bloggen » 07/2005
punktpunktblog
WEB.DE ist tot, es lebe comBOTS!
Am Donnerstag ging es dann pünktlich um zehn Uhr wieder los. Insgesamt bestand der ganze Donnerstag dann hauptsächlich aus dem Wiederholen von Fragen und Antworten und vielen hohlen Phrasen, die natürlich laufend wiederholt wurden. Ganz oben steht dabei "Die Transaktion ist das beste für das Unternehmen", gefolgt von einem Satz indem der Vorstand erklärt, daß er mit aller Kraft dafür kämpfen, sprich das schon irgendwie durchboxen wird. Gleich am Anfang wurde natürlich auch die absolute Killerapplikakton der Web-Telekommunikation wiedermal erwähnt, denn "das Produkt besitzt erheblichen Innovationswert". Wissen wir ja schon seit gestern, aber was solls.
"Jeder Aktionär soll die Möglichkeit haben an unserem Erfolg teilzuhaben", sagte
Matthias Hornberger. Er ergänzte, daß es natürlich auch jedem Aktionär freistünde auszusteigen, wenn er das nicht will.
Auffällig war insgesamt, daß fast die ganze Zeit nur Matthias Hornberger redete. Als Leiter der Versammlung mußte
Hansjörg Reiter ab und zu zumindest mal das Wort erteilen oder das Abstimmungsverfahren erklären und am Ende die Ergebnisse verkünden, aber mehr hat er nicht gesagt. Einmal hat noch der Notar kurz etwas gesagt, aber sonst immer nur Herr Hornberger ...
Matthias und
Michael Greve sahen die meiste Zeit auch eher gelangweilt aus. Aber die meisten auf der Bühne hatten ja einen Laptop vor sich stehen, so daß ich annehme, daß sie sich die Zeit schon irgendwie versurfen konnten. Ab und an grinste Michael Greve sehr breit und starrte auf seinen Bildschirm - mich würde ja interessieren, was ihn so unterhielt, aber das wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben.
Nun ein Satz, den ich mal aus ein wenig heißer Luft zusammengewürfelt habe:
Im Zuge einer anderen Transaktionsstruktur wäre durch die Verschmelzungsrelation die Realisierung des Wertpotentials ungeachtet des Marktpenetrationsverlaufs nicht möglich.
Das gibt zwar direkt keinen Sinn, hätte aber gestern oder vorgestern durchaus jemand so sagen können. Wäre nicht aufgefallen. Und das fand ich schon irgendwie lustig, denn beispielsweise auch ein grober Finanzplan bis 2009 für ein Produkt, das noch nichteinmal am Markt ist, hat mit der Realität nun wirklich überhaupt nichts zu tun. Daß diese Zahlen öfter wiederholt wurden lag allerdings nicht am Vorstand, sondern an den nervigen Fragern.
Eine wirklich interessante Zahl hingegen fand ich die Schätzung für die Kosten der Hauptversammlung, die sich auf 280.000 EUR belief. Das kam mir doch ein wenig viel vor, dafür daß man zwei Tage nur rumsitzt und sich viele Sprüche zehnmal anhören muß. Außerdem gab es am zweiten Tag deutlich weniger zu essen als am ersten, aber das ist klar, wenn der zweite Tag eigentlich nicht wirklich geplant ist. Trotzdem schade.
Die Fragen nahmen kein Ende, bei einigen habe ich mich jedoch ernsthaft gefragt, ob sie am Mittwoch überhaupt da waren, denn vieles wurde da bereits beantwortet. Als schließlich ein Aktionär zum deutlich mehr als dritten mal irgendwelche Zahlen verlangte und sich noch über Material beschwerte, das nur auf Englisch auslag und um eine Übersetzung bat konnte sich der komplette Vorstand ein breites Grinsen nicht verkneifen. Dabei ging es um die "
Fairness Opinion", für die das zusätzliche Bewertungsmaterial eben nur auf Englisch verfügbar war.
Ein weiterer Aktionär brachte aber noch einen in meinen Augen durchaus gerechtfertigten Einwand, denn er sagte, daß der Abbruch gestern nicht fair war. Vor allem aber kritisierte er die Art und Weise, wie abgebrochen wurde. Außerdem ließ er noch folgenden Satz vom Stapel: "Ich steh eigentlich gern auf Zu- und Absagen." Auf was man nicht alles stehen kann ...
Die Antwort auf die Frage nach den ladungsfähigen Anschriften des Aufsichtsrats war dann der Brüller des Tages. Die Adressen wurden vorgelesen, und es gab kleinere Verständnisprobleme. Herr Reiter wohnt also in der Hirschstraße, doch da kann man natürlich auch Kirschstraße verstehen. Deswegen ergänzte Herr Hornberger nach mehreren Nachfragen "Hirsch, wie Du Hirsch!" - worauf der Aktionär sich beschwerte, daß er mal nicht frech werden sollte. Als zweiter folgte
Herr Schlagenhauf, der Hinterm Zaun wohnt, "wie hinterm Mond" ergänzte Herr Hornberger passend. Daraufhin fragte der Aktionär, ob die Post denn auch wirklich ankommen würde ... An dritter Stelle folgte die Anschrift von
Herrn Felix Greve, der Am Steinbruch wohnt.
Als Schlußsatz dieser Antwort konnte sich Herr Hornberger den Satz "sie sehen, wir haben sehr naturverbundene Aufsichtsräte" nicht verkneifen. Ich glaube das war die mit Abstand lustigste Antwort der ganzen Hauptversammlung.
Gegen zwanzig vor zwölf kam mein Nebensitzer, nachdem er einige Zeit draußen gewesen war, wieder herein und sagte mir, daß in
London in der
Tube eine
Bombe explodiert war. Mehr erfuhr ich dann aber, bis ich abends daheim war, von dem Vorfall nicht. Aber trotzdem hat mich das überrascht und ein wenig schockiert.
Doch zurück zur Hauptversammlung. Es wurde auch gefragt, ob die Großaktionäre irgendein Gutachten bezüglich der
1&1 Internet AG denn gesehen hätten, falls ja wäre das eine Benachteiligung für die anderen Aktionäre. Die überraschende Antwort war ganz schlicht nein, außerdem habe man
nur einen Großaktionär. Wer das wohl ist, da muß man nicht lange nachdenken, denn mit rund 50% Anteil dürfte man schon als Großaktionär bezeichnet werden ...
Zu einer weiteren Kritik eines Aktionärs, an der langen Pause mit dem gleich darauf folgenden Abbruch erwiderte Herr Reiter "Es liegt mir fremd Aktionäre mit Absicht zu schikanieren.", es wären noch zu viele Fragen offen gewesen, so daß eine Abstimmung nicht möglich gewesen wäre.
Bei der "Zu-Protokoll-Gabe" einiger Fragen wies wieder Herr Reiter den "Zu-Protokoll-Geber" an, er solle "normal flüssig lesen, wie sie ihrem Kind vorlesen würden" - ein wirklich netter Satz.
Wenig später nach einigen anderen Fragen meldete sich eben erwähnter Stresser nochmal zu Wort, denn er war mit der Beantwortung der einen oder anderen Frage immer noch nicht zufrieden, deshalb sagte er "Das ist so, wie wenn ich Sie nach dem Wetter frage und Sie mir sagen, wie ich einen Kuchen backe." Auch ein schöner Satz.
Wie schon erwähnt, der Donnerstag war der Tag der Pausen und Phrasen. Es gab einige Unterbrechungen und vieles wurde so oft wiederholt, daß ich es irgendwann kaum mehr ausgehalten hätte.
Als sich die Versammlung langsam fast dem Ende neigte empörte sich ein Aktionär über ausliegendes Material. Zuerst sagte er fast resignierend "Mensch Leute", wenig später kam dann aber sein Spruch des Tages: "Sie haben doch ein Unternehmen und keine Klitsche!"
Um kurz nach halb drei schloß Herr Reiter schließlich nach endlosen Wiederholungen und Pausen endlich die Generaldebatte. Von da an ging alles relativ zügig. Ein letztes Mal wurde das Teilnehmerverzeichnis aktualisiert - viel hat sich nicht geändert, es waren nach wie vor rund 64% der
Stückaktien vertreten.
Nach einer Erklärung des Abstimmungsverfahrens war es um kurz vor drei dann soweit und es wurde abgestimmt. Die Auszählung nahm dann, wie angekündigt, rund eine dreiviertel Stunde in Anspruch.
In dieser Pause habe ich mich mit einer älteren Aktionärin, einem Aktionär mit dem ich mich gestern schon in der S-Bahn kurz unterhalten habe und mit einem Franzosen unterhalten. Der Franzose scheint schon seit Beginn dabei und zumindest Felix Greve persönlich bekannt zu sein. Auf jeden Fall war er ein wenig verärgert darüber, daß so ziemlich alle Leute, die überflüssige Fragen gestellt haben, wohl zum ersten Mal auf einer
WEB.DE AG Hauptversammlung waren und das sowieso nur machen würden um hinterher gegen irgendetwas zu klagen. Denn er sagte auch, daß die (richtigen) Aktionäre sich alle gegenseitig kennen würden. Ich denke, er sollte es wissen.
Die Auszählung ergab schließlich, daß fast alle TOPs mit 99prozentiger Mehrheit angenommen wurden. Nur einmal waren es nur 94% Ja-Stimmen. Ich frage mich nur, warum mehr für eine Umfirmierung als für die Transaktion selbst gestimmt haben, denn ohne Transaktion wäre die Umfirmierung überflüssig. Aber da sowieso beides durch ist, fällt das nicht ins Gewicht, seltsam finde ich es trotzdem, denn viele haben sich eigentlich über den neuen Namen beschwert, da hätte ich ein anderes Ergebnis erwartet.
Um kurz vor vier war dann alles zu Ende und ich machte mich auf den Weg zur nächsten Veranstaltung, dazu in Kürze mehr.
Aktuelles .. linken .. kommentieren (1) .. von Götz Bürkle am 08.07.2005 um 12:38:18 Uhr
.. kommentieren
(Die rot bzw. mit * markierten Felder müssen ausgefüllt werden.)
SELFer
SELFHTML aktuell Weblog
Jeena Paradies
_Das kleine Seitenschwein
eingebeckert
Top Fives
DECAF°blog - Coffee Benefit
xwolf
- Jan
CK kennt Wayne
Henryk
Ministry of Propaganda
Snowone kennt Wayne
Siechfreds Tagebuch
Stonie kennt Wayne!
- Patrick Canterino
- subLog
- Javascript Blog
kubik
- Pfaffe 3000
- BLOGschokolade
[depone]
schleudergefahr
werkstück
Journeyfiles
- A_Travers_Champ
- kwerfeldein
- kristovs blog
- lebensatem
tautoko ::
bensonofone
- tabea und benjamin
Warnschild
STREUliCHT
text* tan_go
- denk pause
child's play
Madarúsia
- cogitate flubdub
- diesen blok gibt es nich
ich lese:
WorldWideKlein
- bluelectric.de
London Leben
Medienrauschen
praegnanz.de
Tageslosung
- Bibelblog (offline)
ePredigt
- Andacht "Leben ist mehr"
und beim Stern
Das schreiben die richtigen Journaillien-Leute dazu:
http://www.stern.de/computer-technik/internet/index.html?id=542885&nv=rss
.. geschrieben von Michael .. www .. am 18.07.2005 um 14:21:30