


*

*



Eins und eins macht * (die vorgegebene Antwort ist falsch, in Wirklichkeit muß gerechnet werden, das sollte jedoch keinen überfordern - bitte einfach nur das Ergebnis ausgeschrieben, also die 4 Buchstaben (!) eintragen ... falls doch einfach bei mir direkt per E-Mail melden - dies ist mein neuer Versuch mich gegen ¨bermäße Kommentierung durch Maschinen zu schützen ... die Ziffer wurde nun schon 3 oder 4 mal richtig eingegeben, deswegen nun nur noch ausgeschrieben)

Was will ich sagen?


*

*





zuletzt geändert von Götz Bürkle am 16.04.2008 ..

© Copyright 2004-2007 by Götz Bürkle | powered by Bürkle Services | .. suchen | .. impressum