bloggen » 12/2005
punktpunktblog
Vordiplom, Sitzungen und Zeitformen
Am Montag war es endlich soweit, meine letzte Vordiplomsprüfung stand an und zwar in
Jura, was ja einen zwanzigprozentigen Anteil in meinem Studium ausmacht. Nachdem der schriftliche Teil schon über einen Monat zurücklag und gut ausgefallen war - meine Ratschläge an die dämliche Erna waren also durchaus brauchbar - ging es nun vor allem darum, die schriftliche Note zu halten oder gar zu verbessern. Letzteres ist mir leider nicht gelungen, aber gehalten hab ich sie.
Im ersten Teil ging es zuerst kurz und eher allgemein um das
Schuldrecht und dann ausführlicher um das
Mietrecht. Der Teil war nicht so ideal, aber die meisten Fragen konnten doch zufriedenstellen beantwortet werden.
Weiter ging es dann im Handels- und Gesellschaftsrecht mit der Gründung einer
GmbH, der
Prokura und der
Geschätfsführung.
Im Öffentlichen Recht wurden zuerst die
Auslegungsprinzipien abgefragt, und dann mit einem aktuellen Fall weiter und zwar ging es um den Fall von
Major Florian Pfaff, der sich in der Zeit des
Irak-Krieges weigerte an der Programmierung einer Software mitzuwirken, die diesen völkerrechtswidrigen Krieg zu unterstützen im Stande sei.
Wen der Fall interessiert, der sollte unbedingt "Es ist die Pflicht des Soldaten, sich gesetzwidrigen Befehlen zu widersetzen" lesen. Vor allem der Brief von Herrn Major Pfaff an den
Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestags Penner, aus welchem ich hier kurz zwei Sätze zitiere, ist äußerst lesenswert:
- "[...] wobei meine Art, die Dinge rational, also mit Hirn und Verstand, anzugehen, sehr auffallend, aber durchaus normal sei."
- "Ich hoffe, dass Gott solchen Verbrechern gnädig ist, wenn sie irgendwann erkennen sollten, was sie tun."
Der Brief ist außerordentlich schön formuliert, wenn es nicht so ernst wäre, könnte man herzlich über die Schilderungen lachen. Wie hier mit einem relativ hochrangigen Soldaten umgegangen wird ist meiner Ansicht nach skandalös. Schließlich hat der Major aber doch noch Recht bekommen, siehe "Major Pfaff hat Recht bekommen: Keine Befehlsverweigerung, sondern freie Gewissensentscheidung des Berufssoldaten". Nach der Lektüre dieser Dokumente bin ich Herrn Kühling geradezu dankbar, für diesen Fall. Ich hatte zwar davon gehört, mich aber nicht genauer mit ihm befaßt.
Der zweite kleinere Fall drehte sich um
Windräder. Stichworte sind:
Bundes-Immissionsschutzgesetz, Erheblichkeit, Licht/Schatten-Spiel usw. ...
Nach dieser Prüfung hatte ich mittags meine erste Sitzung der Studienkommission Informationswirtschaft. Für alle, die mit dem Begriff Studienkommission nichts anfangen können habe ich eine Definition gefunden: "Gremium auf Fakultätsebene, das in Fragen der Lehre befasst wird. Wird von einem habilitierten Studiendekan geleitet, es sitzen aber mehrheitlich Studierende drin, weshalb Abstimmungen irrelevant sind. Wird von Wissenschaftsministern üblicherweise als Beweis für die Mitwirkungsmöglichkeiten der Studierenden auch ohne VS verkauft." (siehe UNiMUT Glossar)
Bei der Stuko Informationswirtschaft liegt ein Sonderfall vor, da hier die zwei Fakultäten Informatik und Wirtschaftswissenschaften vertreten sind. Dort werden
Prüfungsordnungen besprochen und weitere inhaltliche Fragen des Studiengangs diskutiert. Nun, wir saßen vier Stunden zusammen und ich weiß jetzt mal, wie so eine Sitzung abläuft.
In WortSport war das Thema der erste Johannesbrief.
Daniel stellte in der Einleitung die gewagte These auf, daß man Johannes als den ersten (christlichen) Blogger bezeichnen könnte - denn sein Brief hat keinen eindeutigen Adressaten, sondern ist an eine größere, vielleicht auch unbestimmte Leserschaft gerichtet - wie ein
Blog eben.
Jedenfalls hat erstmal jeder für sich
diesen ganzen Brief gelesen, denn so lang ist er nicht. Vor dem Lesen gab Daniel uns noch drei Fragen vor, die wir beim Lesen im Kopf behalten und uns Notizen dazu machen sollten.
Die Fragen lauteten:
- Was und wie schreibt Johannes über Sünde/sündigen?
- Was und wie schreibt Johannes über den Lebenswandel?
- Auf welche Weise schreibt Johannes über Gott oder Jesus?
Im Gespräch über Kapitel 3, Vers 6 ("Wer mit ihm verbunden bleibt, sündigt nicht mehr. Wer aber sündigt, hat ihn nie gesehen und kennt ihn nicht.") haben wir dann noch etwas über die griechische Sprache gelernt, denn dort gibt es
mehr Zeitformen als im Deutschen. So wird dort zwischen einem "linearen Sündigen" und einem "punktuellen Sündigen" unterschieden, was diesen Vers, in dem es um das "lineare Sündigen" geht, für mich verständlicher machte.
Nun noch Teil einhundertundsechzehn meiner Temperaturserie an der Haltestelle Rheinhafenstraße:
12.12.2005, zwanzig vor zwölf Uhr nachts, 5°C
Kommentare: 0. Geschrieben am 18.12.2005 um 16:41:21 Uhr
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