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bloggen » 10/2007

punktpunktblog

See you on Facebook

Nun, diesen Satz habe ich hier nun schon mehrmals gehört. Ob er nun positiv oder negativ gemeint ist habe ich noch nicht ganz erfaßt, hängt vielleicht vom Zusammenhang ab. Ich behaupte einfach, an mich gerichtet war er positiv gemeint im Sinne von "keep in touch" oder sowas. In Deutschland hört man derartiges noch seltener, was mit Sicherheit mit daran liegt, daß "das deutsche Facebook", wir wissen ja alle, welche Plattform damit gemeint ist, nicht in Ansätzen so, nun fehlt mir ein Wort, ist. Facebook ist der Bringer - es ist schwer zu beschreiben. Ich werde gegen Ende dieses Textes nochmal darauf zurückzukommen versuchen.


Wenn man hier die letzten Monate so mitliest könnte man meinen, ich würde wenig anderes tun als Podcasts zu hören, schwedisches Fernsehen zu schauen, Bahn zu Fahren, online Zeitungen zu lesen und ansonsten mit einigen Freunden wegzugehen. Nun, ganz so paradiesisch, so das denn überhaupt paradiesisch wäre, ist mein Leben hier leider nicht. Es ist hart, und ungerecht vielleicht auch, wie überall.

Tatsächlich verbringe ich hier geschätzt weniger Zeit an der Universität, oder besser gesagt in Vorlesungen. Dafür muß man wesentlich mehr Leistung zusätzlich zum reinen Vorlesungsbesuch erbringen. Ich meine hier nicht das Lesen von Begleitliteratur, das sollte man ja auch in Karlsruhe bei einigen Veranstaltungen machen. Nein, in jeder Vorlesung, und das sind inklusive Sprachkurs im Moment gerade einmal läppische vier, muß ich entweder in einem Team irgendein Projekt erarbeiten oder eine Arbeit schreiben. Fairerweise muß ich dazusagen, daß eine dieser Vorlesungen erst vor gut einer Woche, also mittendrin, begonnen hat, aber dafür auch noch bis Mitte Dezember geht.
Wieviel Aufwand diese Zusatzaufgaben genau sind hängt von der jeweiligen Vorlesung ab, aber man muß jedenfalls mehr Zeit in eine Vorlesung investieren, als ich es aus Karlsruhe gewohnt war - und das, obwohl wir die Elite sind!
Natürlich korreliert der Zeitaufwand mit der Ernsthaftigkeit des betriebenen Studiums, doch man will es sich ja auch nicht zu einfach machen. Obgleich ich es mir hier gutgehen lassen und mich zurücklehnen könnte, schließlich weiß ich nicht, ob ich mir etwas anrechnen lassen kann und verschwendete daran auch noch kaum einen Gedanken, da ich sowieso schon fast alles, was ich an Vorlesungen hören muß in Karlsruhe gehört habe, versuche ich doch mein Bestes zu geben. Ich suche mir meine Vorlesungen zwar streng nach dem Interessenprinzip aus, doch wenn ich mir etwas ausgesucht habe, will ich mich doch bemühen die gestellten Aufgaben auch zu meiner eigenen Befriedigung zu lösen. Ein bißchen Ehrgeiz schadet ja nicht. Bisher ist mir das auch gelungen, doch ob mir das tatsächlich vollends gelingen wird werden die nächsten Tage zeigen. Denn es steht noch ein Berg, oder zumindest ein Häufchen, an Arbeit aus, der abgetragen werden will. Auch heute war ich in studiumsrelevanten Leistungen gemessen wenig produktiv. Bisher. Dafür hab ich mir in den Finger geschnitten, das ist auch eine reife Leistung!

In Schweden zu studieren unterscheidet sich also nicht nur rein formal, sondern auch von der Arbeitsweise von einem Studium in Deutschland, oder zumindest von meinem bisherigen. Doch abgesehen von diesem ein wenig anderen Ansatz der Lehre ist zu erwähnen, daß ein Semester in Schweden in zwei Vorlesungszeiten unterteilt ist. Die aktuelle begann Ende August und endet diese Woche. Nächste Woche werden dann die Klausuren für die besuchten Vorlesungen geschrieben, soweit es welche gibt, und die Woche darauf beginnt dann die zweite Vorlesungszeit. In diesen an sich wenigen Wochen hat man jedoch nahezu ebenso viele Veranstaltungen, also Vorlesungen, Übungen und Seminare, wie in Deutschland in einem Semester, denn hier hat man mindestens zweimal, auch gelegentlich dreimal die Woche eine Veranstaltung zu einer Vorlesung. Als strukturierten und planenden Menschen finde ich es ein wenig anstrengend, daß man hier damit rechnen muß nicht in jeder Woche zur gleichen Zeit am gleichen Ort eine Vorlesung zu haben. Bisher hat sich das jedoch als halb so schlimm erwiesen, da man doch eine gewisse Regelmäßigkeit ausmachen kann und es nicht ganz so chaotisch ist, wie ich anfangs befüchtet hatte. Rechnet man zu den Vorlesungszeiten den Projekt- und Assignmentkram dazu, kommt man wohl auf einen ähnlichen Zeitaufwand.
Die zweite Vorlesungszeit beginnt dann also Ende Oktober und geht bis Mitte Dezember. Und dann ist das Semester auch schon rum. So schnell geht das hier. Die Zeit scheint sowieso zu fliegen, aber das ist ja auch nichts Neues.


Nachdem ich nun ein wenig über das alltägliche Studentenleben hier berichtet habe bemühe ich mich den versprochenen Bogen zurück zu schlagen. Studium. Studenten. Gemeinschaft. Internet. Na? Natürlich führt mich dieser Absatz zurück zur bereits zu Beginn angesprochenen "geselligen Gemeinschaftsanwendung" Facebook, um welche man als Student in Schweden keinen Bogen machen will. Das tolle hier ist, daß man von seinem "Freundeskreis" viel mitbekommt. So sehe ich sofort, welche neuen Freunde meine Freunde haben, oder was sie gerade machen, sofern sie es angeben, oder was sie in ihrem Profil kürzlich aktualisiert haben, oder ob einer meiner "Freunde" bei einem anderen auf die "Wall", man kennt es als Gästebuch, geschrieben hat. Natürlich ist das an sich nur eine Spielerei, aber es ist doch irgendwie praktisch. Für Menschen wie mich, deren Stärke es nicht unbedingt ist Gespräche zu beginnen ist das doch eine gute Möglichkeit mehr über die Personen um einen herum zu erfahren. Man könnte zu Recht einwerfen, daß ein Gespräch ja viel besser wäre. Da will ich nichts dagegen sagen, doch man kann auch nicht ständig mit jedem reden, aber man kann ständig bei jedem kurz auf seiner Profil-Seite vorbeischauen, egal wo dieser sich gerade befindet.
Warum schreibe ich das hier eigentlich - das frage ich mich soeben selbst. Aber natürlich kam ich deswegen darauf diese "gesellige Gemeinschaftsanwendung" (ja, dieser Begriff gefällt mir nun ein wenig) einmal zu thematisieren, weil die Studentenschaft hier stärker durchwirkt von eben dieser zu sein scheint als dies bisher in Deutschland der Fall ist. Deswegen werde ich wohl auch in zukunft noch öfter ein "see you on Facebook" zu hören bekommen und mich weiterhin fragen, ob das nun positiv oder negativ gemeint ist ...

Stockholm .. linken .. kommentieren (1) .. von Götz Bürkle am 17.10.2007 um 18:24:52 Uhr



see you on facebook

wollte eigentlich nur sagen dass dieser post absolut genial ist und dann sah ich die Frage „Ein Mensch? Beweisen:“ und musste mich wegschmeißen.... super götz! und weiterhin viel erfolg in schweden, mit was auch immer [wink]

.. geschrieben von [depone] .. www .. am 17.10.2007 um 21:41:56



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zuletzt geändert von Götz Bürkle am 28.01.2009 ..

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