bloggen » 05/2007
punktpunktblog
Disziplin im Nachtcafé
Noch immer befinde ich mich mitten im Januar, doch nun endlich etwas, wozu ich mich schon längst auslassen wollte und worüber ich bei Gelegenheit noch etwas schreiben werde. An jenem Abend sah ich "im Dritten" das
Nachcafé mit
Wieland Backes zum Thema "Erfolgsgeheimnis Disziplin?"
Ich fürchte Backes selbst machte die Anmerkung: "Vielleicht sind die Lobos die Menschen des 21. Jahrhunderts" - und da sind wir schon bei dem Gast, der mich die ganze Sendung über wohl am meisten aufregte, aber alles der Reihe nach.
Am Anfang meldete sich gleich die jüngste und vielleicht hübscheste Professorin Deutschlands, Julia Fischer, zu Wort. Einige Ihrer Äußerungen fand ich interessant:
"Ich hatte mit vier schon einen sehr dicken kopf - fast schlimmer als heute"
"Ich kann mich an keine einzige Strafe meiner Eltern erinnern."
"Ich hab das Wort Hausarrest kennengelernt als ich 17 war aus ner Talksho im Fernsehen"
Außerdem sagte sie "Ich habe kein Taschengeld bekommen" - das kenne ich auch irgendwoher. Und ich muß sagen, mir hat nie etwas gefehlt. Ich hatte immer soviel, wie ich brauchte.
Katastrophal empfand ich den nächsten Gast, Uwe Nürnberger. Ein Vater von 8 Kindern, das 9. ist unterwegs und begann das Gespräch gleich mit dem Satz "Wir sind christen". Sein hehres Ziel ist es Kinder zur Selbständigkeit zu erziehen. So weit, so gut.
Es fängt damit an, daß er feststellt "Jedes Kind muß ein Instrument spielen." - Ich will nicht in Abrede stellen, daß es durchaus sinnvoll und gut für ein Kind sein kann ein Instrument zu spielen, aber wenn ein Kind ein Instrument nur deswegen spielt, weil seine Eltern beschließen, daß es dies tun muß, dann finde ich das schon nicht mehr nur positiv.
"Kirchgang ist auch Pflicht, weil wir Christen sind", ahja. Sollte man nicht in den Gottesdienst gehen, weil es einem etwas bringt, und nicht, weil es eben Pflicht ist?
Auf die Frage "Wie strafen sie?" entgegnete Nürnberger mit Verweis auf das Alte Testamet: "Wer seinen Sohn liebt, züchtigt ihn." Das hat die Frage selbstverständlich nicht beantwortet, weswegen nochmal nach gesetzt und nach dem konkreten "Wie" gefragt wurde, worauf Nürnberger etwas rausließ wie "in eine bahn drängen, daß er sein Leben meistern kann".
Soweit kann man an sich noch nicht viel sagen, aber nun ging Lobo, auf den ich gleich noch kommen werde, auf Konfrontationskurs. Nachdem Nünrberger gesagt hatte "Wenn Worte nichts helfen müssen Taten folgen" platze aus Lobo heraus: "Sie schlagen ihre Kinder, hab ich das richtig verstanden? Sie sind so eine verwirrte Person, die seine kinder schlägt?"
Darauf wußte Nürnberger natürlich auch eine wohlklingende Antwort: "Wenn ich ein Kind aus Liebe züchtige, dann ist das keine Gewalt, wie sie das nennen" - Lobo konnte er damit nicht beeindrucken, weswegen er schließlich feststellte: "Ich weiß, daß ihre Kinder sie hassen werden."
Nunja, Lobo. Sascha Lobo. Wenn ich schon höre, daß er im 24. Semester und im 18. Fachsemester ist denke ich als fleißiger Student mir schonmal meinen Teil. Er schrieb ja kürzlich ein Buch, Wir nennen es Arbeit", das so
einige
in
meinem näheren Bekanntenkreis ganz gut finden. Lobo nennt sich natürlich Angehöriger der Digitalen Bohème. Und nun habe ich mich mal ein wenig schlau gemacht und zumindest zwei interessante Artikel zu dem Buch gefunden: Hintergründe - Feuilleton - FAZ.NET - Digitale Bohème: Sie nennen es Arbeit und
WELT ONLINE - Digitale Boheme - Nachrichten Kultur. Im zweiten Artikel in WELT ONLINE spricht sich Holm Friebe fürs Bürgergeld aus, aber setzt gleich nach und sagt "Die FDP hingegen geht gar nicht - schon aus ästhetischen Gründen." - schade, sonst hätte ich jemanden gewußt, der sich in letzter Zeit wieder verstärkt für das bedingungslose Grundeinkommen einsetzt ...
So, mal zurück zur Disziplin. Lobo hat viel geblubbert aber wenig gesagt. Aber so genau hab ich das nicht mehr im Kopf, ich weiß vor allem noch, daß ich ihn furchtbar unsympathisch fand. Ein paar Wochen später war er mal noch im Zweiten als Gast, da wurde mein Urteil dann bestätigt. Naja, ich hatte mal mit dem Gedanken gespielt, das Buch tatsächlich zu lesen, aber irgendwie kann ich mich nicht dazu durchringen ein Buch zu lesen von einem, der in Gesprächsrunden primär durch unterirdisches Rumpöbeln auffällt ...
Aber einen Satzfetzen habe ich noch, denn wieder zu Nürnberger sagte er auch noch "Mir wird richtig übel, wenn sie gehorsam so positiv gebrauchen". Disziplin und Gehorsam, zwei Begriffe, die viele gern negativ belegen, obwohl meiner Ansicht nach beides wichtig ist.
Als Schlußwort zu diesem Gast sei noch gesagt, daß nicht alles, was der werte Herr Lobo sagt falsch ist, aber wie er sich benimmt und wie er redet ist einfach nicht mein Ding.
Der nächste Gast war mir schon deutlich sympathischer:
Dr. Berhard Bueb. Zu seinem Buch Lob der Disziplin will ich ja irgendwann noch mehr schreiben. In Bezug auf falsche Zitate, auch in Zusammenhang mit seinem Buch meinte er "Wir haben ein PISA-Problem auch mit Erwachsenen". Gut gefallen hat mir auch "Ich bin ein geordneter Mensch - und was gibts geordneteres als ein Lehrer aus Baden-Württemberg mit Brille und Krawatte."
Außerdem saß noch Kai Lüdtke, der sich Kay Ray nennt in der Runde. Ein Entertainer, der gewöhnungsbedürftig aussieht, aber eigentlich von dem, was er gesagt hat zum Teil garnicht so schlecht war. Zu Lobo meinte er: "Meine Eltern haben mir gutes Benehmen beigerbacht - über Deine Frisur hätte ich mich nicht lustig gemacht."
Als letztes erwähne ich kurz
Wolfgang Bergmann, der auch mitdiskutierte. ER sagte "Regeln brauchen wir natürlich, daß weiß doch jeder!" - Sehe ich genauso.
Und er wies auf eine Stelle in der Bibel hin, 1. Korinther 13,1: "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle."
Ich freue mich schon darauf, wenn ich endlich dazu komme zu Buebs Buch mehr als nur zwei Sätze zu schreiben ... aber bis dahin vergeht wohl noch etwas Zeit.
blablubmuh .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 28.05.2007 um 16:59:36 Uhr
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