bloggen » 07/2006
punktpunktblog
Von heißem Fleisch bis Ungetüm
Wie in den letzten Jahren fand auch in diesem Jahr wieder das sogenannte WiWiSo, das Sommerfest der Fachschaft Wirtschaftwissenschaften der
Universität Karlsruhe (TH) statt. Seit einiger Zeit hat das Forum Informationswirtschaft dort einen Grillstand, auch dieses Mal wieder.
Nach dem Aufbau liefen die Grills erst mal so langsam heiß und die ersten Steaks und Würste wurden gebrutzelt.
So stand er also da, der Stand. Zu diesem Zeitpunkt dachte noch keiner, wie lange es gehen würde. Natürlich, erfahrungsgemäß kommt man vor der ersten Bahn nicht heim, wenn man beim Abbau mithilft, aber dazu später mehr, denn erstmal war der Aufbau erfolgreich hinter uns gebracht und irgendwann auch die verschiedenen Schilder aufgehängt, so daß wir bzw. das Standpersonal nun der Hungernden harrte, die da kamen.
Schon bald wurde unser Stand durch den unverhofften Besuch der Jägermeister-Schlampen Promotion-Truppe der Firma Jägermeister kurzzeitig zumindest optisch aufgewertet. Gleich im flotten Dreierpack kamen sie, um sich schnell noch ein paar Würstchen reinzuziehen, bevor ihr anstrengender Arbeitsabend so richtig begann. Gekonnt posierten sie und verschwanden danach auch schon wieder.
Zurück zu den Schildern, ob es nun "Warmes totes Tier!" oder "Totes warmes Tier!" heißen muß, das weiß ich bis heute nicht, aber das ist auch nicht so wichtig, würde ich sagen - Hauptsache irgendwo steht irgendsowas, denn das muß wohl so sein, heißt es.
Und direkt an der Kasse sieht es wenigstens auch jeder, der ansteht und sieht so auf den ersten Blick, was ihn erwartet.
Inzwischen brummte der Laden und die Grills heizten, bis die Steaks qualmten. Sämtliche Griller und Bediener hatten alle Hände voll zu tun, um das Fleisch an die Frau und den Mann zu bringen. Über schleppenden Umsatz konnte sich von nun an keiner mehr beklagen.
An der Kasse und bei der Ausgabe des fertigen Grillguts machten sich die nummerierten Märkchen nun wirklich bezahlt, denn so konnte man wenigstens nachvollziehen, wer wirklich als nächster an der Reihe ist.
So kam es auch zu Stoßzeiten nicht zum Chaos - auch wenn sich einige, solange nicht soviel los war, über dieses "komplizierte" doppelte Markensystem aufgeregt hatten wurde jetzt klar, daß dieses Konzept durchaus praktikabel war, um auch mit langen Schlangen noch ganz gut zurechtzukommen.
Zwischendurch, ich hatte ja keine Verkaufsschicht, lief ich umher, unterhilet mich mit einigen Kommilitonen und gönnte mir auch mal eine der leckeren Waffeln von bonding.
Der eigene Grillstand ist zwar schön und nett, aber Waffeln haben auch etwas, finde ich zumindest.
Irgendwann schaute ich dann mal in unsere Kühltruhe, in der das Fleisch lagerte und war überrascht, wie wenig nur noch da war. Unser Vorrat neigte sich langsam aber sicher dem Ende, bis schließlich gegen halb vier, oder noch später, alles restlos verkauft war.
Anfangs war auch ich mir nicht sicher, ob wir nicht ein wenig viel Fleisch hatten, im Nachhinein muß man aber sagen, daß es wohl die optimale Menge war, viel mehr hätten wir wohl nicht wegbekommen, aber ein wenig Luft nach oben hatten wir noch. Wir verkauften also, bis es nichts mehr zu verkaufen gab. In den letzten Jahren war dieser Punkt schon ein paar Stunden früher erreicht, in diesem Jahr verlkauften wir noch, während die Stände neben uns schon fast am abbauen waren.
Auf der einen Seite neben unserem Stand verkaufte die Debatte Karlsruhe
Gin-Mixe und was mich besonders beeindruckte: einer der Standnachbarn erfreute mich mit einem Freigetränk, das werde ich mir merken.
Nachdem irgendwann nichts mehr zu grillen da war, wurde mit der Restwäre ein wenig Wasser gekocht - natürlich nicht um Wasser zu kochen, sondern um die Grills sauber zu bekommen. Kurzfristig verformte sich die Grillschale ein wenig, aber die erholte sich nach einiger Zeit wieder, aber so sah ich wenigstens mal eine Metallschale springen, ein vergleichsweise seltenes Schauspiel.
Langsam aber sicher war es wieder hell geworden, und als die Grills schließlich geputzt waren, war die Nacht bereits völlig verflogen und unser Stand vollständig abgebaut und der Standplatz vom Zuständigen Fachschaftsmenschen abgenommen.
Nun war es also vorbei, das WiWiSo 2006.
Aber was macht man mit einem angebrochenen Morgen, wenn es sich eigentlich schon garnicht mehr lohnt, vor der ersten Vorlesung heim zu fahren? - Natürlich, man setzt sich gemütlich in ein Café, wir wählten spontan das MoccaSin. Unter einem Gesichtspunkt keine weise Wahl, denn als wir genüßlich unsere Getränke schlürften und das Fest Revue passieren ließen, begegneten uns unsere
Freunde in Orange mit ihrem
abartig stinkenden blechernen Ungetüm zum zweiten mal an diesem noch jungen Morgen - das hätte wirklich nicht sein müssen, schon bei der ersten Begegnung, noch auf dem Uni-Gelände, verging mir Hören und Sehen. Es gibt wirklich Begegnungen, die man keinem wünscht, erst Recht nicht nach einer durchzechtenanstrengenden Nacht.
Doch wenigstens gab es noch etwas zum Schmunzeln, denn direkt vor unseren Augen konnten wir dieses Bild sehen. Klar, "Fahrräder abstellen verboten!".
Zugegeben, nichts außergewöhnliches, solch paradoxe Anblicke sieht das aufmerksame Auge nahezu täglich, aber wenn es sich einem derartig aufdrängt, dann darf man auch mal von einer gewöhnlichen Szenerie ein Bild machen.
Nach knapp vierundzwanzig Stunden an der Uni, und es war noch kein Ende in Sicht, machte ich mich auf, um mit einer gewissen Verspätung meiner ersten Vorlesung an diesem Morgen beizuwohnen. Aus lauter Enttäuschung, daß der Dozent schon wieder nur eine Vertretung geschickt hatte, entschied ich mich anstatt den überaus interessanten Problemen des Unternehmenssteuerrechts zu lauschen lieber ein paar Schäfchen zu zählen. (Der informierte Leser weiß ja, daß ich nirgends besser schlafen kann, als in einer Vorlesung.)
Und jetzt noch die Teile einhundertundeinundneunzig und einhundertundzweiundneunzig meiner Temperaturserie an der Haltestelle Rheinhafenstraße:
02.07.2006, kurz nach halb zwei Uhr nachts, 22°C
05.07.2006, kurz vor viertel fünf Uhr nachmittags, 37°C
Kommentare: 0. Geschrieben am 11.07.2006 um 02:43:40 Uhr
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