bloggen » 03/2006
punktpunktblog
Kontroverse Diskussion bei Maischberger
So, auch wenn ich noch irgendwann einige Wochen aufholen will und gerade eigentlich keine Zeit zum Bloggen habe, diese Sendung fand ich heute so interessant und teilweise auch unterhaltsam, da muß ich einfach "kurz" was dazu schreiben.
Es geht um
Menschen bei Maischberger. Thema war "Was ist ein guter Deutscher?" und als Gäste waren bei
Sandra Maischberger der frisch gewählte Ministerpräsident Baden-Württembergs
Günther Oettinger, der bekannte Grüne aus dem Ländle
Cem Özdemir, Bestsellerautor, Theologe und Fernsehmann
Peter Hahne, der Komödiant
Ingo Appelt, die Sozialwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin
Necla Kelek und zu guter Letzt noch Imam
Hassan Dabbagh.
Eine nicht unbedingt homogene Gesprächsrunde. Zuerst einmal muß ich feststellen, daß mir Günther Oettinger wirklich sympathisch war. Bisher kam er mir oft irgendwie zu "kurzatmig" vor, doch heute hat er einen sehr positiven Eindruck auf mich gemacht. Bevor ich nun auf das Gespräch eingehe will ich auch Peter Hahne noch kurz erwähnen, dessen Buch "
Schluß mit lustig!" ich inzwischen rund ein Jahr gelesen auf meinem Tisch liegen habe, bisher aber nicht dazu kam, endlich mal drüber zu schreiben.
Es ging in der Diskussion die meiste Zeit vor allem um den mehr oder minder umstrittenen "
Gesprächsleitfaden" des Landes Baden-Württemberg zur Einbürgerung. Mancher war dafür, mancher dagegen, über die Frage, daß die Einbürgerung kein bloßer ungeprüfter Automatismus sein soll, darüber herrschte jedoch Einigkeit.
Interessanterweise war es Cem Özdemir, der als erster Herrn Dabbagh hart anging, als er sagte "Ich weiß nicht, ob er bei mir nen deutschen Paß bekommen hätte - und das sage ich als Grüner!". Spätestens ab diesem Zeitpunkt ging es heiß her in dieser illustren Runde, in der auch Ingo Appelt einmal ganz ernst Stellung bezog. Aufgrund Özdemirs Angriff ging Dabbagh in die Offensive und redete im weiteren Verlauf der Sendung teilweise sehr viel und versuchte mehrmals erstmal allen zu erklären, wie seinedie Welt funktioniert, bevor er dazu kam die gestellte Frage zu beantworten. Ob die Vorwürfe gegen Dabbagh nun substanzlos sind oder nicht, ob er nun vom Verfassungsschutz beobachtet wird oder nicht, das kann ich nicht beurteilen. Doch ich kann beurteilen, daß er zumindest teilweise Ansichten äußerte, die mich verwundern. Denn zum ersten Mal hörte ich, daß grob gesagt alles schlechte, was man so "vom Islam" hört eigentlich nichts mit der Religion zu tun haben soll, sondern alles nur die Tradition sei, und daß man dies nicht vermischen soll. Und auf die Frage, warum er Frau Maischberger nicht die Hand gegeben habe meinte er, er habe seiner Frau versprochen, keiner anderen Frau die Hand zu geben - auch das soll also rein garnichts mit dem Islam zu tun haben, wobei ich meine, daß er ein paar Sätze davor in dieser Frage noch mit dem Koran zu argumentieren beginnen wollte - doch da kann ich mich auch irren, das hat ihm vielleicht auch nur jemand in den Mund legen wollen. In dieser Disziplin war Cem Özdemir in dieser Runde wohl ungeschlagen, der teilweise sehr aggressiv gegen Dabbagh "schoß".
Doch es gab auch kürzere saubere Wortgefechte zwischen den beiden Schwaben Oettinger und Özdemir.
Ein kurzer Filmausschnitt, der Einbürgerungswilligen in den Niederlanden gezeigt wird warf dann noch weitere Fragen auf, vor allem bezüglich der Rolle der Frau. Ziemlich am Ende des Ausschnitts wurde auch eine Frau mit entblößtem Oberkörper gezeigt - natürlich pure Provokation für diejenigen, die Frauen am liebsten in "schwarzen Säcken" sehen, doch auch ich finde so ein Bild nicht unbedingt repräsentativ für ein Leben in Deutschland. Genau darauf wollte Sandra Maischberger auch noch heraus, als sie mehrmals versucht das Gespräch in Richtung "Leitkultur" zu lenken, was ihr jedoch erst ganz zum Schluß gelang, denn davor waren alle Gäste dabei über alles mögliche heftigst zu diskutieren. Teilweise sprachen fast alle auf einmal, so daß man nicht immer alles verstehen konnte und Sandra Maischberger mußte immer mal wieder regulierend eingreifen. Sie versuchte beispielsweise mehrmals mit Unterstützung von Cem Özdemir Ministerpräsident Oettinger das Wort zu erteilen, was den werthen Herrn Dabbagh jedoch nicht daran hinderte mit seinen Ausführungen fortzufahren.
Bei einigen Sätzen konnte ich mir ein Grinsen oder gar Lachen nicht verkneifen, beispielsweise als Özdemir sagte, als es um den "Gesprächsleitfragebogen" ging, daß dort ja viele Punkt abgefragt würden, bei denen die Grünen in den vergangenen Jahren harte Auseinandersetzungen mit der CDU ausgefochten hätten, zum Beispiel das Thema eingetragene Lebenspartnerschaften und daß nun ja eigentlich nur noch "Grüne" Ausländer eingebürgert werden durften, doch der Beste Satz folgte am Schluß seines Statements: "Was sagt des aus über den oberschwäbischen CDU-Wähler der auch Peter Hahnes Bücher liest." Der Satz ist nicht sonderlich freundlich, aber er kam so unvermittelt, schon allein "der oberschwäbische CDU-Wähler" ist ein Konstrukt, daß eine Erwähnung verdient hat. Wo ich gerade drüber nachdenke, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob "oberschwäbisch" nun als Steigerung gedacht war oder nicht, aber ich nehme es an, denn aus dem Zusammenhang war es eigentlich eindeutig als Steigerungsform zu verstehen.
Peter Hahne, der die ganze Sendung über sehr souverän und professionell wirkte, erwähnte als Beispiel für Integration noch
Kaya Yanar, dessen Eltern ihn ein Jahr lang in den katholischen Unterricht schickten, daß er besser versteht, wo er eigentlich lebt und warum manche Dinge hier so sind, wie sie sind.
Doch Dabbagh wurde schnell wieder zum Mittelpunkt des Gesprächs, als es um den "Ehrenmord" ging, der gerade durch die
Medien geht, oder das Verfahren gegen den zum christlichen Glauben konvertierten ehemaligen Moslem in Afghanistan, bei dem erst jetzt auf massiven Druck "des Westens" das Verfahren eingestellt und er wieder freigelassen worden war.
Dazu konnte Dabbagh nur sagen, daß es im Islam keine Selbstjustiz gebe und überhaupt hob er wieder auf den Unterschied zwischen Tradition und Religion ab, und die Tradition habe mit dem Islam nichts zu tun.
Ob das alles nichts mit dem Islam bzw. an dem, wie manche Leute den Koran verstehen zu tun haben soll, daran habe ich meine Zweifel.
Am Ende kam Sandra Maischberger dann doch noch dazu, Herrn Oettinger eine Frage zur Leitkultur zu stellen, worauf dieser antwortete, daß ihm eine deutsche Leitkultur zu rigide sei, er denke eher an ein europäisches Werteverständnis, oder sowas.
Ebenfalls gegen Ende der Diskussion brachte Peter Hahne noch ein Zitat von
Peter Scholl-Latour an: "Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Christentums." Auch darüber könnte man diskutieren, doch zum Einen war die Sendezeit begrenzt und zum Anderen habe ich keine Zeit, dazu mehr als diesen Satz zu schreiben.
Viele Standpunkte in der Diskussion sind streitbar, man kann viele Aspekte verschieden beurteilen und gerade deswegen war die Sendung auch so interessant, weil nicht nur ein vorbereiteter Fragenkatalog abgearbeitet wurde sondern eine lebendige und sehr kontroverse Diskussion zu Stande kam, bei der ich vor allem auch von der Ernsthaftigkeit von Ingo Appelt überrascht war.
Zum Abschied hat Herr Dabbagh Sandra Maischberger noch einen Koran überreicht, was sie gleich damit kommentierte, daß sie das mal alles nachlesen werde, auch das, was Necla Kelek angesprochen hatte.
Kurz erwähnen will ich nun noch, daß man sich heute bzw. gestern vor Schwaben im Spätabendprogramm kaum retten konnte, denn bei
Johannes B. Kerner war unter anderem
Hartmut Engler zu Gast, wovon ich allerdings nur noch die letzten Sekunden mitbekommen habe, doch er hat wohl primär über sein soziales Engagement berichtet und am Ende kurz noch Werbung für die Single SOS gemacht, an der PUR selbst wohl nichts verdienen wird sondern deren Erlös der Aktion "6 Dörfer für 2006" zu Gute kommt.
Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 29.03.2006 um 02:49:16 Uhr
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