bloggen » 10/2006
punktpunktblog
Carpe diem, Eitelkeit und ein alter Club
Einer der besten Filme, die ich kenne rundete meine Fernsehnacht ab, denn im Anschluß an Kerner, bei dem es zumindest am Anfang auch um Lyrik ging sendete das ZDF "
Der Club der toten Dichter", auch bekannt als "
Dead poets society". Nach dem Film hab ich mir noch eine hand voll Kritiken durchgelesen, ich verlinke aber nur eine Meinung zum Film, die mir ganz gut gefallen hat.
Um außer den Dichtern eine weitere Verbindung zu Kerner zu schaffen erwähne ich noch, daß Mr. Keating, gespielt von
Robin Williams seinen Schülern beibrachte, daß die Sprache nur erfinden worden ist, um Frauen zu umwerben. Er brachte seinen Schülern noch viel mehr interessantes bei. Ich weiß noch, wir haben den Film irgendwann einmal im Englischunterricht in der Schule angeschaut, und dabei ist mir neben der legendären Ansprache "O captain, my captain" vor allem ein Satz in Erinnerung geblieben: "Rip it out!" - Und dieser Satz hat auch, wenn man so will, eine wichtige Bedeutung für den Film.
Ein weiterer wichtiger Satz aus dem Film lautet "
Carpe diem", welcher von einem gewissen
Quintus Horatius Flaccus, besser bekannt als
Horaz stammt. Als begeisterter Lateiner kann ich nun nicht anders, als die Quelle dieses Spruchs samt Kontext zu zitieren, in Carmina Liber I Carmen XI steht geschrieben:
"Tu ne quaesieris, scire nefas, quem mihi, quem tibi
finem di dederint, Leuconoe, nec Babylonios
temptaris numeros. ut melius, quidquid erit, pati.
seu pluris hiemes seu tribuit Iuppiter ultimam,
quae nunc oppositis debilitat pumicibus mare
Tyrrhenum: sapias, vina liques et spatio brevi
spem longam reseces. dum loquimur, fugerit invida
aetas: carpe diem quam minimum credula postero."
Leider lesen hier vermutlich etliche mit, die dieser faszinierenden Sprache nicht in Ansätzen mächtig sind, weswegen ich für diese bedauernswürdigen Gestalten auch eine deutsche Übersetzung mitliefere:
"Frag nicht (das darf der Mensch nicht wissen), welches Ende die Götter mir,
welches sie dir, Leukonoe, zugedacht haben, und lass die
Finger von babylonischer Astrologie! Wie viel besser doch, was immer sein mag, zu ertragen!
Ob Jupiter noch viele Winter uns zugeteilt hat oder den letzten,
der jetzt an entgegenstehenden Klippen das Tyrrhenische Meer bricht
- lebe mit Verstand, kläre den Wein und beschränke ferne Hoffnung auf kurze
Dauer! Noch während wir reden, ist die missgünstige
Zeit schon entflohen: Pflücke dir den Tag, und glaube so wenig wie möglich an den nächsten!"
(Diese Gelegenheit den Lateiner raushängen zu lassen konnte ich unmöglich ungenutzt lassen! ;)
In diesem Spruch schwingt vieles mit und der Begriff
Vanitas drängt sich dem gebildeten Leser geradezu auf. Und bei der Vanitas kommt man um das Gedicht "Es ist alles eitel" von
Andreas Gryphius nicht herum.
Ich weiß nichtmal mehr warum, mit Sicherheit auch wegen der Sprache, hat mich dieses Gedicht sofort fasziniert, als ich es zum ersten Mal las. Und nicht nur mich, so daß ich seit dem "ersten Kontakt" mit ein oder zwei Schulfreunden immer mal wieder einzelne Verse und Strophen aus diesem Werk rezitierten. Es wurde sozusagen fast allgegenwärtig in meiner Schulumgebung. Irgendwann fand ich dann auch noch heraus, daß dieser zentrale Satz schon in Prediger 1,2 zu lesen ist. Diese Weisheit begleitete mich also durch meine Schulzeit, zumindest durch die letzten paar Jahre. Und ich hab ja unsere Abizeitung seinerzeit gesetzt, zusammen mit einem Freund, der diesem Gedicht ebenfalls nicht abgeneigt war, weswegen wir uns den "Scherz" erlaubten auf Seite 125 unter dem Stufenfoto das Gedicht abzudrucken. Keine Ahnung, wer damit alles etwas anfangen konnte, und wer sich nur gewundert hat, was das eigentlich soll, ich könnte mich immer noch wegschmeißen, wenn ich die Seite anschaue, wie überhaupt bei einigen Artikeln aus unserer Abizeitung ... aber nun beende ich diesen Ausflug in meine Vergangenheit.
Weiter gehts mit einem zahnschwitzenden Verrückten. Dieser Begriff fiel, als Mr. Keating einen seiner Schüler zum dichten "überredete". Darauf muß man auch erstmal kommen!
Sehr dreist fand ich, als einer der Jungs während einer Clubsitzung einem Mädel sagte "Shall I compare Thee to a summers day ..." und behauptete, er habe es selbst für sie gedichtet, wo doch jeder weiß, daß
William Shakespeare dahinter steckt. Das sollte doch jede Frau wissen, daß sie nicht auf so etwas reinfällt! Überhaupt fällt mir da ein, daß auch ich mal wieder mehr Gedichte lesen sollte ...
Ich weiß garnicht, was ich noch alles zu
diesem Film schreiben soll, es ist definitiv ein Film, den man unbedingt einmal gesehen haben sollte.
Der beste Name im Film ist meiner Ansicht nach eindeutig "Knox Overstreet", gespielt von
Josh Charles, der sich von einer Sekunde auf die andere in die sympathische blonde Chris verliebt, die mit einem eher einfach gestrickten nicht sonderlich sympathischen Jungen aus dem Football Team liiert ist. Überhaupt ist Knox einer der Charaktere, die mir am Besten gefallen, vielleicht wegen seinem Mut? So genau weiß ich das nicht, auf jeden Fall ist er mir sympathisch.
Einige Rollen sind auch eher unauffällig, auch die Freaks mit ihrem Radio sind nicht schlecht ("No sir, science experiment... radar!"), aber einer muß noch explizit erwähnt werden, denn der Film endet tragisch, und eigentlich rechnet man nicht mit diesem Ende, aber Neil Perry, gespielt von
Robert Sean Leonard erschießt sich ganz nach
Werther-Manier mit der Waffe seines Vaters, wobei eine Analogie zum Werther hier eigentlich nicht angebracht ist, doch den Werther mußte ich noch ins Spiel bringen, weil die Situation zwischen Knox und Chris mich immer irgendwie an den Werther erinnert, nur eben ohne des Werthers Ende, das hat Neil Knox freundlicherweise abgenommen.
Was mir beim Abspann aufgefallen ist: Das Stuttgarter Kammerorchester hat unter
Karl Münchinger ein Stück aus der "
Wassermusik" von
Georg Friedrich Händel, nämlich Suite III in D "Allegro" zu dem Film beigetragen. Und natürlich viele andere auch.
Zum Schluß noch ein weiteres Zitat von Mr. Keating, in dem er
Robert Frost zitiert (wer heute etwas auf sich hält zitiert, wie auch
Benedikt der Sechzehnte es schon getan hat!):
"Two roads diverged in a wood, and I-
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference."
(
Robert Frost: The Road Not Taken)
Kommentare: 1. Geschrieben am 01.10.2006 um 04:06:53 Uhr
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Club der toten Dichter
Weißt du zufällig ob es von dem Theaterstück eine deutsche übersetzung gibt?
wenn ja schick mir bitte eine e-mail.
.. geschrieben von Ildiko .. am 30.09.2007 um 16:43:34