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bloggen » 09/2006

punktpunktblog

Eine linke Masche?

Eigentlich habe ich bis Ende nächster Woche keine Zeit irgendwelche wirren Sätze zu bilden und meiner werthen Leserschaft zu präsentieren, aber vorher hatte ich einen Besuch, der mich ein wenig beschäftigt.

Also, da klingelte es zwischen 11 und 12 an der Tür und ich machte erstmal auf. Im Treppenhaus stand mir dann ein junger Mann gegenüber, den ich nicht kannte, also hab ich ihn erstmal gefragt, was er will, aber es sprudelte ja alles schon aus ihm heraus - nur nicht das, wonach ich fragte, nämlich von welcher Organisation er kommen würde. Im Gegensatz zu per privat, wie in "per Privat an Kasse" (dieser Nebensatz ist extra für alle, die sich schonmal mit Rechnungswesen befassen durften ;) ist "von privat" auf meine obige Frage immer potentiell gefährlich, denn was will ein völlig fremder Privatmann Donnerstagmittags von mir? Aber er erklärte gern, daß er als Beschäftigungstherapie von seinem Betreuer als Aufgabe bekommen hat eine Umfrage durchzuführen. Er war Wikipedia-Linkdrogenabhängig hat eine Wikipedia-LinkReha durchgemacht und soll sich nun wieder eingliedern. Sein Betreuer wäre ein Wikipedia-LinkSozialpädagoge.
Gut, dachte ich mir, ich will mal nicht so sein und den jungen Mann ein wenig beschäftigen, also bat ich ihn rein in unsere Küche.

Er fing an mir eine handvoll Fragen zu stellen, notierte sich meine Antworten irgendwie mit Zahlenkombinationen und so kam ein Gespräch zustande. Das war auch ganz nett soweit, er fragte auch nach meinem Alter und meinte dann, daß ich mich "gut gehalten" hätte. Hallo? Das sagt man vielleicht zu einer älteren Dame um ihr zu schmeicheln, aber doch nicht zu einem Jüngling in seinen besten Jahren!
Die nächste Stelle an der ich grinsen mußte war, als er mir erzählte Wikipedia-LinkMethanol sei eine Ersatzdroge, er meinte vermutlich Wikipedia-LinkMethadon, aber ist ja fast das selbe - und weil ich den armen jungen Mann nicht verunsichern wollte wies ich ihn nichtmal darauf hin, sondern behielt es für mich.

Im weiteren Verlauf erfuhr ich im Gespräch, daß er erst 18 ist, keinen Schulabschluß hat und aus Berlin kommt. So weit, so gut.
Dann sagte er, er habe sich bei über 200 Firmen beworben, und bei einer hätte er jetzt eine Chance bekommen, er dürfe nämlich Hefte für sie austragen. Und, jetzt kommts, natürlich wollte er, nachdem er mir ein wenig von seinem Lebensweg erzählt hatte, mich fragen, ob ich nicht eine Zeitschrift brauchen könnte.

Also echt, mit diesem Schluß hätte ich wirklich nicht gerechnet und nun frage ich mich ernsthaft, ob ich mir aus "Mitleid" wöchentlich eine "Bild der Frau" hätte bringen lassen sollen oder ob ich ihn lieber am Ende des Gesprächs ordentlich zur Sau hätte machen sollen.

Ich meine, daß man ohne Schulabschluß und noch dazu als potentieller Risikofaktor (er sagte mir ja auch, daß 86% der Rehabilitierten rückfällig werden) am Arbeitsmarkt heutzutage keine rosigen Aussichten hat ist klar. Daß er sich um einen Ausbildungsplatz oder eine sonstige Arbeit bemüht ist sehr gut. Daß ihm ein Unternehmen einen Job gibt, wo er erstmal 150 Leuten irgendwas aufschwätzen soll (immerhin hat er schon 78 Kunden jetzt nach zwei Monaten ...) finde ich das Letzte!
Aber es ist vielleicht besser er macht das, als er macht gar nichts. Wenn seine Geschichte wirklich stimmt, dann soll er von mir aus weiter nach Kunden suchen, vielleicht ist das ja tatsächlich ein Einstieg in die Arbeitswelt.
Aber wenn alles nur erlogen und eine hinterlistige neue linke Masche ist irgendwelche Zeitschriften an den Mann zu bekommen, dann finde ich das überhaupt nicht in Ordnung.

Auf jeden Fall werde ich das nächste Mal, falls mal wieder so jemand klingeln sollte, erstmal seine Adresse, die Adresse seine Betreuers und Namen und Anschrift des "Unternehmens" geben, für das er die Hefte austragen soll. Denn mit meinem jetzigen Informationsstand kann ich ihm nur glauben oder nicht glauben, aber mich nirgends informieren, ob das alles stimmt oder ob es nur ein mieser Trick ist. Eigentlich glaubte ich ihm alles, aber dieses Ende macht doch sehr mißtrauisch ...


Und jetzt muß ich weiter nach den Rechten schauen ...

Kommentare: 3. Geschrieben am 07.09.2006 um 14:01:20 Uhr



Drückerkolonnen ...

... gibt's schon ewig:

Wikipedia-Linkhttp://de.wikipedia.org/wiki/Drückerkolonne

Und nein, das ist nicht links, das ist einfach nur ein verachtenswerter Nebeneffekt des Kapitalismus. ;)

.. geschrieben von Tim .. am 08.09.2006 um 05:38:17

Kreativ...

Bei uns kam vor ca. 2 Jahren auch ein junger Mann an die Tür. Er wollte natürlich auch "nur" eine Umfrage machen, erzählte, dass er im Medienbereich eine Ausbildung bezahlt bekomme sofern er innerhalb Zeitraum x genug positive Bewertungen für seine "Interviews" bekäme. Man sollte nach der Befragung bewerten in dem man eine Zeitschrift bestellt, je nach Zeitschrift 1-10 Punkte.

Uns ist damals auch erst, Minuten nach dem er gegangen war, klar geworden, dass wir einem "Drücker" auf den Leim gegangen sind. Glücklicher Weise kann man solche Verträge ja in Ruhe (innerhalb 14 Tagen) kündigen ;-)

Ich bin immer wieder erstaunt, dass denen laufend neue Märchen einfallen um die Leute "rum" zu bekommen...

.. geschrieben von Basti .. www .. am 08.09.2006 um 08:35:00

Lustig...

Nicht der Besuch, sondern die Tatsache, dass bei mir hier in Mannheim gestern morgen ebenfalls jemand geklingelt hat, um eine Umfrage zum Thema Drogen durchzuführen. Ich wusste jedoch schon von der Masche und ihm gesagt, dass ich kein Interesse habe.
Er wollte dann einfach im Haus bei den Nachbarn klingeln und bei denen weitermachen. Ich bat ihn das Haus wieder zu verlassen und von draußen zu klingeln, da es immer mal wieder vorkommt, das jemand im Haus die Tür nur angelehnt hat oder der Schlüssel in der Tür steckt. Da werte er sich dagegen. Er erwiederte mir, dass ich keine Rechte hätte, ihn aus dem Haus rauszuwerfen, da ich nicht der Eigentümer sei. Bei der Drohung mit der Polizei bat er mir sein Handy an, dass ich direkt anrufen könne. Nebenher hatte er schon bei meinem Nachbarn geklingelt. Als ich dann mein Telefon samt Telefonbuch aus der Wohnung geholt habe war er dann aber Plötzlich doch verschwunden.
Jeder seriöse Vertreter (gibt es unter den Haustür-Geschäftemachern solche?) wäre meiner Bitte nachgekommen und hätte von draußen geklingelt.
dem Verhalten nach denke ich, dass mein Kandidat sicherlich darauf geschult wurde, dass er im Haus bleiben soll und mit welchen Tricks er das erreichen kann...
Einfach nur nervig sowas.

.. geschrieben von Philipp .. www .. am 08.09.2006 um 13:36:35



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