bloggen » 04/2006
punktpunktblog
Hubert Burda über die Medien
Hubert Burda über die Medien
Nachdem ich schon Vorträge von Lawrence Lessig und David Clark, Reinhold Würth, Wendelin Wiedeking, Jean-Claude Trichet und auch zum wiederholten Mal von Hal Varian an der Universität Karlsruhe gehört habe, war gestern
Hubert Burda im Rahmen der Heinrich-Hertz-Gastprofessur nach Karlsruhe gekommen darüber zu referieren, wie
Medien wirken.
Als ich relativ kurz vor Beginn des Vortrags am Audimax angekommen war wunderte ich mich zuerst, warum drei zivile E-Klassen mit Blaulicht auf dem Dach direkt vor dem Eingang standen, denn daß Hubert Burda Polizeischutz bekäme erschien mir irgendwie unwahrscheinlich. Der Anblick erinnerte mich eher an den Besuch von Jean-Claude Trichet, der auch mit Polizeischutz angereist war. Aber bei der Begrüßung wurde mir klar, wegen wem ein Personenschützer "unauffällig" vorn auf der Empore des Hörsaals stand, denn neben vielen anderen wie irgendeinem führenden Manager der
Deutschen Bank, deren Namen ich mir alle nicht merken konnte war
Generalbundesanwalt
Kay Nehm da. Für ihn war die Anreise ja auch nicht weit, warum also nicht.
Hubert Burda fing mediengeschichtlich ganz am Anfang an. Sein Vortrag wurde durchweg von passenden Bildern unterstützt und sein erstes Thema waren die Hieroglyphen, dann folgte die Erfindung der Schrift, das Papier,
Fresken, der Buchdruck, das Foto, der Film, das Radio, das Fernsehen bis zum ersten
Apple von 1977 und schließlich noch dem Sprung in das Jetzt. Einige Stationen habe ich ausgelassen, auf jeden Fall verschaffte er seinen Zuhörern einen breiten Überblick über die Entwicklung der Medien, und wie sie jeweils in ihrer Zeit wirkten.
Am Anfang ging es auch noch um den Begriff "Medien" an sich, früher wurden als Medien "Stimmen aus der Vergangenheit" bezeichnet, und "wenn man manches über sich heute in den Medien liest, könnte man das auch meinen ..." sagte er und grinste.
Eine Aussage, zu der ich mir noch nie Gedanken gemacht habe ist: "Medien gehen immer entlang der Handelswege." - vor allem, wenn man sich die aktuelle Situation anschaut, mit der wachsenden Bedeutung von "Online-Medien" und der Tatsache, daß viele Waren inzwischen online gehandelt werden.
Im Zusammenhang mit der
Gutenberg-Bibel und
Luther fiel der Satz "Wann immer sich Medien ändern, ändert sich die Gesellschaft.", was das
Habermassche Thema der Veränderung der Öffentlichkeit ist.
Anhand einer Statistik zeigte er die "Digitale Medienexplosion" auf. Lange verlief die Kurve eher flach und in jüngster Zeit ist das Wachstum auf einmal exponentiell. Als nächstes verglich Hubert Burda die
Google-Gründer mit
Mandelbrot.
Von einem wahren Edelmann bekam er noch direkt am Morgen vor dem Vortrag einen Statistik über "trustworthy media", gemäß der die Printmedien von 30% der Bevölkerung in (Zentral-)Europa als vertrauenswürdig angesehen werden, das Internet wird, was ich fast überraschend fand, von 18% als vertrauenswürdig eingestuft, während 16% das Fernsehen als "trustworthy" empfinden und 12% das Radio.
In seinen Ausfürhungen erwähnte er auch
Frank Schirrmachers aktuelles Buch Minimum, das ich auch erst letztens gelesen habe.
Eine weitere interessante Aussage war "Google ist überhaupt nur der Beginn einer neuen Epoche." - welcher auch immer.
Und am Ende machte er noch "Werbung" für blinkx.
Am Ende ließ er sich noch dazu hinreißen zu behaupten: "Jetzt liegt Google bei 8 Milliarden, nächstes Jahr bei 16, wenn nicht Microsoft dazwischen kommt." - Mal sehen, wie es in einem Jahr aussehen wird.
Am 24. Mai wird Hubert Burda seinen zweiten Vortrag in Karlsruhe halten und dabei vor allem über Blogs, Netzwerke, und so weiter reden - ich bin schon gespannt, auch wenn ich kaum erwarte, daß er mir viel Neues erzählen wird.
Und jetzt noch Teil einhundertunddreiundsechzig meiner Temperaturserie an der Haltestelle Rheinhafenstraße:
26.04.2006, kurz nach zehn Uhr nachts, 16°C
Studium .. linken .. kommentieren (2) .. von Götz Bürkle am 28.04.2006 um 15:58:54 Uhr
Fortsetzung, musst' gestern so ploetzlich geh'n.
Vor allem das Thema Medien, wenn's ein "echter Fachmann" rueberbringt, ist spannend meiner Meinung nach.
Der Satz "Medien gehen immer entlang der Handelswege.", der ist echt gut, auch von daher, als dass beispielsweise der Fokus der Medien seltenst auf die Kommerz-Peripherie, also bspw. Afrika (Standardbeispiel) richtet als vielmehr auf wirtschaftlich irgendwie bedeutsame Brennpunkte bzw. die, an denen Reiche und Maechtige interessiert sind (siehe Israel im Interesse der USA).
Da mag man als Vertreter der Medien noch so kritisch sein, letztlich ist die Bahn mehr oder weniger festgelegt, die entlang man sich bewegt, kritisiert oder zustimmt. Und letztlich ist es sicher der Handel (wenn auch immer weniger im traditionellen Sinn) , der bestimmt, wo's langgeht.
Ok, das sind alte Gedanken, aber ich hab' das halt auch damit in Verbindung gebracht. Dass Geld letztlich auch bestimmt, was wir von der Welt erfahren.
.. geschrieben von warnschild .. am 30.04.2006 um 12:34:39
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Hoert sich gut an.
Ich find', das hoert sich echt interessant an, waer' gern da gewesen bei dem Vortrag. Aber Ende Mai bin ich ja auch noch hier, also wird das auch da nichts.
Ich war an Burda schon lange interessiert, weil ja in Baden-Baden das Museum (http://www.bad-bad.de/burda-museum/news_bm.htm) gebaut wurde, waehrend ich da gewohnt hab'.
Ich hatte nie eine Gelegenheit, die Burda-sche Privatsammlung zu sehen (interessante Kuenstler vertreten bzw. deren Gemaelde/Werke), aber der Mann hat mich interessiert und sein Engagement etc.
Haette also allen Grund gehabt, den Vortrag zu sehen, schade :(
.. geschrieben von warnschild .. am 29.04.2006 um 13:20:37