bloggen » 04/2006
punktpunktblog
Sir Peter Ustinov - Achtung! Vorurteile
Nun, heute schreibe ich über ein Buch, das ich bestimmt schon ein Jahr rumliegen hatte. Ein Geschenk von meiner Mutter, "Achtung! Vorurteile" von
Sir Peter Ustinov. Der Titel hört sich nicht sonderlich spannend an, vielleicht ließ ich es auch deswegen so lange links liegen, was mir nun, nachdem ich das Buch kenne Leid tut, denn ich finde es ist ein gelungenes Werk.
Peter Ustinov beschäftigt sich auf fast dreihundert Seiten direkt oder indirekt mit Vorurteilen, das legt ja bereits der Titel nahe. Doch anders, als man vielleicht erwarten würde, ist es kein trockenes Buch über ein uns allen bekanntes Alltagsthema, sondern ein sehr erfrischend geschriebenes Buch, bei dem man nebenbei einiges für seine Allgemeinbildung tut und vieles aus dem Leben des Peter Ustinov erfährt. Er war ein Mann, der wahrlich viel erlebt hat und sich schon mit vielen interessanten und bedeutenden oder auch nur bekannten Persönlichkeiten unterhalten hat, wohl auch, weil er selbst eine war. Das Buch ist also eine mehr oder minder sortierte Aneinanderreihung von meist persönlichen Erlebnissen Ustinovs. Man merkt durchweg, daß das Thema ihm wichtig ist, trotzdem beschreibt er die Begebenheiten sehr pointiert und unterhaltsam, manche aber durchaus auch ernst.
Dieses Buch kann ich jedem fast uneingeschränkt empfehlen. Natürlich stimme ich nicht mit jedem Satz überein, lesenswert ist es aber trotzdem.
Es gäbe viele Stellen, die man aus dem Buch zitieren könnte, ich greife nun wahllos einige heraus. Nicht jedes Zitat entspricht natürlich meiner Meinung, und viele Zitate kann man ohne den Kontext wahrscheinlich nicht vollständig verstehen.
- "Vorurteile sind wie Marmorplatten, die unter sich die größten Rivalen, den Zweifel und die Wahrheit, begraben."
- "Es ist nämlich ganz einfach: Jeder und jede kann sich zur Regel machen, nur solche Ansichten zu akzeptieren, die er oder sie durch eigene Erfahrung geprüft hat."
- "Würde ich gebeten, das Vorurteil zu malen, brächte ich eine verschlossene Tür aufs Papier."
- "Alt ist ein Mensch, wenn er aufhört zu staunen oder es überhaupt nie gelernt hat, wenn also seine Phantasie ergraut."
- "Man müßte eigentlich der gesamten Menschheit sagen: "Adaptez votre Vitesse!" - "Passen Sie Ihre Geschwindigkeit an!" Leben sie langsamer! Das Tempo ist ein Thema, das mit dem Thema "Vorurteile" viel zu tun hat. Denn ab einem bestimmten Tempo haben wir keine Zeit mehr für den Zweifel, wir klammern uns an Vorurteile, weil sie bequem sind und uns wenigstens ein bißchen innere Sicherheit vorgaukeln."
- "Alle starren Gesellschaften sind zum Untergang verdammt, und das hat auch der Papst bemerkt.!
- "Unter zivilisierten Umständen ist dre Sport eine alternative zum Krieg geworden."
- "Es gibt auch Amerikaner, und George W. Bush wäre als erster zu nennen, die in einem anderen Jahrhundert zu leben scheinen."
- ""Wissen Sie, ich habe meine Frau so sehr gemocht, daß ich es ihr beinahe gesagt hätte." Das ist Schweizer Witz, herrlich selbstironischer Schweizer Witz."
- "Ein Mensch kann dumm sein, als ob er gar kein Gehirn hätte. Ja, weil er es nie benutzt."
- "Lehrer, die Gedichtinterpretationen mit "objektiver Gültigkeit" verlangen, seien eine "kriminelle Vereinigung."
- "Heute regiert nur ein einziger Gott. Er gilt als so allmächtig, daß er keinerlei menschliche Züge mehr hat. So ist er eine völlig unerreichbare, im Grund furchterregende Gestalt geworden."
- "Jesus hat diesen ungläubigen unter seinen Jüngern [Thomas] nicht getadelt, sondern seine Zweifel respektiert."
- "Wenn ich einem Oberkellner nach dem Essen ein Trinkgeld gebe, ist das keine Bestechung, wenn ich es ihm vor dem Essen zustecke, ist es eine."
- "Mit den Beatles hat etwas Neues angefangen, einiges davon ist ja ins Repertoire von Opernsängern übernommen worden, "Yesterday" zum Beispiel. Da spüre ich eine Qualität im Text, aber heutzutage finde ich das kaum noch."
- "Wer Schönberg unter der Dusche singt, ist nach meinem Geschmack sehr unmusikalisch."
- "Zu Friedenszeiten läßt man die Pazifisten in Ruhe, in Kriegszeiten sind sie Landesverräter."
- "Der Terrorismus, der im furchtbaren 11. September kulminierte, ist ein Krieg der Armen gegen die Reichen. Der Krieg ist ein Terrorismus der Reichen gegen die Armen."
- "Vorurteile fischen im Trüben."
- "Der oder die andere könnte ich selber sein."
Und zum Schluß noch ein Verweis auf die Peter Ustinov Stiftung und das Sir Peter Ustinov Institut zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen.
Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 20.04.2006 um 01:50:15 Uhr
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