bloggen » 09/2007
punktpunktblog
Unerwartete Schweinehunde und Buchmacher
Heute, inzwischen müßte ich gestern schreiben, fing der Tag unerfreulich an. Oder vielleicht weniger unerfreulich, als unerwartet, anders - aber das Unerwartete, Andere, Überraschende ist ja oft nicht unbedingt das, was in unseren Plan paßt, sonst wäre es ja nicht unerwartet. Nach diesem, vielleicht überflüssigen, Knoten, in den ich nun beim Schreiben dieses ersten Satzes geraten bin geht es geradliniger weiter, wobei ich mich gegen später wieder mäandernd durch ein anderes Gebiet bewegen werde, aber das wird man dann schon merken. Und wenn nicht, schadet das auch nicht, denke ich zumindest.
Womit beginnt nun also der Morgen eines fleißigen Studenten? Nun, ich meine nicht das Treffen einer Norwegerin in der Küche, obgleich das einem guten Morgen freilich keinen Abbruch tut, eher im Gegenteil, ich meine den alltäglichen Wahnsinn öffentlicher Nahverkehrsmittel in einer Großstadt. Da sucht man sich am Abend noch extra die Verbindungen heraus, und am nächsten Morgen beschließt der Bus dann, anstatt wie laut Plan bis woauchimmer zu fahren an der erstbesten Umsteigestelle zur Tunnelbana anzuhalten und diese zur Endhaltestelle zu erklären. Kein Drama, doch ärgerlich, wenn man sich extra eine neue Route gemerkt hatte, die man nun doch nicht gebrauchen kann. Wieder wertvolle Kapazität unnütz verschwendet, zumindest für den Moment unnütz. Sodann stieg ich hinab in den Untergrund, um die blauen Wagen, die hier jedoch zur roten Linie gehören, zu besteigen. Nach mehreren Minuten Wartezeit fährt der blaue Pfeil ein, voll. Man gehört zu denen, die sich beim Einsteigen eher hinten anstellen, als nach vorne drängen, weswegen ich in diesem Zug keinen Platz mehr gefunden habe. Schade, aber nur wenige Minuten später kam schon die nächste Wagenkolonne, in der ich schließlich Zuflucht fand, um mich zügig meinem Ziel zu nähern. Auch das Umsteigen in die natürlich ebenfalls mit blauen Wagen, nun jedoch passenderweise zur blauen Linie gehörend, klappte ohne Zwischenfälle, so daß ich trotz dieser zwei unerwarteten Ereignisse pünktlich mein Ziel erreichte - wohl sogar fast zur exakt gleichen Zeit wie geplant.
Derjenige, der nur flüchtig über diese Zeilen flog mag diese Absätze für völlig nutzlos, überflüssig, wir erinnern uns an die Klowände, befinden. Was interessiert mich der morgendliche Fahrplan eines Studenten? Durch diese Frage offenbarte er jedoch nur die oberflächliche Flüchtigkeit, mit welcher er, meist vermutlich vergeblich, versucht die Weisheiten der Welt in sich aufzusaugen. Dem aufmerksamen Leser sollte die Botschaft, die nicht allzu undeutlich hindurchschimmert nicht verborgen geblieben sein. Ich spielte mit dem Gedanken, die
Moral noch explizit hervorzuheben, doch ich entschied mich dagegen.
Jeder hat das Recht, und hier quasi auch die Plicht, selbst zu denken und seine eigenen Schlüsse zu ziehen.
Nun setze ich zu einem Sprung an, der jedoch vielleicht nicht so weit ist, wie es scheint.
Mancher kann es vielleicht nicht mehr lesen, doch ich hielte es für unverantwortlich dies zu verschweigen. Heute durfte ich einige Zeit, nicht nur am Morgen, durch die Stadt fahren oder einige Zeit zwischen verschiedenen Veranstaltungen überbrücken, und seit ich mir den Luxus gegönnt habe, es ist schon ein paar Monate her, mir einen kleinen, dünnen und schönen roten iPod nano zuzulegen ist jener mein treuer Begleiter.
Egal ob früh am Morgen oder in tiefster Nacht, er mir die Zeit viel kürzer macht.
Gepaart mit meiner Vorliebe für qualitativ anspruchsvolle und wohlklingende Sprache, die ich bekanntermaßen vorwiegend in den öffentlich-rechtlichen Sendern finde, ergibt es sich, daß ich heute mal wieder das Vergnügen hatte mehrere überaus gelungene Podcast-Episoden des SWR in meine Ohren geflüstert zu bekommen. Ein Satz aus "SWR2 Leben: Den inneren Schweinehund an die Leine nehmen - Selbstkontrolle kann man lernen", eigentlich ist es jedoch kein Satz, sondern die Wiedergabe eines kurzen Dialogs, hat mir besonders gefallen. Professor Reinhard Tausch berichtet aus seinem Alltag: "Wenn ich vor zwölf Uhr schlafen gehe - ich gehe häufig spät schlafen - dann gehe ich immer noch zehn Minuten hinaus. Weil dadurch der Schlaf besser wird. Dann treffen mich Leute und sagen: na, was wollen Sie noch machen? Und ich sage: Ich führe meinen Hund aus. Was, Sie haben doch kein Hund? Ich sage: Ich führe jetzt meinen Schweinehund aus."
Derartiges gefällt. Mir.
Die zweite Episode, die nicht nur für die, die gerne Schreiben und sich vielleicht mit der Versuchung konfrontiert sehen Bücher zu verfassen, empfehlenswert ist dreht sich um "Die Buchmacher". Interessante Einblicke in ein Geschäft, in dem es zugeht wie in
Iffezheim.
Auch hier hat mir ein Satz, dieses Mal vom Autor
Martin Ahrends, besonders gut gefallen: "Wenn die strenge Kalkulation einen literarischen Verlag ganz beherrscht, kann er vielleicht überleben, stirbt aber trotzdem ab."
Auch diese Aussage vermochte mein Gemüt zu erfreuen, weniger wegen der tristen Botschaft, als mehr wegen der geschickten und kunstvollen Verwendung der Sprache.
Später hörte ich dann, passend zum vergangenen Jahrestag, SWR1 Leute: Terroristische Taten - Arthur Landwehr (SWR Hörfunk-Chefredakteur, war sechs Jahre lang Korrespondent in Washington, auch während der Anschläge am 11. September 2001). Durchaus hörenswert, und eben aus aktuellem Anlaß auch empfehlenswert. Nicht uninteressant, aber kein Pflichtprogramm, im Gegensatz zu den vorgenannten Sendungen.
In einer Pause, die ich nutze um mich auf den aktuellen Stand zu bringen, stieß ich über Wolfgangs Notiz Münchener Anwalt wegen Betrugs verurteilt.. auf einen Artikel der TAZ: Versuchter Betrug: Freiheitsstrafe für Abmahnanwalt.
Auch wenn ich das Propaganda-Blatt nicht unbedingt gerne verlinke und ich vermutlich einer der letzten wäre, der sich an einer Pfändung der Domain jener
Gazette stören würde, so finde ich es doch angebracht, sie hier einmal positiv zu erwähnen. Außerdem ist es mir lieber, jene schreiben an einer allgemein bekannten Stelle am Rande meines Radars, als sie versuchen in seriösen Zeitungen mitzumischen ... doch darum soll es hier garnicht gehen. Überhaupt ist der letzte Absatz, der eigentlich überhaupt nicht zum ganzen Rest paßt, nur als Randnotiz zu verstehen.
Gerne würde ich noch Weiteres ausführen, doch das würde nun hier den Rahmen sprengen und das sowieso ob meiner langen tendenziell belanglosen Ergüsse strapazierte Zeitbudget der Leser über die Maßen beanspruchen. Außerdem ruft meine temporäre Ruhestätte, ohne das "temporär" hörte sich das so bedrohlich an, immer lauter, so daß ich ihr nun, nach langem Zögern, nachzugeben gedenke.
Demnächst mehr zu grünen Äpfeln - oder zumindest zu so etwas Ähnlichem.
Stockholm .. linken .. kommentieren (1) .. von Götz Bürkle am 13.09.2007 um 03:27:02 Uhr
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Danke
Danke für die freundliche Erwähnung!
.. geschrieben von Martin Ahrends .. am 10.10.2007 um 22:31:45