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bloggen » 07/2007

punktpunktblog

ComBOTS, Heidi und die Verbrennungsgefahr

Willkommen auf der HV!Im dritten Jahr in Folge fand ich mich nun auf der Hauptversammlung der ComBOTSComBOTS AG in der Stadthalle Karlsruhe ein. Doch anstatt, wie in den letzten zwei Jahren mit Bannern und Fahnen außen auf das Treiben innen hinzuweisen gab es dieses Mal von außen gar keine Möglichkeit mitzubekommen, daß innen eine überaus bedeutende AG ihre Hauptversammlung abhielt.

Zur Lektüre und zum besseren Verständnis des Folgenden empfehle ich Von Kompost, Kompott und comBOTS, WEB.DE ist tot, es lebe comBOTS!, Die große Knubbelmetamorphose, Erlebnisbericht von der Heidi..äh..Hauptversammlung und Willkommen zu Heidis neuer Welt!.


Die MappeNach zwei Butterbrezeln und ein paar Gläsern, ich hatte diesen Morgen noch nicht gefrühstückt, fing die Hauptversammlung um kurz nach zehn pünktlich an. Wie inzwischen schon gewohnt begrüßte der Aufsichtsratsvorsitzende Herr Reiter und leitete die Versammlung. Als Notar saß wieder Herr Stiegeler mit auf dem Podium. Bei der Frage, ob alle ihre Unterlagen hätten merkte Reiter an "Die Lichtverhältnisse von hier oben sind sehr schlecht", worauf prompt einer aus der ersten Reihe erwiderte "Hier unten sind die Lichtverhältnisse noch schlechter!" - sodann war es aus mit dem schummrigen Licht und es wurde hell.
Die erste Wortmeldung folgte schon sehr bald, denn Herr Buhlmann wollte sich dafür einsetzen, daß auch für Produktbeschreibungen die deutsche Sprache benutzt werden sollte. Außerdem interessierte er sich für die Zahlen des zweiten Quartals, die eigentlich erst nächste Woche veröffentlicht werden. Schon jetzt fiel mir ein Langhaarzausel aus der ersten Reihe auf, der sich noch öfter zu Wort melden würde - zum Leidwesen aller.

Geschäftsbericht verpacktUm halb elf begann endlich der Bericht des ComBOTSVorstandes. Also machte sich Michael Greve ans Erzählen. Weil man bisher keine Erfolge vorweisen kann verwies man eben auf seine Wurzeln, Web.deWEB.DE. Kernkompetenz Kommunikation und so. Als "Personal Digital Communication" fiel beschwerte sich eben jener, den ich oben bereits erwähnte, daß man ihm dies auf deutsch erklären sollte, weil er es nicht verstanden habe. Und für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Seit der CeBIT, also seit März, ist ComBOTS der Beta-Phase entwachsen. Das Konzept FriendlyWare wurde nebenbei auch verworfen, weil es nicht aufging. Und es gab Presse Roadshows im Vereinigten Königreich, Italien, Spanien und Frankreich - ob diese Shows auch nur irgendetwas bewirkt haben wage ich noch zu bezweifeln, aber so kam das ComBOTS-Team wenigstens ein bißchen rum in der Welt. Oh, nicht zu vergessen zwei Fernsehauftritte bei Wikipedia-LinkGIGA - das darf natürlich nicht fehlen.
Doch Greve überraschte in seiner Rede auch mit Ehrlichkeit: Das Ergebnis bisher sei sehr unbefriedigend, das Produkt verbreite sich nur sehr schleppend und die virale Verbreitung funktioniere nicht.
Als Folge dieser Erkenntnisse veranlaßte er Analysen um herauszufinden, woran es denn liegt. Die Ergebnisse dieser Analysen: "Wir haben eindeutig eine zu jugendliche Wahrnehmung", Characters und Emotions überstrahlen die technische Leistungsfähigkeit völlig, die Produktvorteile werden nicht verstanden, Trägheit der Freunde.

Herzchen-Heidi!Er kam zu dem Schluß, daß ComBOTS als geschlossenes Netz nicht durchsetzbar ist. Nebenbei übersetzte er spontan auf eine Nachfrage "Instant Messenger" mit "Sofortiger Nachrichtenübermittler". Greve stellte noch heraus, daß sie schnell reagiert haben, schließlich war der Launch erst im März - doch ich frage mich natürlich, ob sich das alles nicht schon in der Beta-Phase abzeichnete?!
Nach der Analyse folgten die Maßnahmen, die ergriffen wurden um doch noch die Weltherrschaft zu ergreifen Weltmarktführer zu werden. Man gestaltete den ganzen Auftritt erwachsener - schade, keine Heidi mehr. Naja, so schlimm ist es selbstverständlich nicht, nur dreht sich nicht mehr alles nur um Heidi, sondern Heidi muß nun in der letzten Reihe Platz nehmen und sich unauffällig verhalten. Dem Leiter des Rechenzentrums Herr Thöne, der sich letztes Jahr mit Heidi rumschlagen mußte ist das bestimmt nicht unrecht. Es wird nicht mehr über diese lustigen bunten Figuren gesprochen - sie sind zwar noch da, aber mehr nicht. Darüber könnte man sich freilich wundern, wenn man noch weiß, daß es im letzten Jahr hieß, daß "der Shop an sich die Hälfte des Geschäftsmodells darstellt". Außerdem gibt es nun eine Kurzanteilung (... wir erinnern uns, Wikipedia-LinkO-Ton Greve 2006: "Wir hassen Handbücher."). Wirklich wichtige Neuerungen sind jedoch die Integration anderer Wikipedia-LinkIM-Protokolle, so daß ComBOTS einer unter vielen Wikipedia-LinkMulti-Protokoll-Clients wird - so aber wenigstens auch dann benutzt werden kann, wenn die Freunde andere Systeme benutzen, und die verbesserte Telefonie. Nun wird auf Wikipedia-LinkSIP gesetzt und kein proprietäres Protokoll mehr eingesetzt. Und man sieht sich nun tatsächlich im Wettbewerb mit SkypeSkype und Konsorten, wobei die SIP-Unterstützung als Alleinstellungsmerkmal herhalten muß. Eine weitere, vielleicht sogar tatsächlich praktische Funktion, ist FileSync. Das werde ich mir wahrscheinlich auch mal anschauen und testen.
Aber damit noch nicht genug, es gibt auch schon eine Beta-Version von ComBOTS mobile für einige Mobiltelefone, die Java können. Version 1.0 ist für September 2007 geplant.
Überhaupt, das dritte Quartal wird entscheidend! Denn alle erwähnten Maßnahmen sind bereits umgesetzt und der Fokus liegt nun auf der Nutzergewinnung. "Wir müssen raus aus dem Tal der Tränen."
Abschließend stellte Greve nocheinmal fest: "Die Situation ist nicht befriedigend, aber wir arbeiten daran, das doch noch in einen Erfolg zu verwandeln."

Geschäftsbericht von vornKurz nach elf schritt Herr Gratzl zur Tat: "Keine Umsätze und ein hoher Verlust." Auch er wiederholte, daß sie alles andere als zufrieden sind. Außerdem merkte er an, daß sie viel Kapazität vorhalten, was natürlich auch viel Geld kostet. Zudem sprach er dem bisherigen Produkt die Marktfähigkeit ab. Interessant auch: "Solange der Produkterfolg nicht eingetreten ist werden wir nicht weiter investieren." Naja, man hat im letzten Jahr ja auch genug investiert - immerhin liegt der Wikipedia-LinkEBIT bei -43,1 Millionen Euro. Aber man hat ja auch ein tolles Rechenzentrum mit Servern und Rudern? Rudern? Vielleicht meinte er "Routern", aber bei "Rudern" kam mir sofort das Bild einer Galeere in den Kopf. Ob man wohl eine Gemeinsamkeit zwischen dem ComBOTS Rechenzentrum und einer Galeere finden kann, außer den Rudern? Egal, weiter im Text. Trotz dieses immensen Verlusts liegt das Eigenkapital bei 488 Millionen Euro, die liquiden Mittel bei 462,7 Millionen Euro, wobei 290 Millionen Euro davon die Anteile an United Internet sind. Übrigens beträgt der nichtrealisierte Wertzuwachs der United Internet Anteile 102 Millionen Euro. Alles in allem ist ComBOTS jetzt mehr Wert als im letzten Jahr, die "Allianz mit UI hat sich für uns außerordentlich ausgezahlt".
Deswegen hat man immer noch genug Geld um die "überlegene digitale Kommunikationslösung" weiter zu finanzieren. Für 2007 ist ein Vorsteuerverlust von 27 Millionen Euro geplant, für 2008 und 2009 ähnliche Werte. Im Jahr 2010 will man dann mit 2 Millionen Kunden die Gewinnschwelle erreichen (im letzten Jahr wurde noch gesagt "so sei man "schon bei einer Million Nutzer" in den schwarzen Zahlen.").
Als Schlußsatz seines Berichts stellte Gratzl fest, daß die Geschäftsentwicklung enttäuschend sei und ein steiniger Weg vor uns liege.

Um halb zwölf folgte der Auftritt von Herrn Hornberger. Er stellte fest, daß der Gewinnverwendungsbeschluß aus dem letzten Jahr von einem gewissen Herrn Zapf angefochten wurde. Inzwischen weiß ich auch, wer dieser Herr Zapf ist, nämlich der bereits oben erwähnte Langhaarzausel. Es soll hier nicht um Zapf gehen, aber ich nutze die Gelegenheit, um ein paar Verweise zu setzen, auf daß sich jeder sein eigenes Bild von dieser eigenartigen Gestalt machen kann: Wie Klaus E. H. Zapf durch Mitgefühl und Gerechtigkeitssinn Millionär wurde. - ein Märchen, "Suche Millionär", Der Umzieher, Die Zapf-Story,
Klaus Zapf: "Klar bin ich ein Spießer", weiteres siehe Google-LinkGoogle.
Hornberger erwähnte auch, daß das Gericht in erster Instanz das "protokollierte Auskunftsverhalten bemängelte". Auch interessant zu wissen. Er wiederholte das, was er auch schon in den letzten Jahren gesagt hatte: Es gibt keine Dividende, schließlich braucht man das Geld für die Zukunft des erfolgreichen Produkts. Man habe ohnehin nur 150 Millionen Euro verfügbare Mittel. Nur?! Der Aktionär Strenger hatte dagegen den Antrag gestellt den Bilanzgewinn komplett auszuschütten. Darauf werde ich später wahrscheinlich noch zurückkommen. Weiter erklärte Hornberger, daß der Aktienrückkauf bis 10% fortgesetzt werde. Was man dann mit dem Aktienpaket machen wird wisse man noch nicht, mir erschien die Einziehung und Herabsetzung des Grundkapitals am wahrscheinlichsten. Im Zusammenhang des Rückkaufs ließ er die Bemerkung fallen, die "Aktie sei auf attraktivem Niveau", worauf aus dem Aktionärskreis der Zwischenruf "Heuchler!" zu hören war. Später stellte Hornberger nochmal klar, daß er mit "attraktivem Niveau" natürlich nur attraktiv für den Rückkauf meinte. Und da hat er ja durchaus recht.

Danach folgten kurze Stellungnahmen zu den bisherigen Anträgen. Zum zweiten Quartal könne man noch nichts genaues sagen und englische Fachbegriffe würden jeweils erläutert. Anschließend wurde die Präsenz erstmalig verkündet, sie lag bei 67,954% des Grundkapitals.
Dieser kurze Block wurde mit der "Bitte um Sachlichkeit und Kürze von Wortmeldungen" beendet.

Um dreiviertel Zwölf begann schließlich die Diskussion. Als erster positionierte sich Herr Labriga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. am Rednerpult. Am Tag nach der HV, als ich mich mit einem Freund über die Veranstaltung unterhielt, meinte dieser, daß "der erste" auf ihn wie ein Politiker wirkte. Diese Einschätzung ist irgendwie nachvollziehbar, doch zählte Labriga für mich noch mit zu den angenehmsten Rednern, wahrscheinlich auch, weil er sprachlich angenehm anzuhören war. Jedenfalls hatte er eine Rede vorbereitet, doch die konnte er jetzt nicht halten, weil sie nicht mehr paßte. Schade, schade - doch das hinderte ihn natürlich nicht spontan große Reden zu schwingen. So begann er seine Ausführungen mit dem Satz "Ich fühle mich ab heute als Internet-Guru", denn "ich hatte es ja gleich gesagt ..." [daß das Konzept so nicht aufgehen würde]. Und vor allem sei diese Strategieänderung "Wikipedia-Linkad hoc pflichtig" gewesen. Um das Thema Wikipedia-Linkad hoc Pflichtigkeit wird es im Verlauf der Diskussion noch öfter gehen, um nicht zu sagen ständig. Seine Bemerkungen waren schon teilweise fies, wie auch der Satz "Wir sind jetzt also besser als Skype, obwohl wir Videoprotokolle nicht können?" Nett fand ich auch "Es freut mich immer, daß sich mein BWL-Studium doch auszahlt ...", weil er meinte Grundlagen der BWL würden bei ComBOTS nicht unbedingt beachtet. Ganz beiläufig meinte er auch noch, man solle doch bitte [Resurcen] und nicht [Resorcen] sagen, aber das war wirklich nur eine Randbemerkung. Beim Satz "Wissen Sie: So geht's nicht." mußte ich an meine ehemalige Englisch-LK-Lehrerin denken, die auch immer wieder zu sagen pflegte "So geht's net!".
Man kann dem werthen Herrn viel vorwerfen, aber sprachlich hat er mir gefallen. Er schloß seine erste Wortmeldung ab, indem er feststellte: "Grandios scheitern ok, aber mit eigenem Geld!" - naja, die Greve-Brüder sind ja mit über 50% beteiligt ...

Nun trat Herr Strenger als Privataktionär nach vorn, um seine Fragen loszuwerden. Auch er war der Ansicht, daß es eine ad hoc-Meldung hätte geben müssen. Er bermerkte zwar anerkennend, daß die Rede entwaffnend offen war, relativierte das jedoch sogleich, denn "der Markt wußte das schon länger". Sodann folgte sein Antrag, den Bilanzgewinn in voller Höhe auszuschütten - Cinetic könnte ja auf ihren Anteil verzichten. Greve sagte später dazu, daß er keinen Grund sähe, warum die Cinetic, deren Geschäftsführer er ist, auf ihre Anteile der Ausschüttung verzichten sollte.
Im Gegensatz zum Vorstand hatte Strenger, der ja selbst in der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex sitzt eine deutsche Übersetzung für "Corporate Governance" bereit: Gute Unternehmensführung und Kontrolle. Passend dazu äußerte er auch Zweifel an der Unabhängigkeit des Aufsichtsrats. Daß zumindest Felix Greve nur schwer als unabhängig angesehen werden kann ist offensichtlich. Auch bei Herr Reiter äußerte er ernste Zweifel. Der einzige, bei dem keine direkten Probleme sah bzw. dessen Unabhängigkeit zu klären wäre war Herr Schlagenhauf - der grinste auf dem Podium. Strenger meinte sogar, daß deswegen ein Bußgeld nach dem Corporate Governance Codex drohen könnte.
Zu guter letzt, nachdem er noch darauf hinwies, daß Wertpapier über ComBOTS etwas mit "endloser Sinnsuche" titelte schlug er die Auflösung der Gesellschaft vor, denn "alles Geld, was im Unternehmen verbleibt unterliegt akuter Verbrennungsgefahr".

Wie der folgende Aktionär hieß weiß ich leider nicht mehr, aber dafür, was er sagte - und das ist schließlich die Hauptsache, strenger genommen geht es hier nur um Fakten. Auch dieser leitete seine Rede mit einem Lob ein und zwar an Gratzl. Dieser habe sich wahrlich Mühe gegeben mit den englischen Begriffen. Doch regte er sich über Hornbergers Äußerungen bezüglich des "attraktiven Kurses" auf, doch das hatten wir ja oben schon geklärt. Auch der Geschäftsbericht fiel in Ungnade - schließlich muß man ihn um 90° drehen um ihn lesen zu können, das geht natürlich nicht! Gut gefallen hat mir der Vorwurf: "Ihre digitale Revolution hat keiner verstanden."
Und schon wieder wurde das Thema ad hoc-Meldung ins Spiel gebracht, jedoch auf eine andere Art, denn der Redner behauptete, es habe vor einigen Monaten eine ad hoc-Meldung mit der Aussage "Wir sind erfolgreich" gegeben, die nicht zurückgenommen wurde. Doch er hatte noch mehr auf Lager. Er forderte Ausstiegsmöglichkeiten zu fairen Preisen, präzisierte das aber so weit ich mich erinnere nicht genauer - wozu auch?
Er kommentierte weiter, daß das Geschäftsmodell, den Kunden kein Geld abzunehmen im Zweifel relativ kundenfreundlich sei. Das sehe ich auch so. Auch dieser Aktionär fragte nach dem Abhängigkeitsbericht des Aufsichtsrats. Das war ein weiteres heißes Thema während des ganzen Tages. Sodann forderte auch er Zahlen für den Bericht des zweiten Quartals 2007. Aus einer eher hinteren Reihe war der Zwischenruf "Kürzer!" zu hören, worauf der Redner erwiderte "Das könnte zum Problem werden ...", worauf der nächste "Schneller!" rief. Oh, nun fällt es mir wieder ein, es müßte wieder Herr Labriga gewesen sein. Nun lobte er auch die Vorstände: "Sie sind preiswert in Ihrer Arbeit." Wenigstens etwas! Doch dafür wollte er genaueres zu den Aufsichtsratsbezügen wissen. Und er wunderte sich, wer Herr Stiegeler denn überhaupt sei. Abschließend stellte er noch fest: "Mit der Jahreszahl 2010 hatte sich schonmal ein deutscher Bundeskanzler versucht ..."
Erneut erschallte ein Zwischenruf, wohl als Reaktion auf die Anregung, das United Internet Aktienpaket nach unten abzusichern: "Vollkaskomentalität!" Auch gut.

Der aufmerksame Leser weiß, daß Herr Appel bei Hauptversammlungen der ComBOTS/WEB.DE AG kein Unbekannter ist. Dieser hatte nun seinen ersten Auftritt und beschwerte sich zuerst über die Rednerreihenfolge. Doch leider darf der Leiter der Sitzung diese nach eigenem Ermessen festlegen. Aber damit nicht genug, die Formalien waren ihm auch zu langatmig. Und gleich darauf attackierte er Herrn Reiter noch mit der Bemerkung: "Herr Reiter, ich kann von ihnen keine spontane Tätigkeit feststellen." Und ich frage mich: Na und? Mir wäre bei manchen lieber, ich könnte bei ihnen keine "spontane Tätigkeit" feststellen ... aber mir blieb keine Zeit mich länger diesem Gedanken zu widmen, denn schon brachte er die nächste überaus gewichtige Beschwerde vor. Wie konnte sich die ComBOTS AG erdreisten zum wiederholten Mal die Hauptversammlung so unmenschlich früh anzusetzen, daß man nicht mit dem "Baden-Württemberg-Ticket" anreisen konnte. Eine schiere Unverschämtheit ist das geradezu!
Auch er reihte sich in die Reihe derer ein, die die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats anmahnten: "Sie stecken alle unter einer Decke!"
Die Geldverbrennungsgefahr, die ein Vorredner konstatierte schien ihm gefallen zu haben. Er warf dem Unternehmen, zu Recht, vor, spekulativ riesige Rechnerkapazitäten aufgebaut zu haben und schob gleich nach, daß das Produkt auch in Zukunft keinen Erfolg haben wird. Erstaunt war ihm auch aufgefallen, daß auf dieser Hauptversammlung keine ComBOTS-Fahnen vor der Halle wehten. Und der Geldverbrennung setze er fast noch eins oben drauf: "Das neue Produkt ist eine reine Geldvernichtsungsmaschine." - Bisher durchaus korrekt. Und auch er schlug eine Auflösung der Gesellschaft vor. Er behauptete von einem attraktiven Kurssicherungsangebot für das United Internet-Aktienpaket von der ABN Amro-Bank zu wissen, das das Unternehmen abgehlehnt habe. Und er wußte auch noch, daß ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren unter dem Stichwort WEB.DE eröffnet worden sei - wovon der Vorstand und der Aufsichtsrat jedoch noch nichts wußten. Als nächstes Folgte eine Mathematikstunde mit dem Thema der wundersamen Aktienvermehrung. Das hörte sich natürlich alles beeindruckend an und stimmt auch, aber das war eigentlich nichts Neues, weil sich die große Vermehrung durch Gratisaktien um den Faktor 75 noch vor dem Börsengang abspielte. Anerkennend stellte er fest: "Beeindruckend, wie Sie ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben.", worauf es einen weiteren Zwischenruf gab: "Das waren Elefanten!"
Nach seinen Berechnungen hatte der Emmissionspreis pro Aktie bereinigt um die Gratisaktien rund 4500 EUR betragen. Das alles sei doch eine "Geldvermehrungsmaschine für Gründer zu Lasten des Streubesitzes". Folgerichtig sein Schlußsatz: "Liquidieren Sie die Gesellschaft!"

Damit war um dreiviertel eins der erste Fragenblock abgeschlossen und es folgten die Antworten. Gratzl präsentierte eine umfangreiche Excel-Tabelle, begann da mit Planzahlen für die Benutzer. Anfang 2008 sollen es also 396000 sein, Ende 2008 schon 3956000, Ende 2009 dann 13742000, Ende 2010 31181000, Ende 2011 55630000 und Ende 2012 schließlich 81173000. Ein neues Wort habe ich bei seinen Ausführungen auch gelernt: dict.leo.orgChurn - "neudeutsch Verlust", siehe auch Wikipedia-LinkChurn Management. Japan und Korea sind natürlich interessante Zielmärkte, einleuchtend. Die nächsten interessanten Zahlen sind die der "Bezahluser": 2008 sollen es 10880 sein, 2009 schon 176980, 2010 bereits 673840, 2011 dann 1736210 und 2012 schließlich 3920070. 2010 will man dann das erste positive Jahresergebnis verzeichnen.
Warum allerdings Domainkosten mit 50000 EUR angesetzt sind ist mir nicht ganz klar, das scheint mir ein wenig hoch - aber ich weiß ja nicht, was da alles miteingerechnet wurde. Nur für Domains kann es kaum sein. Ach übrigens, die Zahlen sind alle nur der "Base Case", auf die Darstellung des "Best Case" verzichtete Herr Gratzl freundlicherweise.

Nun wurde auf weitere Fragen eingegangen. Der nicht öffentliche Abhängigkeitsbericht würde hier nicht vorgetragen, Herr Greve würde gerne weiter im Vorstand bleiben und eine vorgeschlagene Namensänderung in "GlasBOTS" würde nicht durchgeführt werden.
Nach Beurteilung des Vorstands wäre eine ad hoc-Mitteilung nicht zulässig gewesen, schließlich war alles nur eine laufende Ergänzung und Aktualisierung des Produkts. Außerdem gab es eine Definition von Beta: noch nicht in den Markt eingeführtes Produkt. Dafür wurde aber viel Aufwand getrieben ... Auch wurde geduldig beantwortet, wann der Aufsichtsrat getagt hatte und wie hoch das Sitzungsgeld ist. Zur wiederholten Frage nach der Auflösung der Gesellschaft wurde lapidar festgestellt, daß dies nicht die einzige Lösung sei.
Herr Hornberger war bei seiner nächsten Antwort bezüglich der Dividendenpolitik ungewöhnlich unsicher, oder äh zumindest äh gebrauchte er äh mehr "ähs" als äh sonst.
Interessant vielleicht noch, daß ComBOTS zur Zeit rund 150 Mitarbeiter hat. Zu den Rechnerkapazitäten wurde festgestellt, sie sind der planungsgerechten Skalierungsanforderung entsprechend. Das mag sein, aber daß der Plan auch nur in Ansätzen realistisch ist darf bezweifelt werden.

Weiter ging es mit Wortmeldungen. Ein Herr Scherpe, der auch schon in den vorigen Jahren auffällig geworden war trat nach vorn. Auch er bedankte sich brav, und zwar für die Installationshilfe auf dem Notebook seines Sohnes. Doch kritisch ließ er fallen, daß der lange Weg, bis es endlich lief, vieles erkläre. Außerdem kann ich der werthen Leserschaft einen Kommentar seines Sohnes, den er zumindest sinngemäß zitierte nicht vorenthalten: "Es gibt doch genug Produkte, die wenigstens funktionieren ..." So sieht's nämlich aus.

Nun kam, in meinen Notizen hab ich ihn mit "Der Gammler" überschrieben, weil ich seinen Namen verpaßt hatte, aber weiter oben habe ich ihn schon erwähnt - er ist kein Gammler sondern Millionär, ein linker Millionär. Doch das ist alles nicht Gegenstand dieser Hauptversammlung, aber ein wenig über sich erzählt hat er zu Beginn seiner Rede trotzdem. Er sei bundesweit bekannte dafür, rumzustressen und Langeweile sei sein Feind. Nun polterte und schrie er ein wenig herum, erwähnte das Google-LinkHolzmüller-Urteil und sagte abschließend: "Ich steh nicht hier wegen Geld, sondern weil ich Spaß daran habe." Die meisten anderen hatten an seinem Auftritt vermutlich weniger Spaß. Ach, und ComBOTS ist sein Hobby.

Irgendwann während einer Fragerunde war ich mal draußen, eine Kleinigkeit essen und etwas trinken - nach vier Stunden ohne Pause kann man sich auch mal eine Auszeit gönnen. So schlenderte ich ein wenig durchs Foyer und ging eigentlich nur interessehalber an den Infotisch. Dort erfuhr ich, daß ich 3 EUR bekommen könnte, weil ich mit der Bahn angereist war. Aber hallo, da sagt man nicht nein. Vielen Dank an den Wikipedia-LinkHohlbein-lesenden Infotisch-Comboteur, der mich darauf hinwies. Und natürlich habe ich noch ein paar Herzchen mit Heidi eingepackt, wenn das Herzchen selbst schon nicht mehr erschienen war. Aber es gab ja genug andere ansehnliche Combotanten, aber dazu später mehr.

Der nächste Aktionär war mir irgendwie sympathisch und erntete erstmal Beifall, als er seine Rede damit begann anzumerken, daß ihn nerve, daß sich immer wieder Leute hier profilieren wollen. Leider kam er bisher nicht in den Genuß von ComBOTS, weil er AppleÄpfel zählte oder Windows Me benutzte. Das machte ihn schon fast traurig. Nun hat er Vista und ist damit nicht glücklich. Ja, das Leben ist hart. Nach seinem Klagelied über das große Softwareunternehmen aus Redmond meinte er, daß er zwar auch ein erwachsener Mann sei, daß er aber ab und zu das Kind im Manne bedienen wolle, weswegen er die lustigen bunten hüpfenden Dinger toll fand. Schließlich stellte er tatsächlich noch eine Frage und zwar zum Thema Patentanmeldungen.

Nach diesem eher angenehmen Zeitgenossen mußte natürlich wieder einer der anderen Sorte kommen. Er bezeichnete das alles als Trauerspiel. Und, ganz wichtig: "Hab ledschdes Jahr scho gsagt: Komboschd - des isch nix."
Daß er sich wunderte, warum man für neun Mitarbeiter so ein großes Gebäude braucht lag wohl an seinem Unvermögen richtig zu lesen. Danach degradierte er alle Aktionäre zu Laiendarstellern. Und in Anlehnung an irgendeine Geschichte sagte er salopp: "'Die Durlacher im Himmel' - das sind die Greves." Um den Kontrast noch stärker werden zu lassen meinte er noch "ich bin ein ganz kleiner", schließlich habe er nur wenige Aktien. An seinen Vorredner gewandt sagte er: "Sie sind ein Traumtänzer." Und nicht zu vergessen: "Des scheiß Licht isch sowas von penetrant." Oder auch: "Wie sich die Familie Greve bereichert hat - des ist doch zum Kotzen." Passend dazu, wir erinnern uns an das Stichwort "Würstel-Dividende" meines Sitznachbars aus dem letzten Jahr, forderte er die Aktionäre auf: "Gehen se zum kalten Buffet, essen sie Brezeln, holen sie sich so ihre Dividende - mehr gibts nicht."
Eine weitere Aussage, die meiner Ansicht nach völlig unzutreffend ist konnte er sich auch nicht verkneifen: "Kinner bringet kein Geld." Warum verdienen sich dann diverse dubiose Handy-Müll-Firmen eine goldene Nase?
Doch die Erlösung nahte, vor seinem spektakulären Abgang, bei dem er theatralisch seine Stimmkarte zerriß, schlug er noch ein neues Geschäftsmodell vor: "Baut Windräder oder Solarzellen."

Wind machen können sie ja auch ohne Räder schon ganz gut, das haben sie im letzten Jahr bewiesen. Der nächste Aktionär hielt sich kurz, lobte Michael Greve nochmal für die Produktvorstellung im letzten Jahr und sprach sich für mehr Marketing, Fernsehwerbung, aus. Dann kam er noch mit "einer Frau Hilton" an, "die nichts zu bieten hat", aber ständig in den Medien präsent ist.

Bevor der politikereske Labriga seinen nächsten Auftritt hatte gab es ein wenig Lob und Hoffnung. Zu Beginn zitierte er seinen Architekten: "Machen Sie das, was Sie am Besten können, dann gelingt's am besten." Er bekundete die Hoffnung noch nicht verloren zu haben und, daß er dabeibleiben wolle. Außerdem habe die Familie Greve ihre Anteile bisher nicht versilbert. Was er mit seinem Witz am Ende genau sagen wollte ist mir nicht ganz klar, aber es ging um einen Ballonfahrer - "die heißen nämlich Fahrer" - der sich verfahren hatte. Er ließ viel heiße Luft raus und sank, schließlich unten angekommen fragte er einen Fußgänger, wo er sich befinde. Dieser antwortete: Zwanzig Zentimeter über dem Boden, in einem Korb mit einem Ballon darüber. Der Redner kommentierte, daß die Antwort zwar richtig war, jedoch nicht hilfreich. Vielleicht spielte er damit auf das mitunter dürftige Antwortverhalten des Vorstands an.

MacBook-BerichtWie schon angesprochen betrat nun wieder Herr Labriga die Bühne. Er kritisierte den Businessplan und analysierte kurz die Stellschrauben für die Benutzerzahlen. Außerdem nannte er zwei Konkurrenten, zum einen Oroni, aus denen wohl auch nichts geworden ist und IMVU, mit 3D Avataren - der hat nach Labriga rund 1 Million Nutzer. Zu ComBOTS sagte er: "Ich bin an sich begeisterungsfähig, aber hier ist mir das nicht gelungen." Aber in FileSync sieht er auch ein gewisses Potential. Zum Thema Strategiewechsel und ad hoc-Meldung ärgerte er sich über die "rechtlich motivierte Mißdarstellung" - "Für irgendwas muß doch Sprache gut sein." Weiter mäkelte er, daß die Papierform schon schlecht, daß die Darstellung hier auf der HV aber noch schlechter sei. Er würde sich eine E-Mail-Integration wünschen - darin sehe ich keinen großen Vorteil, natürlich könnte man E-Mail und IM in einem Programm vereinigen, aber das Bedürfnis habe ich garnicht. Einen Markt dafür mag es geben, zumal das wieder eher ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Wettbewebern wäre. Ihn stört auch, daß sein Aragorn Lars heißt - das paßt ihm alles irgendwie nicht mit den Charakteren aus Filmen, die dann seine Freunde repräsentieren sollen. Das mag Geschmackssache sein, daß es ComBOTS weder für Mac OS noch für Linux gibt ist ein großer Minuspunkt (wir erinnern uns: eine Version für Mac OS X soll es, gemäß der Auskunft im letzten Jahr, erst in einigen Monaten geben - einige Monate können auch 5 Jahre sein ...). Weiter wunderte er sich auch, warum Michael Greves Bruder nicht mehr im Unternehmen ist bzw. warum es keine Kooperation mit der alten Marke WEB.DE gibt - es gäbe schließlich keinen peinlicheren Kritiker als den eigenen Bruder. Aufgrund eines Berichts wirft er den (Haupt-)Speicherbedarf als Problem in den Ring. Sein Einwand, daß das, was so revolutionär neu war - das Gewand mit Heidi und ihren Freunden - jetzt weg ist ist meiner Ansicht nach auch berechtigt. Damit verachte ich natürlich die tollen technischen Innovationen - doch bis auf FileSync kann ich im Vergleich zu anderen IMs auch keine finden. Warum er sich an der Übertragung der HV im Internet stört konnte ich nicht nachvollziehen. Den Vorstand wollte er jedenfalls nicht entlasten. Auch er merkte an, daß eine börsennotierte Aktiengesellschaft vielleicht die falsche Rechtsform für das Unternehmen sei. Ein wenig sarkastisch, vielleicht, forderte er eine Demonstration: "Ineinandergreifende Muster von Fischen und Fröschen, die mich auch noch anlächeln, je nach Stimmung - das will ich sehn." Der Satz war zwar nicht nett, aber lustig anzuhören. Des weiteren erkundigte er sich danach, wieviel Lizenzkosten man für die Figuren noch zahlen müßte, und daß dies nun quasi Wikipedia-Linksunk costs seien.
Ich kann nur immer wieder sagen, daß Labriga mit seinem Hang zu bildlicher Ausdrucksweise sprachlich eine Wohltat war. "Sie haben nicht nur alle Eier in einen Korb getan, sondern überhaupt nur ein Ei." - für manche vielleicht eine abgedroschene Phrase, für mich noch nicht, und so einen Spruch kann man bestimmt mal brauchen. Und wieder die Frage danach, ob man das Unternehmen nicht beenden sollte. Schließlich wollte er noch wissen, wer die Reißleine gezogen habe. Daß überhaupt eine gezogen wurde wird später natürlich verneint. Eigentlich ärgert ihn, wie schon ganz am Anfang, vor allem der "ad hoc-Quatsch". Vor seinem Schlußsatz, in dem er meinte, er denke auch gerne positiv, sagte er noch zu einem möglichen juristischen Vorgehen gegen ComBOTS: "Kapitalmarkthygiene will ichs fast nennen."

Nun geschah etwas seltenes, zumindest selten in dieser Hauptversammlung. Eine Frau trat an das Rednerpult und meinte auch etwas sagen zu müssen. Sie stellte zwar eine interessante Frage nach User-Zahlen in der Beta-Phase, aber nach ihrem ersten Satz war sie bei mir an sich schon unten durch. Das beste was ihr wohl einfiel war "Oh, Frauen sehe ich hier auf dem Podium keine, was sagt denn die Kommission dazu?" - mit Kommission meinte sie natürlich die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex der Aktionär Strenger angehört.

Dieser ergriff sogleich nach ihr wieder das Wort. Weiter oben erwähnte ich bereits, daß Labriga auf einen Freund wie ein Politiker wirkte, im Gegensatz dazu wirkte Strenger strenger, nämlich wie ein Pfarrer. Eigentlich ganz passend diese Vergleiche, wenn man sich die beiden nochmal ins Gedächtnis ruft. So rief er die Unternehmensführung bisher vergeblich zur Umkehr, erinnerte deswegen erneut an seine Fragen und drohte noch mit dem Teufel der Bilanzpolizei, der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung DPR, die sich bei ungenügender Stellungnahme bestimmt für ComBOTS interessieren wird. Ich fand Strenger ja wirklich nicht schlecht, aber seine Vorrednerin hätte er nicht loben müssen, oblgeich er feststellte, daß der Kodex neutral gehalten sei.

Nachdem er sich schon zu Beginn zu Wort gemeldet hatte äußerte sich Herr Buhlmann nun erneut, doch erst mußte er sich gegen die falsche Aussprache seine Namens wehren, er will schließlich nicht mit Edelgard verwechselt werden.
Er mahnte die Qualität der Antworten generell an, und störte sich, natürlich, an der Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Seiner Ansicht nach hätte die HV sowieso früher stattfinden müssen. Außerdem sagte er an das Podium gewandt: "Sie können mich auf den Arm nehmen, aber oben halten können Sie mich nicht." - Auch ein netter Satz. Das Pult fand er für seine alten Augen ein wenig zu niedrig, aber das war noch das geringste, was er zu klagen hatte. Weil die Zahlen für das zweite Quartal immer noch nicht offen gelegt wurden bemerkte er, daß beim ersten Quartal 59 Tage nach Quartalsende der Bericht bereits vorlag und stellte fest, daß es nun 52 Tage nach Ende des zweiten Quartals wären, und fragte ein wenig provokativ: "Waren es die Osterfeiertage, Herr Hornberger?" Doch der Gipfel folgte darin, daß er sich, immer noch an das Podium gewandt, für deren Kommen bedankte.

Erneut war die Zeit der Antworten gekommen. Was ich bisher noch nicht erwähnte, was jedoch eine Erwähnung verdient: Auf dem Podium hatte jeder ein Thinkpad vor sich stehen. Die wissen schon, was gut ist ... Nun wurde endlich beantwortet, warum man in diesem Jahr außen keine Werbung angebracht hatte: Die HV ist ja sowieso nur für die Aktionäre, die wissen es ja. Zum Thema Patente verwies der Vorstand auf das DPMA, führte jedoch beispielhaft einige Namen an. Zum Thema Oroni, was Labriga ja als (ehemalige) Konkurrenz anführte und wo es möglicherweise Patentverletzungen geben könnte wurde gesagt, daß deren Patente einfach gekauft wurden - obwohl sie nicht verletzt wurden.
Zur Stimmung der HV sagte der Vorstand, daß sie diese natürlich wahrnehmen und auf eine erfreulichere HV im nächsten Jahr hoffen.
Ach und übrigens, das Ziel ist die Markführerschaft bis 2014. Zur Frage bezüglich des Speicherverbrauchs sagte Greve, daß sie den Speicherverbrauch um 50% reduziert hätten und er nun bei etwa 60 MB läge. Ich finde das immer noch hoch, mein Skype braucht aktuell knapp 16 MB, Pidgin rund 22 MB. Außerdem gab Greve zu, daß Skype bezüglich Video-Telefonie im Moment natürlich besser sei. Hornberger erwähnte in irgendeiner Antwort noch twitter.
Inzwischen war etwa siebzehn Uhr, also ging das Theater schon sieben Stunden. Es wurde noch einmal deutlich gesagt, daß die Marktfähigkeit des Produktes bisher nicht bewiesen sei. Warum MSN allerdings als erfolgreicher Messenger erwähnt wurde kann ich nicht nachvollziehen, ich kenne eigentlich keinen vernünftigen Menschen, der MSN benutzt. Interessant war außerdem, daß es keinen Zeitpunkt gibt, an dem ComBOTS als gescheitert betrachtet wird, aber es gilt das dritte Quartal!
Den Forderungen nach Zahlen für das zweite Quartal wurde seitens des Vorstands die Tatsache entgegengehalten, daß der Bericht nach den gesetzlichen Vorgaben erst bis 31.08. veröffentlich werden müßte.

Nun habe ich eine kleine Lücke, da ich kurz im Foyer war - eine Kleinigkeit essen und trinken und sich mal kurz mit irgendjemandem unterhalten. Mein temporärer Nebensitzer, der ComBOTS - also den Aktienkram - als sein Hobby bezeichnet, ist überzeugt vom Potential und sich sicher, daß "die" noch irgendwas in ihren Schubladen haben. Die Forschungsausgaben in den letzten Jahren von WEB.DE seien so hoch gewesen, da sei bestimmt im Hintergrund schon etwas für ComBOTS vorbereitet worden. Vielleicht war comWIN an sich auch nur ein Techniktestballon? Auf solche Spekulationen lasse ich mich nicht ein, aber ich dachte, ich erwähne es mal kurz um die Phantasie meiner Leserinnen und Leser zu beflügeln.

Die wirklich interessanten Antworten habe ich dann jedoch wieder mitbekommen. Frau Müller hatte ja nach Nutzerzahlen gefragt, und genau die wurden auch genannt. Bis Ende der Beta-Phase (also von Juli 2006 bis März 2007) konnte ComBOTS 20000 "Benutzer" gewinnen, bis Ende Juni waren es dann 30000. Es wurde jedoch nicht dazu gesagt, wieviele davon ComBOTS wirklich regelmäßig nutzen, sich also alle ein bis zwei Tage einloggen. Ich werde da ja auch als Benutzer gezählt, obwohl ich ComBOTS bis heute seit Ewigkeiten nicht mehr gestartet hatte. Bei einem Versuch vor einigen Monaten klappte der Login nicht und nach mehreren Versuchen hab ich es dann gelassen. Nicht, daß ich damals ComBOTS "benutzen" wollte, ich wollte es mir nur mal wieder anschauen. Greve gestand auch ein, daß man aktuell nicht absehen könnte bis Ende 2008 800000 Benutzer zu haben. Wo immer er die Zahl 800000 in dem Moment auch her hatte.
Wichtig zu wissen ist vielleicht auch, daß es keinen Plan B gibt. Meine These ist ja immer noch, daß sie ComBOTS an die Wand fahren, ihnen dann aber eine neue Idee kommt, die tatsächlich wieder in einem erfolgreichen Produkt endet (Tom&Lily brachten mich im letzten Jahr auf die Idee einer Partnervermittlung). Das ist aber nur eine unbewiesene und mit keinerlei Fakten gestützte These.
Auf die Frage, was so Themen im Aufsichtsrat waren oder wie es mit einer Auflösung der Gesellschaft aussähe wurde geantwortet, daß sich der Aufsichtsrat wiederholt mit der Zukunft des Unternehmens befaßt habe. Auch gegen Vorwürfe der Faulheit wehrte sich der Aufsichtsrat, er sei intensiv in die Beta-Phase einbezogen worden.

KuliNun, nach 23 Seiten, wechselte ich meinen Stift, der alte zeigte schon deutliche Gebrauchsspuren.

Es folgten noch weitere Wortmeldungen, von alten Bekannten. Aktionär Appel brachte seine Anliegen noch einmal vor und beschwerte sich erneut über die Nulldividende..

Mein HerzJetzt, kurz nach viertel sieben gab es die erste Pause. Und was für eine. Aus angekündigten 20 Minuten wurden 30, aber das ist ja nichts Außergewöhnliches. Ich stand also an einem dieser Tische im Foyer und unterhielt mich mit meinem temporären Nebensitzer. Auf einmal nahm ich ein blondes Wesen voller Anmut und Schönheit im Foyer wahr, das mich anzusehen schien. Sogleich schwenkten meine Augen, wie von Geisterhand gelenkt, von meine Gesprächsparter weg auf diese kesse Hostesse. Ich war irritiert, denn sie kam mir bekannt vor. Aber es kann ja schonmal vorkommen, daß man einem eine schöne Frau bekannt vorkommt - "Kennen wir uns nicht?" - aber bei mir ist es grundsätzlich eher so, daß mich irgendwelche Leute grüßen, bei denen ich nichtmal in Ansätzen einordnen kann, woher ich sie kenne. Doch zurück ins Foyer. Da kam sie also langsam auf mich zu, und ebenso langsam arbeitete mein Kopf, bis ich endlich begriff, daß das ja die Ina war! Was für eine Überraschung. Da geht man nichtsahnend auf eine Hauptversammlung in Karlsruhe und trifft jemanden, mit dem man im Leben nicht gerechnet hätte. Seltsam auch, daß wir uns erst jetzt entdeckt haben, schließlich waren wir beiden schon den ganzen Tag da, aber ich saß ja auch die meiste Zeit drinnen. Jedenfalls hatte ich nun einen neuen Gesprächspartner für den Rest des abends gefunden


Innen ging es dann auch bald weiter mit den Antworten. Erneut wurde festgestellt, daß die Produktentwicklung ein permanenter Prozeß sei. Und wegen der Unabhängigkeit des Aufsichtsrats wurde festgestellt, daß es nicht Thema der HV sei, ob Herr Reiter Steuerberater eines Großaktionärs sei.

Zwischendurch meldet sich noch Herr Zauselapf zu Wort und fragt nach der Grundlage im Aktiengesetz für die Gewinnabführungsvereinbarung zwischen der ComBOTS Product GmbH und der ComBOTS AG.

Zur Frage mit der Reißleine wurde gesagt, daß nicht die Rede davon sein kann, daß irgendjemand die Reißleine gezogen hätte und Michael Greve stellte klar, daß Herr Reiter schon sehr lange Steuerberater der Cinetic GmbH sei.

Herr Labriga gab sich immer noch nicht zufrieden bezüglich des Zeitpunkts der Strategieänderung und äußerte genervt "das ist doch kein waberndes Kontinuum". Und er forderte erneut Zahlen für das zweite Quartal. Was ich bisher nicht erwähnte, was aber im Zusammenhang mit der Unabhängigkeit des Aufischtsrats immer mal wieder angeprochen wurde, war ein Stimmverbot für gewisse Großaktionäre bei gewissen Entlastungen. Herr Labriga hatte ja schonmal geäußert, daß er für eine E-Mail-Integration wäre, weswegen er noch kurz das Thema E-Mail aufgriff und erklärte: "E-Mail ist böse - da kommen Viren, da kommt Spam, da kommen blöde Witze - alles richtig" - trotzdem könnte man es doch mit einbauen.

Herr Reiter äußerte sich dann nochmal zu den Aufsichtsratssitzungen, denn ebenso, wie auch für die Strategieentscheidung im Vorstand wurde auch mehrmals nach einem Zeitpunkt jener Entscheidung im Aufsichtsrat gefragt. Er meinte, daß sie sich in jeder Aufsichtsratssitzung mit der Weiterentwicklung befaßt haben.
Nun wurde endlich die Hartnäckigkeit belohnt: der voraussichtliche Umsatz im zweiten Quartal lag zwischen 2000 EUR und 3000 EUR.

Und schon wurde die nächste Pause ausgerufen, in der ich mich wieder mit meiner Bekannten draußen unterhalten konnte. Als Michael Greve vorbeikam hat er sogar gegrinst.
Kurz vor acht ging es dann weiter mit Frage 167. Da gab es wenig Neues, es ging hauptsächlich wieder um den Aufsichtsrat.

Nach diesen kurzen Antworten ergriff Labriga wieder das Wort. Er fragte nichts Neues, formulierte nur neu: "Wann haben Sie entschieden die Werbestrategie auf Erwachsene umzustellen?" Und weiter: "Wollen Sie uns sagen, daß sie ein kontinuierlicher Vorstandsbeschluß sind zu dritt da vorn?" In diesem Punkt wird sich nicht mehr viel tun.
Spannend jedoch, daß der projektierte Umsatz für das zweite Quartal bei 200000 EUR lag, die externen Markterwartungen aber nur bei 20000 EUR lagen. Den tatsächlichen hatten sie ja schon vor ein paar Minuten verraten.

Ein letztes Mal legte sich Herr Strenger ins Zeug und schlägt vor, das Unternehmen von der Börse zu nehmen - dann müßten Sie auch nicht mehr solche Fragen beantworten.
Dann stellte auch Herr Labriga ein letztes die Frage nach einem Zeitpunkt für den Strategiewechsel, und wieder wurde ihm gesagt, es habe keinen Strategiewechsel in dem Sinn gegeben. Labriga wirft Herrn Greve nun Irreführung in seiner Präsentation vor, laut dem Vorstand besteht jedoch kein Widerspruch zwischen der Präsentation und den jetzigen Antworten. Also gab Herr Labriga die Frage samt Antwort zu Protokoll, mal sehen, wie das noch ausgehen wird.

Um halb neun wird die Generaldebatte dann, nach über zehn Stunden, beendet. Falls jemand keinen Kugelschreiber haben sollte könne er sich an der Kugelschreiberreserve am Wortmeldetisch bedienen. Aber jeder hatte seinen Stift. Die Präsenz hatte sich geringfügig geändert, nun waren 67,891% des Grundkapitals anwesend.

Notizen, Blatt 27Endlich konnte über die Tagesordnungspunkte abgestimmt werden, außerdem über drei Anträge des Aktionärs Strenger, die jedoch alle abgelehnt wurden. Die regulären Tagesordnungspunkte wurden jeweils mit über 99% der Stimmen angenommen.
In der vierzigminütigen Pause zwischen Stimmenabgabe und Ergebnisverkündung saß ich vorm Saal neben einigen Combotanten und Comboteuren, die alle froh waren, als endlich der letzte Akt begann. Als Hansjörg Reiter vorbeilief grüßte er sogar.

Um zehn vor zehn, also nach fast zwölf Stunden und 27 Seiten Notizen, war das Theater dann zu Ende.
Was für ein Tag. Ganz großes Kino. So funktioniert also die Welt?!

Aktuelles .. linken .. kommentieren (8) .. von Götz Bürkle am 22.07.2007 um 02:11:11 Uhr



MSN

Hallo,

zu MSN kann ich sagen, dass außerhalb von Deutschland und den USA quasi niemand ICQ benutzt. In quasi allen europäischen Ländern außer Deutschland ist MSN Standard.

Grüße
Carsten

.. geschrieben von Carsten .. am 26.07.2007 um 02:14:12

wie geil

Moin,

das ist ja besser als jeder Kindergarten *lach*
wie können die nur so viele Millionen verbraten? Das tut doch schon beim lesen weh und wenn man sich dann auch noch das Produkt anschaut tut es noch mehr weh...

Schöne Grüße
Ben

.. geschrieben von Ben .. am 26.07.2007 um 11:30:59

Plan B / Email_Integration

Es wäre interessant mal die Verträge zwischen 1&1 und der damaligen Web.de zu sehen.
Ich könnte mir vorstellen, dass 1&1 da Auflagen reingeschrieben hat um zu verhindern, dass Compbots mit dem Geld ihnen direkte Konkurrenz zu machen.
Darum müssen da evtl. Beschränkungen beachtet werden, die einem Außernstehenden gar nicht bekannt sind.

.. geschrieben von Hajo Sommerfeld .. am 26.07.2007 um 21:59:11

MSN, Verträge, ...

Hallo Carsten,

ich habe auch nachgelsen und erstaunt festgetsellt, wie verbreitet MSN sein soll. Gut finde ich es trotzdem nicht und wie erwähnt, ich kenne bislang keinen, mit dem ich in unbedingt Kontakt treten möchte, der es nutzt.

In den Verträge gibt es eine Wettbewerbsverbotsklausel, die wenn ich es mir richtig gemerkt habe, in diesem Jahr noch ausläuft - man dürfte kein zweites Web.de aufmachen - dazu wurde auf der HV auch eine Frage gestellt, aber wenn ich das auch noch erwähnt hätte, wär das alles ja noch länger geworden ;)
Doch ich meine mich zu erinnern, daß die Wettbewerbsverbotsklausel mit der Entscheidung bezüglich der Produktgestaltung nichts zu tun hatte, aber da bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher und zum Nachlesen ehrlich gesagt zu faul.
Es war auf jeden Fall zumindest kurz Thema einer Frage.

Grüße aus Karlsruhe,
Götz

.. geschrieben von Götz .. am 27.07.2007 um 01:08:19

vielen Dank für den anschaulichen Bericht

Hallo Götz,
...als wenn wan selbst dabeigewesen wäre (mit dem Grunderlebnis einer Versammlung).
Ganz großes Kompliment für Deinen Bericht.
Gruß aus Rheinzabern und weiter so
Frank

.. geschrieben von Frank .. am 27.07.2007 um 11:50:43

Großartiger Bericht

hat mich gleichermaßen amüsiert wie informiert. dankeschön!

| Brock

.. geschrieben von Brock Landers .. am 24.08.2007 um 02:55:00

"Gammler" musste auch mal einstecken

Der "Langhaarzausel" und "Gammler" musste vor Gericht auch mal eine Niederlage einstecken.

FAZ:
"Unerlaubte Handlung" - Berufskläger zu Schadensersatz verurteilt (von Joachim Jahn)

.. geschrieben von Hans .. am 20.10.2007 um 21:38:00

Danke

Hallo Hans,

vielen Dank für den Hinweis!
Ich hab Deinen Verweis mal anklickbar gemacht.

(Ja, irgendwann schaff ich es auch noch dazuzuschreiben, wie man Kommentare formatieren kann ;)

.. geschrieben von Götz .. am 20.10.2007 um 22:42:10



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zuletzt geändert von Götz Bürkle am 16.04.2008 ..

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