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bloggen » 06/2007

punktpunktblog

Respektlosigkeit der Gesellschaft

Zur Verwirrung des geneigten Lesers werde ich nun, zumindest kurz, wieder in das Hier und Jetzt springen, bevor ich mich weiter den Geschehnissen der Vergangenheit widmen werde.

Bekanntlich besuchte ich am vergangenen Montag ein Konzert. Nun ist das an sich nichts Besonderes, doch will ich mir endlich einmal die Zeit nehmen und meine Kritik formulieren, die ich schon länger in Gedanken mit mir durch diese Welt trage.

Zunehmend empfinde ich die Respektlosigkeit der Gesellschaft - natürlich ein etwas überzeichneter Allgemeinplatz - als Belästigung, oder zumindest als überaus unangenehm.
Doch stellt sich die Frage danach, was Respektlosigkeit darstellt. Dazu will ich einige Beispiele anführen, welche für mich Ausdruck dieser Respektlosigkeit sind. Ebenso muß noch gesagt werden, um Respekt wovor - denn Respekt hat immer ein Objekt - es mir geht. Ich meine hier ganz naheliegend den Respekt innerhalb der Gesellschaft, untereinander, zwischen Mitmenschen, Nächsten.

Es mag sein, daß ich auf manches etwas empfindlich reagiere, doch selbst dann finde ich die nachgenannten Erlebnisse in gewissem Maß respektlos, wenn auch vielleicht nicht so dramatisch, wie ich sie darstelle.

Wir erinnern uns, ich war auf einem Konzert. Auf ein Konzert geht man, so denkt man sich, weil man die Darbietung eines oder mehrerer Künstler, Menschen, in vollen Zügen genießen möchte. Doch es gibt auf nahezu jedem Konzert, das ich in den letzten Monaten besucht habe, immer wieder einige Menschen, die offensichtlich gerade nicht wegen eines Künstlers zu einem Konzert gehen, sondern weil sie wollen, daß die ganze Welt ihre Stimme hören kann, wozu sie die Plattform eines beliebigen Konzerts wählen.
Das kann man machen. Das mag den Einzelnen in der jeweiligen Situation mitunter nicht unbedingt so bewußt zu sein. Trotzdem finde ich drücken die Darbietung an Lautstärke übertreffende Dialoge eine Respektlosigkeit gegenüber dem Künstler, aber auch gegenüber den anderen Anwesenden aus, schließlich werden diese in ihrem Konzerterlebnis empfindlich gestört.

Der nächste Punkt bezieht sich auf ein allgemein gesellschaftlich anerkannts Laster, das Rauchen. Zur Ehrenrettug dieser Spezies sehe ich mich gezwungen wenigstens kurz anzumerken, daß es in meinem Bekanntenkreis durchaus rücksichtsvolle Zeitgenossen gibt, welche ihre Sucht oder auch nur ihr wollüstiges Verlangen dem Wohlbefinden ihrer Mitmenschen unterordnen. Doch das nur der Vollständigkeit wegen. Ich war immer noch auf jenem Konzert, in einer gewöhnlichen Lokalität in Karlsruhe. Ich stand eher am Rand und beäugte interessiert, was auf der Bühne vor sich ging. Es ging nicht viel vor sich, schließlich stand der Ton im Vordergrund, doch als aufmerksamer Zuhörer verfolgt man auch gern die Bewegungen, die jene Klänge, die auf einen einströmen, erzeugen.
So stand ich also eher am Rand, als sich zwei Menschen unmittelbar vor mir, sozusagen fast in meinem Blickfeld, positionierten. Das an sich wäre kein Verbrechen gewesen, mitunter freut man sich über angenehme Gesellschaft. Doch in diesem speziellen Fall drängte mich diese Gesellschaft zur Flucht in ein angenehmeres Umfeld, denn diese beiden, am Rande bemerkt weiblichen und ich meine französisch sprechenden, Gestalten unterhielten sich nicht nur in einer mein Konzerterlebnis störenden Intensität sondern sie verunreinigten vollkommen rücksichtslos den sowieso schon belasteten Luftraum durch mir unerträglichen Qualm. Natürlich hätte ich die beiden auf ihr vermeintliches Fehlverhalten aufmerksam machen können, doch das Fehlverhalten war ja nur rein subjektiver Natur, weswegen ich von einem Hinweis absah und mich lieber Stück für Stück von ihnen entfernte, bis ich wieder weniger verbrauchte Luft in meinen Lungen saugen konnte. Das Beunruhigende an diesem Abschnitt ist, daß jenes Erlebnis weniger ein Einzelfall als mehr die Regel auf derartigen Veranstaltungen ist.

Und ein weiteres Beispiel bezieht sich ebenfalls auf die Sphäre jener rücksichtslosen Luftverpester. Es scheint mir, man verzeihe mir den sprachlichen Fauxpas überflüssigerweise eine französische Phrase anzuführen, doch diese Stelle bietet sich geradezu dafür an, en vogue zu sein sich seine elendiglichen Glimmstengel mit altbacken anmutenden Streichhölzern anzustecken. Auch dies an sich eine Verhaltensweise, welche an sich nicht beanstandenswert wäre, obgleich von brennenden Streichhölzern ein deutlich intensiverer Duft ausströmt als von einem billigen Feuerzeug. Das, sogar meinem Urteil nach, wäre noch Teil der Freiheit eines jeden zu wählen, wie er sich langsam umbringen möge. Was mich jedoch ärgert ist, wenn am Ende außer unzählbaren abgerauchten Zigarettenfetzen auch noch abgebrannte Streichhölzer den Boden bevölkern, zumal ein auch nur glimmendes Streichholz auf einem Boden meiner Ansicht nach durchaus eine potentielle Gefahr für Leib und Leben - oder zumindest für den Boden - darstellt.

Doch auch in anderen Lebensbereichen wird Respektlosigkeit in unserer heutigen modernen Gesellschaft offensichtlich. Ich brauche nur "öffentliche Verkehrsmittel" zu sagen, und schon werden die meisten sich denken können, in welche Richtung die folgenden Ausführungen sich erstrecken mögen.
Man könnte behaupten, das gemeine mobile Telekommunikationsendgerät an sich sei schon ein Werkzeug des Teufels, um die tumben Menschen einander zu entfremden, da der persönliche Kontakt zunehmend durch allerlei Nachrichten und Ferngespräche ersetzt würde. Dies sei ferne von mir, denn diese kleinen Kästchen haben doch so manche Vorzüge und tragen nicht zuletzt oft zur Verbesserung der Kommunikation bei und ermöglichen so manche spontane Begegnung im Großstadtdschungel erst.
Was jedoch wirklich des Teufels ist sind diese inzwischen in jedem dieser Halbstarken-Spielzeuge integrierten miniaturisierten Brüllwürfel, mit welchen vorzugsweise - ohne nun eine spezielle Gruppe ins Zentrum rücken zu wollen - Jugendliche beiderlei Geschlechts mit vermutlich eher geringem Bildungsniveau und oft Migrationshintergrund ihre Umwelt mit gar abartigem Geheule zu belästigen pflegen. In der freien Wildbahn mag man jenen noch aus dem Weg gehen können, zumal sie sich ja lange ankündigen, bevor sie den eigenen Weg kreuzen, doch in öffentlichen Verkehrsmitteln fällt diese Möglichkeit ob der eher begrenzten Platzsituation oft aus.
Der findige Leser, der alles besser zu wissen meint könnte auf die Idee kommen und behaupten, daß jeder Mensch doch die Freiheit habe zu tun, was ihm beliebt. Die hat er wohl, doch zumindest ich habe gelernt, wo die persönliche Freiheit im Allgemeinen endet, nämlich da, wo sie dieselbe des Nächsten einschränkt oder gar beschneidet. Und ist es nicht meine persönliche Freiheit zu bevorzugen in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht von niveaulosem Fäkalvokabular belästigt zu werden? Ich jedenfalls finde derartiges Betragen in höchstem Maße respektlos.
In die gleiche Kategorie fallen im Übrigen auch jene, welche zwar Kopfhörer oder sonstige Stöpsel in ihren Ohrmuscheln spazieren tragen, aber die Umwelt trotzdem mit ihren Takten traktieren.


Hier will ich meine Beobachtungen zur Respektlosigkeit in unserer Gesellschaft fürs erste beschliessen, bis sich mir weitere Beispiele andienen, die meine bisherigen Feststellungen zu stützen oder auch, was ich persönlich jedoch nicht zu erwarten wage, zu wiederlegen vermögen.

Aktuelles .. linken .. kommentieren (2) .. von Götz Bürkle am 03.06.2007 um 16:19:14 Uhr



Rauchen beim Konzert

Erst einmal eine Frage, auf was für Konzerten, bei denen man stehen muss, ist es so leise, dass einen das Gespräch anderer stören könnte?

Ich finde Rauchen auch sehr mieß gegenüber seinen Mitmenschen, da ich bei Konzerten aber meist zumindest leicht angeheitert bin stört es mich da eher weniger. Viel mehr stört es mich in Restaurants, und da vor allem wenn ich etwas zu Essen bestellt habe und am Nachbartisch sich jemand nur ein Glas Wasser bestellt hat um sich neben mich setzen zu können um mir seinen Rauch "ins Gesicht" pusten zu können.

Eben dies passierte mir dieses Jahr als ich bei einer kurzen Zwischenlandung in Frankfurt etwas essen wollte. Wäre ich mir dessen vor der Bestellung bewusst gewesen, würde ich vielleicht sogar zur Bedienung gehen und sie darauf hinweisen, dass sie gerade einen Kunden verloren haben der einiges an Geld loswerden wollte, nur weil sich da Leute ein glas Wasser bestellen um den Essern die Luft zu verpesten. Aber ich bin vielleicht auch zu verwöhnt vom Rauchverbot hier in Schweden ...

.. geschrieben von Jeena Paradies .. www .. am 03.06.2007 um 23:26:47

Welche Konzerte ...

Nun ist es so, daß ich zum einen oft eher ruhigeren Konzerten beiwohnte, doch das spezielle, welches ich oben ansprach war von Logh, an sich nicht so leise, nur gab es immer wieder ruhigere Passagen, bei denen man diverse Unterhaltungen deutlich hören konnte.

Und mit dem Essen und dem Rauchen hast Du natürlich völlig Recht, nur war mir da gerade kein aktuelles Erlebnis präsent, von dem ich hätte berichten können.


Und: Gut zu wissen, daß in Schweden alles besser ist ;)

.. geschrieben von Götz .. am 03.06.2007 um 23:33:58



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zuletzt geändert von Götz Bürkle am 02.10.2011 ..

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