bloggen » 03/2005
punktpunktblog
Aus Verantwortung für unser Land: Deutschlands Kräfte stärken
Unter der Überschrift "Aus Verantwortung für unser Land: Deutschlands Kräfte stärken" gab unser Bundeskanzer Gerhard Schröder heute morgen rund eineinviertel Stunden lang seine Regierungserklärung zum Besten.
Aus Interesse habe ich mich dazu entschieden, mir sowas mal wieder anzuschauen - daß ich deswegen schließlich über 4 Stunden vorm Fernseher verbrachte hatte ich eigentlich nicht gedacht, aber so tat ich wenigstens etwas für meine politische Bildung.
Die Veranstaltung die ich verfolgte:
Tagesordnung der 166. Sitzung, Donnerstag, 17.03.2005, 09.00 - ca. 20.45 Uhr. Nach 13.15 Uhr klinkte ich mich jedoch aus.
Wen inhaltliche Informationen interessieren, der wird sie hier nicht finden. Das können andere viel besser, beispielsweise das Zweite, das Erste oder
viele andere.
Die Redner
Wie schon erwähnt, der erste Redner war unser aller Kanzler. Man kann ihm nicht absprechen, daß er kein gänzlich unbegabter Redner ist. Und er hat ein neues Lieblingswort: Popanz (siehe Begriffserklärung). Jedenfalls gebraucht er das Wort einmal im Singular und einmal meine ich sogar im Plural relativ kurz hintereinander.
Als weiteres Highlight hat er das
Montesquieu-Zitat des Präsidenten aufgegriffen.
Des Weiteren muß ich zugeben, daß ich von seinem Auftritt recht positiv überrascht war, denn er trug seine Rede die meiste Zeit sehr frei vor, weshalb seine wenigen "Verhaspler" nicht schlimm waren. Er ist meiner Ansicht nach wirklich jemand, der reden kann und dem man dabei auch zuhören kann.
Ganz im Gegensatz zu seiner Nachrednerin Angela Merkel, deren relativ abgelesenes Gestammel ich mir dann etwa 40 Minuten anhören durfte.
Danach ging es mit Franz Müntefering genauso weiter, doch er war glücklicherweise bereits nach 25 Minuten am Ende. Auch er ist kein sonderlich guter Redner.
Ihm folgte Wolfgang Gerhard, der im Gegensatz zu seinen beiden Vorrednern wieder mehr rhetorisches Talent aufbieten konnte. Während seiner Redezeit von circa 40 Minuten konnte man wieder gespannt zuhören und das eine oder andere mal grinsen.
Sodann folgte der Ministerpräsident des Freistaates Bayern, Edmund Stoiber. Man kann von ihm halten was man will, seine rund 35minütige Rede war stellenweise aggressiv, aber wenigstens machte es Spaß ihm zuzuhören.
Schließlich meldete sich noch Peer Steinbrück, Ministerpräsident von NRW. Der füllte seine rund 30 Minuten auch noch ganz annehmbar.
Der letzte Auftritt in der "Aussprache zur Regierungserklärung" war der von einer gewissen Gesine Lötzsch. Warum sie überhaupt unbedingt etwas sagen mußte ist mir noch nicht so ganz klar, aber vielleicht redete die knappen fünf Minuten auch nur deswegen, daß ihre Parteikollegin in der letzten Reihe irgendwann auch mal klatschen durfte. Sonst interessierte sich offensichtlich nämlich niemand mehr dafür, was man am deutlich gestiegenen Lärmpegel merken konnte.
Das Fazit
Nun, was lernen wir aus alledem?
Zuallererst einmal, daß jeder Politiker die Tatsachen ein wenig so beschönigt, wie es ihm gerade paßt. Alle samt haben mit Sicherheit hin und wieder ein wenig übertrieben - doch klappern gehört ja zum Geschäft.
Ansonsten bin ich der Ansicht, daß nur solche Politiker öffentliche Reden halten sollten, die auch eine gewisse Begabung darin haben. Alles andere ist eine Qual der Zuhörer.
Was mir noch aufgefallen ist: Nach der zweiten Rede waren nur noch die ersten paar Reihen besetzt. Die hatten bestimmt alle furchbar wichtige Auschschußsitzungen und ähnliches.
Ministerpräsidentenwahl in Kiel
Doch heute ist nicht nur der Tag Schröders Regierungserklärung, sondern auch eigentlich der Tag, an dem in Schleswig-Holstein ein neuer Ministerpräsident gewählt werden sollte.
Nun, nach inzwischen dem vierten Wahlgang hat es Heide Simonis immer noch nicht geschafft - ich finde, sie sollte ihre Kandidatur zurückziehen.
Ich würde sagen, der bisherige Sieger des Tages ist ihr Gegenkandidat Peter Harry Carstensen
Weil das alles jetzt sowieso schon sehr lang ist verweise ich für genauere Informationen nur auf
Google-News: Wahl Kiel.
Begriffserklärung "Popanz":
Po|panz <slaw.> der; -es, -e: 1. a) etw., was aufgrund vermeintlicher Bedeutung, Wichtigkeit einschüchtert, Furcht o. Ä. hervorruft; b) (veraltet) Schreckgestalt, Vogelscheuche. 2. (abwertend) willenloses Geschöpf; unselbstständiger, von anderen abhängiger Mensch
(c) Dudenverlag
Aktuelles .. linken .. kommentieren (0) .. von Götz Bürkle am 17.03.2005 um 16:06:31 Uhr
.. noch nicht kommentiert.
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