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bloggen » 12/2007

punktpunktblog

Chaos zwischen LILLA FICKD und KIFFE KIFFE

Heute war Weihnachten, oder so ähnlich, könnte ich schreiben. Doch dann stellte sich die Frage, was Weihnachten an sich ist, und davon ausgehend will ich jenen Satz lieber doch nicht schreiben, obwohl er doch vermutlich verständlich zu kommunizieren im Stande wäre, was ich meine. Nun, ich hab mich heute auf den Weg in eine - vorsicht gefährlich! - Buchhandlung gemacht.
Primär, weil ich mal eine Karte von Schweden und Norwegen haben wollte, könnte durchaus nützlich sein, vor allem wenn man irgendwann auch mal mehr als nur das Stadtzentrum von Stockholm gesehen haben möchte. Aber wenn man schonmal in so einem Geschäft mit üppiger Auswahl steht, kann man sich natürlich auch anschauen, was es denn sonst noch interessantes dort gibt.

Das war ein Fehler. Genauer gesagt war es kein Fehler, es war lediglich eine großartige Gelegenheit monetären Reichtum gegen einen Haufen Papier und Plastik einzutauschen. Über genaue Zahlen wollen wir den Mantel des Schweigens legen. Aber letztlich bin ich dann mit zwei Kartenwerken aus dem Geschäft gegangen. Verschiedene "Auflösungen" natürlich. Vermutlich hätte eines der beiden Werke gereicht, aber ich dachte mir, die werden ja nicht schlecht. Beide haben ihre Vorteile, und ob ich nun ein paar Kronen mehr ausgegeben habe oder nicht weiß ich in einem Jahr auch nicht mehr, solange ich trotz der Ausgabe zu überleben schaffe und daran habe ich momentan keine Zweifel.
Doch nur diese beiden Kartenwerke wären ja noch ein günstiges Vergnügen gewesen. Doch eine weitere Anschaffung hatte ich mir schon seit meiner Ankunft vorgenommen gehabt, nämlich eine schwedische Bibel. Macht sich bestimmt gut in meiner Sammlung und kann man bestimmt auch noch beim Lesen die Sprache lernen. Und damit sind wir auch schon beim entscheidenden Punkt: Sprache. Ich bin nun nicht unbedingt ein Sprachgenius, doch ich bin durchaus interessiert an Sprache im Allgemeinen. Vorzugsweise natürlich an Sprachen, die ich spreche. Doch aus nicht weiter erläuterungsbedüftigem Anlaß aktuell auch an einer Sprache, die ich zwar kaum spreche aber durchaus einigermaßen verstehen und gelegentlich sogar schreiben kann. Und ich meine nicht Norwegisch, zumindest nicht direkt. Aber darüber nun noch mehr überflüssige Worte zu verlieren würde selbst den mir positiv geneigten Leser vermutlich nur langweilen, was ich natürlich nicht zu tun beabsichtige. Nebenbei bemerkt scheine ich heute eine besondere Schwäche für Infinitive zu haben, fällt mir gerade auf. Aber auch mit diesem Einwurf, der ja mit der eigentlichen Geschichte kaum etwas zu tun hat, will ich nun nicht weiter ablenken sondern gedenke sogleich im Fluß weiterzuschreiben, oder besser in den Fluß zurückzukommen.
Die Bibel war also auch noch eine durchaus miteinkalkulierte Anschaffung für heute. Doch dann nahm das schreckliche Schicksal seinen Lauf. Ich schlenderte so durch die Reihen, als ich mir dachte, irgendein Stück "richtige Literatur" sollte ich mir doch auch noch zulegen. Nur was, wenn man keine Ahnung von der lokalen Literaturszene hat? Wobei keine Ahnung noch milde untertrieben ist. Also auf gut Glück ein wenig rumgeschaut, und schließlich zu etwas gegriffen, womit man hoffentlich nicht viel falsch machen kann, wenn man betsrebt ist seine Allgemeinbildung in einer Sprache auszubauen, nämlich einem Sammelband. Nun so etwas besitze ich auf Deutsch nicht, aber da hab ich ja durch meine Schullaufbahn wenigstens einiges mitbekommen, da ist die Situation also eine andere. Vielleicht. Jedenfalls habe ich nun De bästa svenska dikterna. Från Stiernhielm till Aspenström von Wikipedia-LinkJan Olov Ullén, das zwar von irgendjemanden kritisiert wird, aber wohl doch so schlecht nicht sein kann. Für den "Anfang" sollte mir das reichen, also für die nächsten Jahre. Aber so kann ich wenigstens, wenn ich die Lust verspüre und mir die Zeit zur Verfügung steht mein Wissen über schwedische Literatur nachhaltig ausbauen und das ist auch etwas wert.

Doch selbst nach diesem dicken Ding hatte ich noch nicht genug und holte mir zusätzlich ein, jawohl, ein Hörbuch. Ich dachte mir, daß dies bestimmt auch ein sehr gutes Sprachtraining sei, zumal sich der "Klappentext" auf der Rückseite auch interessant las. Interessant, naja, aber zumindest interessant, wenn man auch ein wenig mehr über Politik in Schweden erfahren will. Es heißt Min väg, mina val und Evrfasser ist der langjährige schwedische Premierminister Wikipedia-LinkGöran Persson. Ich will das Buch nicht mit Wikipedia-LinkSchröders Memoiren vergleichen, weil ich zum einen kein Interesse daran hätte dessen Buch zu lesen und ich es auch garnicht gelesen habe, um irgendwelche Ähnlichkeiten zwischen beiden Werken feststellen zu können. Zumindest sind beides rote Socken, die Gemeinsamkeit an sich ist ja shcon shclimm genug ;) Perssons Buch wird von einigen als langweilig, er hätte sich lieber mehr von James Bond inspirieren lassen sollen. Andere sind enttäuscht, weil er sich nur als "renodlad politisk maktmaskin", als "reine politische Machtmaschine" darstellt, und weniger als Mensch. Auch Jerker Pettersson sagt ähnliches, wenn er schreibt "Det är ingen spännande läsning. Det är en torr, subjektivt saklig beskrivning av den tid i Sverige som varit." - aber (für alle, deren Phantasie nicht ausreicht um aus dem schwedischen Satz die Kerninformation zu extrahieren) immerhin hält er dem Buch zu Gute, daß es eine "trockene sachliche Beschreibung" der damaligen Situation Schwedens ist, auch wenn es keine spannend Lektüre ist. Positiver formuliert es Robin Andersson im Satzfragment "ett måste för alla som intresserar sig för svensk politik och vår plats i världen", was soviel heißt wie, daß das Buch ein Muß für alle ist, die sich für schwedische Politik und den Platz Schwedens in der Welt interessieren. Das hört sich schon besser an. Und immerhin muß ich das ja nicht lesen, sondern darf es vom Verfasser vorgelesen hören, und so fand ich ja sogar Dieter Bohlens Hörbuch unterhaltsam, und das ist literarisch und inhaltlich vermutlich nicht wertvoller.


Nachdem ich also mit all jenen Artikeln schwer beladen den Weg zur Kasse antrat sondierte ich sorgsam die Lage. Nach welchen Kriterien wählt man die "richtige" Kasse aus, wenn die Schlangen überall ähnlich lang sind? Natürlich nach dem wichtigsten Kriterium, das einem zur Verfügung steht, also nach der Verkäuferin. So wartete ich also geduldig, bis sich Wikipedia-LinkLeonora meiner annahm. Schon allein der Name ist natürlich ein Wohlklang. Umso enttäuschter war ich sodann, als sie mich emotionslos an die nächste Kasse abschob, weil ihr Kartenleser mit meiner Karte nicht zusammenspielen wollte. Leider wollte auch der nebenan nicht, weswegen ich schließlich zum Geldautomaten laufen und Bargeld holen mußte. Die Dame nebenan trug kein Namensschild, oder ich erinnere mich nicht daran, das ist aber auch nebensächlich. Als ich zurückkam mußte ich mich zwar nicht mehr anstellen, aber trotzdem vermutlich genauso lange warten, wie wenn ich mich nochmal angestellt hätte. Aber so eilig hatte ich es ja nicht, da wollte ich mich mal nicht beschweren. Zu tragen hatte ich ja sowieso schon schwer genug auf dem Heimweg ... soviel für den Moment, die nächsten Tage gibt es vielleicht endlich wieder ein wenig mehr.

Oh, und LILLA FICKD und KIFFE KIFFE waren Zeichenketten, die die Kassen bei irgendjemandem vor mir angezeigt hatten. In der Schlange rechts neben mir blinkte mir "LILLA FICKD" entgegen - vermutlich irgendein Wörterbuch - und in meiner eigenen Schlange kaufte ein kinderwagenschiebender Familienvater "KIFFE KIFFE". Schon seltsam manchmal, die schwedische Sprache ...

Stockholm .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 20.12.2007 um 18:34:52 Uhr



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