bloggen » 06/2005
punktpunktblog
Weise Worte an der Uni
Am Donnerstagabend hab ich mir einen Vortrag von
Reinhold Würth (siehe auch:
Wikipedia: Reinhold Würth) zum Thema "Kreative Unternehmensführung zur Erschließung neuer Wachstumsfelder" angehört.
Zu Beginn des Vortrages wurde ein Würth-Werbefilm gezeigt, der ganz nett anzuschauen war. Danach wurden zig Folien aufgelegt mit irgendwelchen interessanten Balkendiagrammen, die alle nahezu eine
Exponentialkurve darstellten. Ganz egal, ob Umsatz, Betriebsergebnis oder Mitarbeiter (insgesamt beschäftigt die Würth-Gruppe im Moment 49300 Mitarbeiter - eine fast unvorstellbare Zahl) - alles machte eine ähnliche Entwicklung durch, seit Mitte des letzten Jahrhunderts. Diese Fakten waren natürlich beeindruckend,
Würth kann auf eine wirklich bemerkenswerte Firmengeschichte zurückblicken - aber diese ganzen Zahlen waren eigentlich nicht das Interessante an diesem Vortrag.
Das, wofür sich der Vortrag wirklich gelohnt hat kam erst später, nämlich als Reinhold Würth mehr drum herum erzählte. Unter anderem ermutigte er die Zuhörerschaft Kinder zu bekommen, denn die brauchen wir ja schließlich, aber das nur am Rande.
Wirklich nachahmenswert finde ich eigentlich seinen Ansatz, sich jetzt schon zu überlegen, wo man in zehn Jahren stehen möchte. Vorausschauend denken - wobei zehn Jahre eine sehr lange Zeit ist, aber dazu werd ich mir demnächst mal ernsthaft Gedanken machen. Er selbst hat beispielsweise im Jahr, ich glaube 1987, den Umsatz oder Gewinn für das Jahr 2000 ziemlich präzise "vorausgesagt". Er hat zwar zugegeben, daß sie nur aufgrund des Zukaufs eines Unternehmens über seiner Prognose gelegen haben, aber auch ohne diesen Zukauf wäre seine Prognose noch sehr nah an der Realität gelegen. Ich muß ehrlich zugeben, daß mich dies schon beeindruckt, denn ich finde es nicht leicht, irgendeine Entwicklung über zehn Jahre einzuschätzen.
Lustig fand ich den ganzen Vortrag über, wie Herr Würth über Unternehmenskäufe in etwa so redet, wie andere Leute, wenn sie sich im Supermarkt überlegen, ob sie sich einen Schokoriegel kaufen wollen. Einfach mal so, nebenbei. Egal, ob man das Unternehmen jetzt schon "brauchen" kann oder nicht, vorausschauend kann man ja auch mal einfach so zum Beispiel eine Bank kaufen - langfristig denken, sich neue Märkte und Betätigungsbereiche erschließen oder offen halten oder auch nur den Nachschub sichern.
Aber Herr Würth hat nicht nur darüber gesprochen, er sagte auch, daß wir uns von den Informatikern alles aufdrücken lassen haben, was machbar war oder ist, ganz egal ob es nun sinnvoll ist oder nicht. Es gibt so viele Funktionen für jedes noch so einfache Gerät oder Programm, aber an sich ist es so: keiner brauchts!
Das Erschreckende daran ist, daß er Recht hat. Er erzählte auch, er habe "so einen
A8", der viele Knöpfe und Funktionen hat, von denen er absolut keine Ahnung hat, obwohl er das Auto schon zwei Jahre fährt - schließlich will er doch nur von A nach B kommen.
In diesem Zusammenhang ließ Herr Würth auch nicht unerwähnt, daß viele heutzutage dem Kollegen im nächsten Stock öfter eine E-Mail schreiben, wenn es etwas zu klären gibt, als einfach mal kurz hoch zu gehen und sich mit dem Kollegen zu unterhalten. Die Persönliche Kommunikation wird oft dem sogenannten Fortschritt geopfert - eine nicht unbedingt positive Entwicklung.
Ich bin ja selbst jemand, der am liebsten E-Mails schreibt, aber manchmal ist es doch besser und schöner mal richtig einem Menschen gegenüber zu stehen und sich mit ihm zu unterhalten. Auch wenn es vielleicht mehr Aufwand ist als kurz eine E-Mail rauszuschicken. An diesem Punkt sollte ich mich mal selbst beobachten.
"Ich bin Gott unglaublich dankbar ..." begann sein Schlußsatz - damit hätte ich nicht gerechnet, habe mich aber gefreut, denn so etwas hört man von Führungskräften oder sonstigen erfolgreichen Menschen nicht sehr oft.
Mit diesem Schluß hat er mich wirklich positiv überascht.
Insgesamt also ein lohnenswerter und lehrreicher Vortrag. Herr Würth ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die trotz des enormen Erfolges noch einen bodenständigen, freundlichen und angenehmen Eindruck hinterläßt.
(Die meisten Bilder sind von Würth-Gruppe / Presse / Logos/Fotoservice.)
Studium .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 18.06.2005 um 03:08:14 Uhr
.. noch nicht kommentiert.
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