bloggen » 05/2007
punktpunktblog
Der Lauf eines gemeinen Tages
Es ward gar früh am Morgen, da hieß mich mein Wecker aufzustehen um der gemeinen Bildung nachzugehen. Nach kurzem Zögern folgte ich gehorsam seinem Ruf und machte mich bereit das Haus zu verlassen.
An jenem Nachmittage jedoch, an dem ich selbst noch voller Bemühen mein Wissen zu vermehren gesucht haben werde sollten gewisse Zähler an diesen neumodischen Öfen abgelesen werden, was mich veranlaßte mein Heim des morgens wohlgeordnet zu verlassen. Man wollte ja den ungebetenen Besuch nicht verschrecken.
Doch dies war noch die kleinste Mühsal, welche mir des Morgens widerfuhr. Eilends brach ich behende auf, um noch zur rechten Zeit meine Studien des heutigen Tages beginnen zu können.
Ob dieser unglücklichen Hatz war mir natürlich keine Möglichkeit zur gesitteten Nahrungsaufnahme gegeben, weswegen ich am Platz der Kronen kurz vor meinem Ziel fix mir einen Halbmond zu besorgen plante, weil ich drohte in den folgenden Stunden vom Fleisch zu fallen, wie die Leute so zu sagen pflegen.
Doch des Essens war mir nicht genug, nach einem Trank gelüstete es mir! Jawohl, ein Trank. Da wollte ich, schlau und gewitzt, mir einen kalten Trunk besorgen, um meine knappe Zeit nicht zu sehr strapazieren zu müssen. Ihr wißt ja, tempus fugit! Doch unglücklicherweise bestand ich in unüblicher Umnachtung im Laden auf einer Mixtur des Namens Eisschokolade, anstatt wie eh und je einen einfachen Becher dieses ordinären Shakes mir zum Wohle bereiten zu lassen. Der freundliche Herr zuvorkommend mehrmals sich Versicherung einholte, worauf ich in vollster Überzeugung meine unerhörte Order bestätigend ihm entgegenhielt. So sollte es sein, ja, nicht nur, so war es.
Nach diesem groben Fauxpas war es an mir, diese kalte Suppe auszulöffeln um mit kurzer Verspätung schließlich an den Pforten der Lehre anzukommen.
Schon bald bahnte sich das nächste Unheil seinen Weg. Nachdem die ersten Lehren vernommen waren ging es an die weitern. Unterhaltend sitzend hinten fand ich mich mit Freunden ein. Wir pflegten große Konversationen, was den Professor zu irritieren schien, obgleich wir nicht die einzigen zu sein schienen, vielleicht auch doch. Jedenfalls bezichtigte dieser mich an meinem Nachbarn zu vergehen. Verschmitzt wurde angemerkt, ich habe jenen meinen Nachbarn "angebaggert" - welch unerhörte Anklage! Meinen Nachbarn, wohlgemerkt, nicht meine gar nicht unansehnliche Nachbarin, welche just in diesem Momente, um die Unglücklichkeit der Situation auf die Spitze zu treiben, wahrlich schweigend gewesen war. Nach dieser unorthodoxen Ermahnung verliefen die Zeiten eine Weile gewöhnlich.
Die restlichen Lehren des Tages glichen eher Leeren. Es grenzt an ein Wunder, zu welch mannigfaltigen überflüssigen Fragen diverse Kommilitonen sich in Ihrer planlosen vermeintlichen Allwissenheit hinreißen lassen.
Man könnte sagen, ich litt wie ein Hund unter dieser langen Weile, welche sich in jenen zwei meiner letzten Veranstaltungen des Tages so ausbreiteten, daß es nicht nur meiner Wenigkeit geradezu unangenehm gewahr.
Zwischendurch ereilte mich noch die vergleichsweise erträgliche Pein beim Arbeiten auf eine einfache Idee nicht selbst gekommen zu sein, sondern vom Kollegen auf eine derartige Trivialität hingewiesen zu werden, daß es schon fast zu traurig wäre es überhaupt nur zu erwähnen. Doch das wir mir noch die größte Freude.
Wenigstens kann ich berichten, daß der gesellige Abend überaus erfreulich ward und mich, wenn man das so sehen wollte, für die lästigen kleinen Qualen und Unannehmlichkeiten des Tags über mehr als nur entschädigte. Zur Weisheit, ja zur Weisheit! gereichte er mir. So sieht man, wie sich der Kreise schließt und zum Schluß doch trotz eines unerfreulichen Verlaufs ein überaus erfreuliches Ende stehen kann. Zur Weisheit und Erkenntnis gereichte mir übrigens nicht nur meine wohl geschätzte Gesellschaft, sondern mindestens ebenso ein neues Druckwerk, welches ich auf meinem Schreibtische vorfinden durfte, als ich den mühsamen Weg zurück von meinen Studien genommen hatte. Doch damit will ich Euch ein ander Mal erfreuen, es verdient die ausführlichste Würdigung an diesem Platze.
Studium .. linken .. kommentieren (1) .. von Götz Bürkle am 16.05.2007 um 01:00:20 Uhr
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super
:-D toll geschrieben :-D
.. geschrieben von Matthias .. am 25.05.2007 um 17:13:35