bloggen » 07/2007
punktpunktblog
Fantastisch eng, fantastisch heiß, fantastisch fantastisch
Wer in Karlsruhe wohnt, an dem dürfte es nicht völlig vorübergegangen sein: Am Wochenende war DAS FEST 2007. Und wie auch schon vor 2 Jahren und vor 3 Jahren war ich auch in diesem Jahr zumindest an einem Tag mal wieder dort.
Endlich hab ich es mal geschafft am Sonntagmorgen zum Klassik-Frühstück zu gehen. Gefrühstückt hab ich dort zwar nichts, aber der
Badischen Staatskapelle zugehört. Sie haben vor allem eher bekannte Werke gespielt. Bei "
Danse Macabre" von
Camille Saint-Saëns war ich mir sofort sicher, daß das Leitmotiv in irgendeinem anderen Song vorkommt, ich dachte sofort an
Freundeskreis, aber konnte es nirgends hören - nach ein wenig suchen wurde ich doch noch fündig und mein "Gefühl" lag richtig: bei 20 $ Skit auf dem Album Esperanto liegt dieses Stück im Hintergrund.
Und wie ich dann mittags, nach meinem Frühstück, in der Sonne durch das FEST-Gelände schritt traf mich fast der Schlag. Naja, der traf mich schon am Morgen, aber da hatte ich noch keine Lust mein Gerät auszupacken um dieses Elend zu dokumentieren.
Man betrachte das Bild. Also, ich dachte tatsächlich, als ich dieses Gebilde das erste Mal sah, es sei ein Kunstwerk, ein Witz. Doch weit gefehlt, diese meiner Ansicht nach würdelosen Plastikdinger sollen ernsthaft dazu dienen, sich gewisser Körpersäfte zu entledigen.
Mal ehrlich: Das geht mal garnicht. Da stell ich mich lieber an einen Baum, aber sowas ... da soll man sich also in aller Öffentlichkeit einfach so in die Ecke stellen? Nun, ich muß zum Glück nicht alles verstehen und erst recht nicht alles benutzen, was es auf dieser Welt gibt.

Doch weiter zu den angenehmeren Dingen des Lebens.
Mein Weg führte mich also vorbei an diesen Ichsprechesnichtaus zum Rand des Geländes, wo einige waghalsige Burschen aus der ganzen Welt ihre Tricks zeigten und damit durchaus auch mich beeindrucken konnten. Es klappte zwar nicht immer alles, aber doch beachtlich vieles. Einer dieser fliegend-fahrenden Zunft, ein Australier, stand fast alles, was er sprang, das war kaum zu glauben und schön anzusehen.
Zum Beispiel Ballons von dm. Ich will ja keine Werbung machen, aber ich mag
den Werner einfach, deswegen erwähne ich ihn dann und wann ganz gern. Ich stimme mit Sicherheit nicht allem zu, was er so sagt, aber er ist ein interessanter Mensch, der gut reden kann und es schafft zum Nachdenken anzuregen. Außerdem kann er einiges zitieren - sowas nenn ich Vorbild.
Doch eigentlich wollte ich mit den Ballons nur zu einer weiteren Beobachtung überleiten. Über das Gelände spazierten nämlich dm-Menschen, die mit allerlei Mittelchen ausgerüstet waren, um den vielen Menschen denen sie begegneten zu helfen. Es waren wohl größtenteils irgendwelche Hygieneartikel, ich fand die Idee jedenfalls gut.
Langsam aber sicher füllte sich der Hügel und auch die Ebene. Schier unvorstellbare Menschenmassen drängten sich nun vor der Bühne. Und ich mittendrin. Anfangs war es ja noch schön angenehm und luftig. Man konnte sich bewegen, atmen, und das Leben genießen.
Je weiter die Zeit voranschritt, desto eingeschränkter wurden die Bewegungsmöglichkeiten, auch die Luft wurde zur Mangelware, so daß man lediglich noch das Leben genießen konnte, wenn denn die Luft dazu ausreichte.
Irgendwann wurde es dann fast unerträglich. Ich stand zwar im Schatten, doch das hilft wenig, wenn nahezu jeder Quadratzentimeter des eigenen Körpers von einem fremden heißen Körper berührt, ja bedrängt, wird. Ich habe ja nichts gegen körperliche Nähe ... Schon wollte ich mit diesem abgedroschenen Spruch ansetzen, den ich an diesem Abend auch mindestens einmal von einer Nachbarin hörte, doch es würde wahrscheinlich nicht einmal der Wahrheit entsprechen. Ich habe bestimmt mehr gegen körperliche Nähe als der Durchschnittsmensch - frei nach dem Motto: lieber erstmal auf Distanz zur Umwelt bleiben. Nun, das mit der Distanz hat in diesem Getümmel natürlich nicht geklappt.
Pünktlich begann dann der fantastische Teil des Abends, denn der Höhepunkt begann und sollte von halb zehn bis kurz vor elf andauern. Zum Abschluß des Festes gaben sich nämlich
Die Fantastischen Vier die Ehre. Ich erinner mich, sie fingen mit Songs ihrer neusten Veröffentlichung an, aber auch älteres fand seinen Platz. Es ist schon erstaunlich, daß man so viele Texte von denen einfach kennt, ohne auch nur eine ihrer Tonträger sein Eigen zu nennen. Zugegeben, man hat ja Verwandte und Freunde, die einen an ihren reichen Schätzen teilhaben lassen, trotzdem war ich überrascht, jedes Lied zu kennen.
Der Platz wurde nicht mehr, aber wenigstens war man zeitweise nicht mehr ganz so bedrängt. Die Lage stabilisierte sich und ich konnte wenigstens wieder stehen. Auch wenn ich meine Arme kaum bewegen konnte, da die irgendwo zwischen den umstehenden Menschen steckten. Aber es war erträglich geworden, man hatte sich mit der Situation arrangiert.
Und dann, auf einmal wurde es unruhig hinter mir, ein Mädel wollte wohl "raus". Kein Problem, ich mache ja gerne Platz. Doch weit kam sie nicht, ehe ich mich versah fiel sie mir in die Hände. Nun, man könnte sich durchaus schlimmeres vorstellen, als wenn ein weibliches Wesen einem in die Hände fiele, doch in diesem Fall war es kein Grund zur Freude, sie war schlicht umgekippt. Doch nichts wäre gefährlicher in diesem Gedränge gewesen, als dieses Wesen zu Boden sinken zu lassen, weswegen ich versuchte sie so gut wie möglich zu packen und nach vorn zur Absperrung zu befördern. An den
Rettungsgriff war nicht zu denken, da beide Hände an sich schon ausgelastet waren. Eine mußte das "
goldene Vlies" hüten, an der anderen baumelte mein silbernes Kischen. Ich hätte mich der Gegenstände bestimmt temporär entledigen können indem ich sie einfach einer Nachbarin oder einem Nachbarn in die Hand gedrückt hätte, doch das kam mir in dem Moment gar nicht in den Sinn. Reflexartig bahnte ich uns, also ihr und mir, einen Weg nach vorn. Eine Freundin von ihr half mir dabei. Fast vorn angekommen, inzwischen schien sie wieder von einem Hauch von Leben erfüllt, taumelte sie dann mir ihrer Freundin voll bis zu den rettenden Herren in den schwarzen Westen. Und ich trat meinen Rückweg zu meinem angestammten Platz an.
Ich muß zugeben, ich fühlte mich wie ein kleiner Held - natürlich mehr kleiner als Held, aber immerhin.
Kurz vor Schluß schmiß sich dann der Smude in die Menge. Die vier auf der Bühne hatten, wie es aussah, auch ihren Spaß an diesem Abend. Auch sie spielen nicht jedes Konzert vor so vielen Zuhörern.
Dem interessierten Leser sei noch gesagt, daß ich ![]()
noch weitere Bilder des Spektakels gemacht habe. Doch wie ich meinte zu erkennen waren die Bilder meiner Nachbarin schärfer, also natürlich die Bilder, die sie schoß und nicht die Bilder von ihr, wobei ... naja der (schlechten) Wortwitze haben die Fantas schon genug gemacht. Jedenfalls gibt es bestimmt noch bessere Bilder des Abends, für meine kleine waren die Lichtverhältnisse suboptimal, wobei meine Nachbarin auch "nur" irgendeine kleine Finepix - genauer weiß ich es leider nicht - hatte, die aber wohl mit der Beleuchtung besser zurecht kam. Aber die hat auch immer geblitzt.
... ah, nun fiel mir auch wieder ein, warum ich unbedingt meine Nachbarin noch erwähnen mußte, schließlich nahm ich anerkennend zur Kenntnis, daß sie einige Jungs vor ihr, die natürlich ebenso meine Nachbarn waren, ermahnte doch bitte mit dem Rauchen in diesem Getümmel aufzuhören oder zumindest zu versuchen, ihre Umwelt durch gezieltes ausatmen wenigstens möglichst geringer Belastung auszusetzen. Dies war selbstverständlich ganz in meinem Sinne - die Jugend ist doch noch nicht völlig verloren ... ;)
Zurück zum eigentlichen Grund dieses Eintrages. Das, was die Fantastischen Vier boten war jedenfalls lohnenswert und so bedaure ich nicht, den Abend im Gedränge anstatt auf dem Spielplatz für Yuppies verbracht zu haben.
Und außer der Reihe, nämlich vom Ausgang der Günther-Klotz-Anlage bei der Metro eine Temperaturangabe:
22.07.2007, 23:17, 19°C
Aktuelles .. linken .. kommentieren (4) .. von Götz Bürkle am 25.07.2007 um 22:56:50 Uhr
klo
najaaa, wenn dann halt mal ein paar tausend männer am baum stehen -wie das bisher immer war- ist das halt auch nicht mehr so fein, gell!
.. geschrieben von hanni .. www .. am 25.07.2007 um 23:45:55
Toiletten ...
Ja Hanni, da hast Du natürlich Recht.
Aber bevor ich mich an so ein Ding stell, stell ich mich an einen Baum - aber auch das würde ich mitten auf dem Fest natürlich nicht machen, sondern ein gewöhnliches Toilettenhäuschen bevorzugen :)
.. kommentieren
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IchsprechesNichtaus
sehr schön geschrieben herr bürkle, sie kleiner held. ich erinner‘ mich, sprech es aber nicht aus.
.. geschrieben von IchsprechesNichtaus .. www .. am 25.07.2007 um 23:14:58