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bloggen » 07/2005

punktpunktblog

Mittags in der Fußgängerzone ...

Gestern hatte ich eine interessante Begegnung mitten auf der Kaiserstraße in KAKarlsruhe. Eigentlich waren es sogar zwei, wenn nicht drei Begegnungen, aber alles der Reihe nach.

Komischer ChristIch lief also durch die Fußgängerzone und bemerkte auf einmal auf der anderen Seite einen Mann auf einem Schemelchen stehen und komische Sachen rumrufen. Also blieb ich mal stehen, las die Schilder, die er neben sich stehen hatte und sah, daß er wohl das Wikipedia-LinkEvangelium verkünden will, wie man das so schön nennen kann.
Ich blieb kurz stehen, lief dann aber erstmal weiter. Als ich ein paar hundert Meter weiter aus einer Buchhandlung wieder rauskam stand auf einmal dort auch wieder so einer, aber er erzählte nichts mehr, zumindest nicht den vorbeilaufenden Menschen, aber dafür der Polizei.
Keine Ahnung, was er genau gesagt hat und warum sich irgendjemand wohl angegriffen fühlte und die Freunde und Helfer holte, jedenfalls zogen die den jungen Mann erstmal aus dem Verkehr bzw. stellten ihn stumm. Diese seltene Gelegenheit nutze ich, um ihn mal zu fragen, was er denn für einer sei, zu welcher Gemeinde oder Organisation er gehöre. Er antwortete darauf nur kurz, daß er nirgends dazugehört und das ganz privat auf Grundlage der Bibel mache. Dann mußte er auch schon weg, denn er hatte einen Termin, sagte er.

Also lief ich gemütlich weiter, wieder zurück Richtung Europaplatz, bis ich dann bei diesem zweiten Schreier angekommen war. Ich hörte ihm eine Weile zu und stellte mich dann mal direkt neben ihn, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Erstmal ließ er sich von meiner Anwesenheit nicht beeindrucken und erzählte fröhlich weiter ... irgendwann erbarmte er sich dann und verstummte, kurz.
Ich fragte auch ihn, woher er kommen würde. Er sagte auch, rein privat, blabla. Dann fragte ich ihn, warum ein paar hundert Meter weiter dann noch so einer steht - darauf sagte er, daß dies sein Bruder sei. Sie wären in einem "Hauskreis" und würden das eben aus Überzeugung machen.

Nungut, mich konnten die beiden nicht wirklich überzeugen, denn solche freischwebende Gestalten sind mir irgendwie suspekt. Zumal ich seine für vielleicht nicht die Beste Methode halte um Menschen mit der biblichen Botschaft zu konfrontieren - aber warum nicht?

Lustig wurde es jedoch, als sich eine kleine Horde junger IslamistenMoslems einmischte. Irgendwann machte sich der werthe, mir suspekte, Herr mit den netten Schildern aus dem Staub und ließ mich mit diesen Koranlesern allein.
Die wollten mir erzählen, ich würde eigentlich an Judas glauben, die Bibel sei im 5. Jahrhundert verfälscht worden und Jesus sei sowieso nur ein Prophet.
Dies durfte ich mir dann eine Weile in verschiedenen Variationen von zwei bis drei Seiten gleichzeitig anhören. Natürlich hatte ich für die meisten Fragen eine mehr oder weniger passende Antwort parat und konnte durch meinen Griff zur Bibel im Rucksack noch zusätzlich zumindest bei einer der drei punkten. Ich war ein wenig erstaunt darüber, daß die zwei Mädchen und der eine Junge wohl alle schon die Bibel gelesen haben - da dachte ich mir, man sollte fast mal den Koran lesen, wenn auch nur, um dem was entgegensetzen zu können.
Aber auf jeden Fall führten wir einen interessanten Diskurs, dem bald auch schon wenige Zuhörer mit ein wenig Abstand beiwohnten.

Geführt hat das Gespräch natürlich zu nichts, außer daß ich jetzt ein paar mehr Bekannte in der Stadt habe, die ich bestimmt mal wieder in der Fußgängerzone treffen werde. Die Moslems waren natürlich von ihrer Sicht der Dinge überzeugt und ich von meiner. Sie sagten mir mehrmals, daß wir ja mal vor Gott stehen würden, und Gott mich dann fragen würde, warum ich ihnen nicht geglaubt hätte. Sie hätten mir ja die Chance gegeben "die Wahrheit" zu erkennen. Darauf erwiderte ich, daß ich die Sache natürlich anders sehe und entgegnete, was denn sei, wenn ich Recht hätte. Doch das kam ja für sie überhaupt nicht erst in Frage ...

Keine Ahnung, wie lange die Unterhaltung insgesamt dauerte, irgendwann wollten die drei dann einkaufen gehen. Auch gut.

So wurde aus einem kurzen weg durch die Innenstadt sozusagen Wikipedia-Linkdie unendliche Geschichte - aber sowas ist ab und zu auch mal ganz unterhaltsam.


Am Abend war ich dann noch bei Hannis Geburtstag. Dort gab es leckeres Gegrilltes, Apfel-Holunderblüten-Sprudel und Wein von Graf Karolyi.
Als ich dann auf dem Heimweg war lief vorm Hauptbahnhof ein junger Mann an mir vorbei, der einfach so, mitten auf der Straße im Laufen, seine Blase entleerte. Es gibt Sachen, die dürfte es nicht geben. Ich machte ihn auch noch kurz darauf aufmerksam, aber er schenkte mir, wie zu erwarten war, keine Beachtung.
Auf meinen letzten Metern kam ich schließlich noch an einem offenen Fenster mit offenem Rolladen im Erdgeschoß vorbei - das hat mich zwar ein wenig gewundert, aber wem's gefällt.

Abschließend kann ich nur noch erstaunt feststellen, was man an einem gewöhnlichen Samstag so alles erleben kann ...

Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 31.07.2005 um 18:26:23 Uhr



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