bloggen » 01/2006
punktpunktblog
Gelb-Rote Geschichten: Die etwas andere Bahnfahrt
Am Freitagnacht auf dem Heimweg vom Gottesdienst habe ich mal wieder etwas erlebt - und natürlich wieder in der Bahn. Vorweg will ich schonmal anmerken, daß einige bestimmt grinsen werden, andere werden mich vielleicht für wahnsinnig halten, aber eigentlich konnte ich ja fast nichts dafür.
Doch der Reihe nach. So gegen viertel ein Uhr nachts habe ich mich vom kubik aus auf meinen Heimweg gemacht. Die
S2 in Richtung
Rheinstetten kam kurz nachdem ich am Durlacher Tor war, so daß ich so gut wie nicht warten mußte. Allerlei komischer Gestalten waren in der Bahn, aber das ist ja nichts Außergewöhnliches. Irgendwann stieg ein Pärchen ein und setze sich auf die zwei Plätze vor mir. Das ist auch noch nichts Besonderes, aber dieses Pärchen muß erwähnt werden, weil es neben mir und dem
Bahnfahrer die dritte Hauptrolle spielt.
Ich fahre also gemütlich, bis so etwa am
Entenfang, oder eher zwischen Entenfang und
Eckenerstraße, die Frau vor mir fragt, ob ich eine
Zigarette hätte. Wahrheitsgemäß antworte ich natürlich "Nein." - Doch ich ließ es mir, wie üblich, nicht nehmen ihr auch noch zu sagen, daß rauchen sowieso tötet. Nunja, ihr Freund fragte dann die beiden hinter mir sitzenden nach einer Zigarette. Diese hatten eine und gaben ihm auch eine - um sie sich abzuholen stand er auf und lief zwei Reihen nach hinten. Auf dem Rückweg auf seinen Platz wußte er nun mit dieser eben erbettelten Zigarette nichts Besseres zu tun, als sie sogleich anzumachen. Als ich dies bemerkte, wies ich ihn darauf hin, daß er seine Zigarette bitte ausmachen möge. Er pöbelte mich daraufhin irgendwie an, ich weiß nichtmal mehr, was er denn gesagt hat. Auf jeden Fall sah er es anders und rauchte weiter. Als er dann wieder saß, oder auch schon davor, wies ich ihn erneut darauf hin, daß Rauchen in der Bahn nicht gestattet sei, und daß er deswegen seinen Glimmstengel doch bitte ausmachen möge.
Nun, irgendwer, ob es der Pöbler oder einer der anderen, die herumsaßen waren weiß ich garnicht mehr, meinte irgendwas von wegen Zigarette in meinem Gesicht ausdrücken. Das nahm ich zur Kenntnis, aber nicht Ernst, und versuchte weiter mein Glück.
Ganz unverhofft riß mir dann dieser Pöbler meine
Brille vom Kopf, worauf ich reflexartig einen Schrei ausstoßen mußte - schon allein um ihm zu signalisieren, daß ich diese Aktion nicht so freundlich fand. Die beiden, die hinter mir saßen reichten mir sogleich meine Brille wieder, ich bedankte mich bei ihnen und stand auf und machte mich auf nach vorn.
Schließlich rauchte der Pöbler immer noch. Auf meinem Weg zur Fahrerkabine sagte mir noch ein Mitfahrer, daß "er das meiner Stelle nicht tun würde" - was immer er genau meinte, ich ließ mich nicht beirren.
Vorne angekommen klagte ich dem Fahrer mein Leid. Ich sagte ihm, daß hinten in der Bahn jemand rauchen würde, und daß er ihn doch bitte zurechtweisen oder ermahnen soll. Außerdem hätte er mir auch meine Brille vom Kopf gerissen. Nun, der Fahrer hatte entweder weil es ihm irgendjemand sagte, oder weil er die Situation entsprechend auffaßte die die Ansicht, daß es eine Schlägerei gäbe. Anstatt also selbst kurz eine Durchsage zu machen oder gar, wie schon bei meinem letzten Versuch einen Raucher zur Raison zu bringen, kurz nach hinten zu laufen rief er sitzenderweise die Polizei, was ich zuerst aber garnicht wußte. Nachdem ich also meinen Satz gesagt hatte, ging ich zur nächsten Tür, weil ich an der nächsten Haltestelle ohnehin aussteigen mußte. Wenig später standen wir dann an der Haltestelle
Rheinhafenstraße, aber die Türe öffnete sich nicht. Auf meine Nachfrage bat mich der Fahrer nochmal zu ihm. Nun sagte er mir, ich solle ihm nochmal kurz sagen, was eigentlich vorgefallen war, denn er habe schon die Polizei gerufen und bis die Polizei da sei, blieben die Türen geschlossen. Gut, das wäre nicht nötig gewesen, aber um daran etwas zu ändern war es auch schon zu spät, also stellte ich mich wieder an die Türe und wartete. Entweder erst jetzt, oder schon vorher als ich das erste Mal an der Türe stand, tauchte das Pöbelpärchen aus dem hintern Zugteil auf einmal neben mir auf. Sie, die mich vorher um eine Zigarette gebeten hatte, erzählte mir, daß sie wüßte, wo ich wohne und so weiter, wie man sich das eben vorstellt, wenn jemand, der nichtmer hundertprozentig Herr seiner Sinne ist versucht, einen einzuschpchtern. Ihr Pöbelfreund engte meinen Bewegungsraum dermaßen ein, indem er mich mit seinem Arm blockierte, daß ich ihn darauf aufmerksam machte, daß er bitte seinen Arm da wegnehmen sollte. Ich sagte der Pöblerin noch, daß es für sie mit Sicherheit nicht von Vorteil sein könnte mir zu
drohen, ich hätte schließlich genügend Zeugen. Nun, sie erzählte mir noch irgendwelche Sachen mit der
Intention, mir Angst zu machen, aber ich ignorierte sie fortan.
Nachdem die Bahn nun schon einige Minuten still stand, das Pöbelpärchen sich wieder nach hinten verkrochen hatte, wurden einige Mitfahrer unruhig. Einige schauten mich vorwurfsvoll an, andere erkundigten sich beim Fahrer, ob sie ihren Anschlußbus noch bekommen würden. Die Situation blieb noch einige Zeit unverändert, bis nach vermutlich etwa zehn bis fünfzehn Minuten ein
Einsatzfahrzeug der Polizei mit Blaulicht neben der Bahn hielt.
Die Beamten näherten sich zielgerichtet der Bahn und nun entriegelte der Fahrer auch die vordere Tür, so daß ich aussteigen konnte. Ich schilderte den Beamten kurz was vorgefallen war, worauf sie mich fragten, ob ich denn
Anzeige erstatten wolle. Darauf meinte ich, daß ich eigentlich keine Notwendigkeit sähe, schließlich wäre im Prinzip ja nichts passiert, aber ich sagte im gleichen Atemzug noch, daß es vermutlich auch kein Schaden wäre, wenn sie schonmal da sind. Wie auch immer sie diese Aussage von mir nun werten, das war in dem Moment sowieso zweitrangig. Die Beamten stiegen in die Bahn ein und wiesen mich an, ich solle außen an der Bahn entlang laufen und ihnen denjenigen zeigen, der mich angegriffen hätte. Also lief ich außen an der Bahn entlang, und schaute hinein. Leider war ich von der ganzen Situation ein wenig durch den Wind, so daß ich die beiden im ersten Moment übersehen hatte und erst zwei falsche Mitfahrer verdächtige. Das tut mir natürich Leid, aber so dramatisch war das nicht, ich hört nur, wie irgendeiner innen etwas sagte, wie "jetzt versteckt er sich schon hinter ner
Pussy" - damit meinte er wohl, daß ich gerade hinter einem Mädchen stand, was auch zutreffend war. Auch wenn dies mit verstecken nichts zu tun hatte und ich seine Wortwahl nicht unbedingt
charmant fand.
Auf jeden Fall hab ich die Personen im hinteren Teil der Bahn nocheinmal gemustert und zweifellos das Pöbelpärchen ausgemacht und wie es mir geboten worden war mit dem Finger auf sie gezeigt. Diese ganze Szene kam mir vor, wie aus einem schlechten
Krimi - aber es war die
Realität. Nun nahmen ein Beamter die Personalien des Pöblers auf und der andere machte sich auf den Weg zu mir, um meine Personalien aufzunehmen.
Schließlich waren beide Beamten wieder draußen und wir unterhielten uns noch kurz. Die beiden erzählzen mir, daß sich der Pöbler entschuldigt habe und hoffe, daß die Brille nicht kaputtgegangen sei (das ist sie meiner Einschätzung nach nicht). Ich sagte ihnen auch, daß ich von mir aus deswegen natürlich nie die Polizei gerufen hätte und ich fragte auch noch, was denn nun passieren würde. Die Beamten meinten, wenn es noch was gäbe, würden sie sich bei mir melden, ansonsten wär die Sache erledigt, und einer sagte außerdem noch, daß sie so spät gekommen wären, weil sie "grad was größeres laafen" hätten. Aha, da tun sich die
Grünwinkler Abgründe auf.
Die Bahn setze inzwischen ihre Fahrt fort und die Beamten stiegen in den Einsatzwagen und fuhren davon.
Im Eifer des Gefechts vergaß ich leider auf dem Heimweg auf das Thermometer zu schauen. Und als ich das alles auf meinem etwa viertelstündigen Heimweg durch die Kälte nochmal revue passieren ließ, konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen - aber es war ja niemand in der Nähe, den dies hätte verwundern können.
Nun, ohne Frage, mit der Alarmierung der Polizei hat der Bahnfahrer ein wenig überreagiert, aber ehrlich gesagt ist es mir lieber, daß er einmal zu oft die Polizei ruft, als daß er garnichts macht und meine Beschwerde einfach nur ignoriert. Ich würde jederzeit wieder so handeln, wie ich gehandelt habe, denn in meinem Handeln kann ich nichts Falsches feststellen, ich würde dem Bahnfahrer höchstens gleich sagen, daß er nicht unbedingt sofort die Polizei zu rufen braucht ...
Jetzt kann ich nur hoffen, daß die Leute in der Bahn sich nicht mehr an mich erinnern können, falls wir wieder einmal zusammen in der Bahn sitzen sollten, was vermutlich früher oder später passieren wird.
Eine nächtliche Bahnfahrt in Karlsruhe ist also immer wieder aufs Neue für Überraschungen gut.
Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 22.01.2006 um 02:59:44 Uhr
.. noch nicht kommentiert.
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